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Yotaphone Ein Russe auf den Spuren von Steve Jobs

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Lehrstück über die Globalisierung

Im Dezember brachte Yota Devices – eine Ausgründung des russischen Mobilfunkanbieters Yota – das erste Modell auf dem Markt. Die zweite Generation war im Februar auf dem Mobile World Congress in Barcelona zu sehen, sie soll im Herbst in den Handel kommen. Zudem lud das Unternehmen Software-Entwickler ein, Anwendungen für den zweiten Bildschirm zu schreiben. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei Apps: Je mehr nützliche Helfer es gibt, desto mehr Argumente sprechen für das Gerät.

Die Geschichte von Yota Devices ist auch ein Lehrstück über die Globalisierung, über Spezialisierung und die Arbeitsteilung über Ländergrenzen hinweg. In Russland gibt es keine Handyhersteller, daher suchte sich Martynov Spezialisten in aller Welt zusammen – nur knapp 30 der insgesamt 50 Leute arbeiten in der Zentrale in Moskau.

Erfahrene Designer machte der Unternehmer in Finnland ausfindig: Sie waren früher beim kriselnden Handyhersteller Nokia tätig. Die Montage übernimmt eine Firma aus Singapur mit Fabriken in China. Foxconn, bekannt geworden als Fertiger von iPhone, iPad und zahlreichen anderen Elektrogeräten, war der Yotaphone-Auftrag für sein Millionenheer an Arbeitern zu klein. Das Team fürs globale Marketing ist in Deutschland angesiedelt.

Die Zutaten wiederum stellten Martynov und Kollegen nach dem Lego-Prinzip zusammen. Prozessoren, Speicher, Kameras und Bildschirme bieten Hersteller wie Qualcomm und Mediatek zu Billigpreisen an – diese müssen die Hersteller nur zusammenstecken lassen und mit dem offenen Betriebssystem Android verkitten. Auch ein Start-up kann das heutzutage.

Eine Innovation allein reicht aber wohl kaum, um im umkämpften Smartphone-Markt zu bestehen. „Mir gefällt die Idee, aber ich sehe nicht, wie daraus ein Geschäft werden kann“, sagt Carolina Milanesi, Analystin beim Marktforscher Kantar Worldpanel.

In Arbeit
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Denn Apple und Samsung investieren Milliarden von Euro in die Werbung, chinesische und indische Hersteller wiederum erreichen mit Billiggeräten für weniger als 100 Euro die Massen. Selbst Konzerne wie Sony und Nokia verdienen mit ihren Modellen derzeit kein Geld.

Das russische Start-up hat einen großen Nachteil: Es ist klein. „Yotaphone muss viele Geräte verkaufen, damit das Geschäft profitabel wird“, sagt Milanesi. Denn die Produktion sei teuer – zu den üblichen Kosten komme noch ein Aufpreis für das zweite Display hinzu. Um eine kritische Masse zu erreichen, müsse das Unternehmen einen Deal mit einem Mobilfunkanbieter erreichen, der das Telefon am besten mit einem Zuschuss vermarktet. Immerhin soll die russische Regierung darüber nachdenken, ihre Offiziellen mit Yotaphones auszurüsten. Es wäre ein Anfang.

Auch der zweite Bildschirm hilft nur bedingt, den Nachteil wettzumachen. Denn die anderen Hersteller tüfteln bereits daran, den Verbrauch zu senken. So hat das neue Galaxy S5 von Samsung einen „Ultra-Energiesparmodus“: Darin laufen nur einige ausgewählte Programme, während der Bildschirm in einen stromsparenden Schwarz-Weiß-Modus umschaltet. Und wer jederzeit eingehende Nachrichten und Anrufe im Blick haben will, kann sich auch eine Smartwatch umschnallen. „Das Zeitfenster für Yotaphone ist klein“, warnt Milanesi. Der intensive Wettbewerb ist eben ein Nachteil der Globalisierung.

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