WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Google vs. Facebook Was Facebook mit seinem E-Mail-Dienst wirklich vorhat

Seite 2/2

Streit um Nutzerdaten

Google Quelle: Foto: LAIF/Gamma

Damit geht Facebook auf Konfrontationskurs zu Google. Schließlich hat die Suchmaschine dieses Targeting seit Jahren perfektioniert. Im Gegensatz zu Facebook sammelt Google jedoch gesuchte Begriffe, die Inhalte angesteuerter Web-Seiten oder angezeigter Mails und verdichtet alles mittels Algorithmen zu Nutzerprofilen. Werbekunden können dann etwa 30-jährige Deutsche, die sich für Angeln und Zelten interessieren, gezielt ansprechen. Bisher liegt Google beim Targeting vorne. Doch Facebook holt rasch auf, sagt Berater Helbig: „Das liegt vor allem an der Qualität der Informationen, über die Facebook als soziales Netzwerk verfügt.“

Weil beide Unternehmen ihr Geld mit dem Verkauf nutzerspezifischer Werbung verdienen, haben sie kein Interesse daran, ihre Datenschatzkiste dem ärgsten Rivalen zu öffnen. Wenig verwunderlich also, dass nun zwischen den Web-Titanen Facebook und Google ein bizarrer Streit um diese Nutzerdaten entbrannt ist. Ursache des Streits ist die Funktion, mit der neue Facebook-Nutzer ihr Mail-Postfach automatisch nach Bekannten durchsuchen können, die schon bei Facebook angemeldet sind. Dafür erlaubt der Nutzer Facebook, diese Informationen aus dem Postfach zu übernehmen. Das ist grundsätzlich nicht verwerflich. Diese Offenheit zur Vernetzung zu anderen Online-Angeboten gilt als einer der Gründe für den schnellen Erfolg von Facebook.

Nun aber hat Google genau diesen Zugriff gestoppt. Der Suchkonzern erlaubt nur noch den Internet-Portalen Zugriff auf die Kontakt-Schnittstellen, die eine solche automatische Zusammenarbeit ihrerseits zulassen. Facebook, sonst nicht zimperlich mit dem Umgang privater Informationen, erlaubt genau das aber nicht. Deshalb blockt Google nun seinerseits den automatischen Zugriff auf die Profile seiner Nutzer. In der Internet-Szene wird das als Kriegserklärung gewertet.

Entscheidend wird die Frage sein, wer in Zukunft das soziale Profil der Nutzer im Internet kontrolliert; die Informationen, für was sich die Nutzer interessieren, wen sie kennen und worüber sie sich mit ihren Freunden austauschen. Denn längst melden sich Millionen Menschen mit ihren Google- oder Facebook-Accounts bei Abertausenden Seiten im Netz an.

Die Mitgliedschaften bei Facebook und Google werden zu sozialen Profilen, und die entwickeln sich zu einer Art elektronischem Personalausweis. Wer ihn kontrolliert und damit das Reiseprofil der Internet-Nutzer kennt, kennt zugleich die wichtigsten Seiten, Themen und Trends im Netz. Dieses Wissen ist wertvoll. Und angesichts des Facebook-Erfolgs wird man bei Google nervös.

Klar ist: Zuckerberg gewinnt rasch die Kontrolle über immer größere Teile des Internets. Und über den neuen Mail-Dienst baut er sein Wissen noch einmal massiv aus. An welch gigantischen Datenschatz Facebook damit gelangt, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen.

Vier Milliarden Mails pro Tag

Wie Zuckerberg kürzlich preisgab, nutzen von der halben Milliarde Mitglieder rund 350 Millionen das bisher nur Facebook-intern funktionierende Nachrichtensystem und verschicken täglich vier Milliarden Nachrichten. Schon heute liege das Netzwerk damit auf dem Niveau der größten E-Mail-Dienste, sagt Altimeter-Gründerin Charlene Li: Microsofts Hotmail hat 363 Millionen elektronische Postfächer, 303 Millionen Menschen verwenden Yahoo Mail und nur 171 Millionen Google Mail.

Nutzen die Facebook-Mitglieder das neue Nachrichtensystem für ihre gesamte Kommunikation, läge Zuckerbergs Mail-Dienst auf einen Schlag mit den größten Anbietern gleichauf.

Die neue Initiative kann freilich auch nach hinten losgehen. Denn Facebook Mail und der Hype darum erinnern so manchen Beobachter schon an Google Wave – jenen Dienst, mit dem der Suchmaschinen-Konzern die Kommunikation an einer Stelle im Netz zusammenführen und so revolutionieren wollte.

Das im April 2009 mit großem Tamtam angekündigte Projekt wurde im August heimlich und leise wieder eingestellt. Es war den Nutzern zu komplex. Entnervt quittierte auch Wave-Chefentwickler Lars Rasmussen seinen Job bei Google.

Auch er arbeitet jetzt für Zuckerberg.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%