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Gesellschaft Thesen für eine neue Konsumkultur

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Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, die Antworten auf solche Fragen zu erhalten, geschweige denn, die zerstörerischen Praktiken zu stoppen. Es gibt jedoch einen Weg nach vorn, den ich Plenitude nenne. Dieser Begriff stellt das natürliche Füllhorn der Schöpfung ins Zentrum, das wir wiederentdecken müssen. Er gibt uns die große Chance, das zu mehren, was uns am meisten bedeutet, und jenen Reichtum zu entdecken, der in Beziehungen zwischen den Menschen steckt.

Plenitude beschreibt den Übergang in das neue Konsumzeitalter. Der Wechsel passiert nicht über Nacht. Er wird Jahrzehnte dauern. Das Schöne daran ist, dass wir jetzt mit dem Wandel anfangen können. Die Politik muss nicht einmal sofort mitspielen. Jeder kann bei sich anfangen, und viele haben es schon getan. Dieser Weg war schon vor der Finanzkrise der richtige — weil die Probleme schon deutlich absehbar waren.

In der jetzigen Phase des langsamen Wachstums oder gar der Stagnation ist er noch richtiger und wichtiger. Wenn jeder die Prinzipien von Plenitude befolgt, ist schon viel getan.

Wie in den meisten Nachhaltigkeitsvisionen der vergangenen Jahre ist auch bei Plenitude unabdingbar, dass wir innovative Umwelttechnologien zum Einsatz bringen. Ohne diese werden wir schwerlich das bewahren können, was der Mensch sich aufgebaut hat. Jedoch ist der Erhalt unserer Erde und unserer Ressourcen längst nicht nur eine Frage der technischen Gegebenheiten.

Arbeitsstunden reduzieren

Vom einzelnen Menschen ausgehend, gibt es vier Plenitude-Grundpfeiler.

Der erste besteht darin, anders mit der eigenen Zeit umzugehen. Jahrzehntelang haben die Amerikaner einen ständig steigenden Teil ihrer Zeit und ihres Geldes auf dem Altar des Marktes geopfert – durch zahllose Überstunden, Freizeitaktivitäten, die ein immer höheres Einkommen voraussetzen und dadurch, dass sie immer mehr von dem, was sie verbrauchen, kauften, anstatt es selbst herzustellen.

Es ist höchste Zeit, den Trend umzukehren und aus diesem Teufelskreis des Marktes auszusteigen.

Konkret bedeutet das, die Zahl der Arbeitsstunden zu reduzieren. Die so gewonnene Zeit setzt Ressourcen frei, die dann sowohl für Aktivitäten zum Wohl der Umwelt eingesetzt werden können als auch dafür, die zwischenmenschlichen Beziehungen, die wir in den Jahren des Booms vernachlässigt hatten, wieder zu neuem Leben zu erwecken.

Das führt uns zum zweiten Eckpfeiler von Plenitude, der da heißt: Selbstversorger werden.

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