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Werner knallhart

Langzeittest: Die Apple Watch lügt!

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Ein Opfer der Technikgläubigkeit

Auf den Schrittzähler meiner Apple Watch ist also kein Verlass. Aber wie du mir, so ich dir: Die Watch fällt ihrerseits auf die billigsten Lügen herein. Hebt und senkt man in der fahrenden S-Bahn ein paar Mal den Arm, hat man direkt wieder ein paar hundert Meter Cardiotraining absolviert. Süß!

Gegen diese Uhren muss die Apple Watch bestehen
Pebble Time Steel Quelle: PR
LG G Watch Urbane Quelle: REUTERS
LG G Watch Urbane LTE
Alcatel OneTouch Watch Quelle: PR
Huawei Watch Quelle: PR
Cogito Watch Quelle: AP
Cogito Watch Quelle: Screenshot

Die Apple Watch pennt

Null Alltagstauglichkeit bietet das eingebaute Navi. Der Härtetest bei einer Tour mit dem Fahrrad durch Berlin hat die Kleine komplett überfordert. Zum einen mag das Klopfsignal am Handgelenk ja eine Weltneuheit sein. Aber wenn man nicht gerade über eine auf Hochglanz polierte Edelstahlplatte fährt, lenken die Vibrationen am Lenker durch die Unebenheiten in der Straßendecke derart ab, dass man das Klopfen der Uhr meist nicht spürt. Also guckt man stichprobenartig auf gut Glück. Aber natürlich nicht einfach auf die Hand am Lenker. Man muss wie immer den Arm heben. Dann erst geht das Display nach einer knappen Sekunde an. Es zeigt: links/rechts abbiegen in die Soundso-Straße.

Aber wann kommt die? Nach wieviel Metern? Nach 200, nach 20? Sag es!

Diese Info wird erst nach einer weitern knappen Sekunde Starren geliefert. Einhändig fahren und knapp zwei Sekunden auf sein Handgelenk starren. Apple sollte zu jeder Uhr einen Sturzhelm mitliefern. Dann der Schreck: in 10 Metern abbiegen! Was man nicht am Handgelenk hat, muss man eben in den Bremsbacken haben. 

So ein Spielzeug-Navi hilft vielleicht bei einem Kneipenhopping durch Ottersweier. In der Großstadt auf dem Fahrrad ist mir das aber zu heikel. Dann sich lieber mit Smartphone, Kopfhörern und Sprachansagen führen lassen.

WhatsApp auf der Watch nervt

Wenn Sie einen Apple-Watch-Träger in die Klapsmühle bringen wollen, dann senden Sie ihm mehrere WhatsApp-Nachrichten im Abstand von rund drei Sekunden. Das erlebt der Gepeinigte dann so:

Die Uhr klopft ans Handgelenk. Er dreht den Arm auf der andressierten Bahn zum Gesicht. Die App meldet eine neue Nachricht. Der Text wird angezeigt. Er liest: "Hallo Marcus, ich muss dir dringend was beichten. Ich..."

Klopfklopf. Die zweite Nachricht erscheint. Das Display schaltet um auf "Sie haben eine neue Nachricht." Und als er die gerade lesen will, kommt die dritte Nachricht rein. Nun steht da: "Sie haben zwei neue Nachrichten."

Weil die Nachrichtenapp aber nur vom iPhone auf die Watch durchpusht, aber auf der Watch kein Menü bietet, um mehrere Nachrichten durchzublättern, ist der Zugriff auf die Nachrichtentexte nun plötzlich verbaut. Jetzt muss man zum Telefon greifen, um weiterzulesen, was man am Handgelenk begonnen hat. Weil einem die Neugier keine andere Wahl lässt, kommt man sich wirklich vor wie ein Opfer. Ein Opfer seiner Technikgläubigkeit.

In Arbeit
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Was bleibt am Ende? In ruhigen Räumen funktioniert die Uhr als gute Freisprecheinrichtung. Die Watch ist ein toller Fernauslöser für die Kamera im iPhone. Ach ja, und die Wettervorhersage. Immer die aktuelle Temperatur auf dem Display. Fast immer. Manchmal hängt die Uhr hinterher und flunkert wieder ein bisschen.

Das Gute aber ist: Weil ich bei der Apple Watch bislang so wenige Funktionen wirklich regelmäßig nutzen möchte, weil es ohnehin so umständlich ist mit der Fummelei auf dem kleinen Display, hält der Akku richtig lange. Von wegen nur 18 Stunden. Bei mir hält er fast zwei Tage durch. Aber muss er gar nicht. Ich lege mir von Zeit zu Zeit wieder meine alte Casio an. Die mit dem Metallglieder-Armband. Die ist immer für mich da, wenn ich sie mal angucke.

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