Werner knallhart

Mein Saugroboter ist eine Diva!

Das Weihnachtsgeschenk für Leute, die sich gerne von Technik fertig machen lassen: Ich habe den Saugroboter Kobold von Vorwerk getestet. Mit Geld-zurück-Garantie. Testergebnis: Ich nehme das Geld. Eine Kolumne.

Ein ganz persönliches Fazit zum Kobold VR200 Saugroboter. Quelle: PR

Ich bin ein Early Adopter. Ich bin von technischen Neuerungen alleine schon deshalb begeistert, weil sie neu sind. Das deutsche Motto "Ach, es ging doch bislang auch ganz gut ohne" - es ist nicht meins. Ich gebe Neuem enthusiastisch eine Chance. Wenn denn was kommt.

Aber das passiert denkbar selten: Das erste iPhone, das gemerkt hat, wenn man es dreht und neigt. Das erste Mal lautloser Kavalierstart im BMW-Elektroauto i3. Das erste Mal mit Bild skypen - im Flugzeug in acht Kilometern Höhe über dem Atlantik. E-Roller-Sharing per Emio-App diesen Sommer in Berlin.

Androiden im Anmarsch

Und jetzt die nächste Chance: der Saugroboter. Das schwedische Konsumforschungsinstitut HUI hält den Saugroboter sogar für den Weihnachtsknüller 2015 (nach dem Fitnessarmband 2014). So ein Roboter hat ja auch alle wesentlichen Zutaten eines gepflegten Geschenks: Es nimmt einem Arbeit ab (vernünftig), flitzt selbständig durchs Haus (unterhaltsam), funktioniert auf unerklärbare Weise (faszinierend) und ist nicht gerade ein Schnäppchen (hochwertig).

Vorwerk verkauft seinen Saugroboter Kobold VR 200 aktuell für 699 Euro. Mit einer 30-tägigen Geld-zurück-Garantie. Der Kobold ist der Testsieger der Stiftung Warentest. Testurteil allerdings trotzdem nur "gut". Aber wenn, dann den. Ich wollte es also wissen.

Ich bin ein Early Adopter. Aber ich bin nicht bescheuert. Trotzdem war ich erstmal bereit, dem Kobold seine Ankunft im neuen Zuhause so angenehm wie möglich zu gestalten. Unsere Zusammenarbeit auf Probe sollte nicht an mir scheitern. Also räumte ich als erstes den Wäscheraum um. Denn der Roboter von der Größe einer sehr dicken Personenwaage brauchte rings um seine Akku-Ladestation Platz von mehr als einem Quadratmeter, um nach getaner Arbeit zum Auftanken bequem selbständig rückwärts einparken zu können.

Exklusiver Parkplatz für den Kobold

Also schafften wir die Gartenmöbel-Auflagen in den Keller und die Schuhe nach oben ins Regal. Der Kobold hatte nun einen exklusiven Parkplatz mit üppigem Vorplatz zum Rangieren ganz für sich allein. Das auf den Boden herab baumelnde Kabel des Bügeleisens wickelte ich auf. Man stelle sich vor, der fleißige Kobold würde sich an ihm festfressen und sich selbst mit dem herabfallenden Bügeleisen erschlagen. Nein, nein.

Ich programmierte unseren neuen Gehilfen auf Samstag 9 Uhr. Dann sollte er die gesamte Wohnung durchsaugen. Mit Ausnahme der Bäder, denn die Duschwannen sind ebenerdig und er sollte ja nicht am Abfluss herum lutschen. Das wäre nicht gut, stand in der Bedienungsanleitung.

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse

Am nächsten Morgen konnte ich schon um kurz nach 8 Uhr nicht mehr einschlafen. Der Kobold stand schließlich in den Startlöchern. Ich tapste in Unterhose zum Wäscheraum und lugte durch den Türspalt. Der Kobold schlief noch ganz friedlich. Aber seine Akkuanzeige blinkte nicht mehr. Er stand also voll im Saft.

Ich nahm eine Dusche, machte mir eine Tasse Tee und gesellte mich zum immer noch schlummernden Kobold. Es war 8 Uhr 59.

Plötzlich! Eine Fanfare! Unser Kobold war aufgewacht und sofort fit für die Arbeit. Er fing an zu rauschen und zu rollen. Noch etwas unsicher auf dem neuen Terrain schnüffelte er erstmal ein wenig um seine Station herum die Gegend ab. Dann legte er systematisch los, tastete sich per Laser an die Wand heran und fegte mit seiner kleinen rotierenden Außen-Bürste wie ein Straßenreingungs-Fahrzeug den Staub in seinen gierigen Saugschlitz unter sich. Das war mal nötig. Zwischen den hoch geräumten Schuhen hatten sich einige kleine Wollmäuse gebildet. Er verschlang sie ratzeputz. 

Dann der Flur und der Boden in der Küche. Er fuhr das Parkett in geordneten Bahnen ab und vergaß nichts. Wie ein aufgescheuchtes Huhn tänzelte ich um den kleinen Racker herum, wie er so geflissentlich erledigte, wozu er programmiert worden war. Selbst unter dem Esstisch drehte er seine Runden ganz eng um jedes einzelne Stuhlbein herum. Aber dort, wo er nicht durchkam, weil die Stühle zu eng standen, gab er sofort auf und ließ Staub Staub sein. Hier würde man also selber mit einem Handstaubsauger hinterher gehen müssen. Naja. Nachvollziehbar aber lästig.

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