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Googles Android Das bessere iPhone

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Grafik: Wer in den USA wie viel mit Werbung auf mobilen Geräten verdient

Jedenfalls kein Geld. Googles Währung sind Daten und Aufmerksamkeit. Denn damit die Features und Finessen der Gratisprogramme auch in ihrer gesamten Vielfalt und Fülle zum Tragen kommen, muss sich der Nutzer mithilfe seines Google-Kontos identifizieren. Damit kann der Suchkonzern seine E-Mails und Kalendereinträge, seine Sucheingaben und Klicks für gezielte Werbeeinblendungen auswerten – wie eine digitale Spur durch den Tag.

Jedes Android-Telefon ist so – auch – ein virtueller Privatdetektiv. Wann sein Besitzer aufsteht, wo er lebt und, nun ja, auch wen er liebt – dem Handy entgeht nichts.

Damit wird Google mächtiger und besser informiert, als Microsoft es je war.

Für den Internet-Giganten ist der Erfolg von Android nichts weniger als überlebenswichtig. Denn der Bibliothekar des Internets ist unter Druck: Zum einen bedroht der raketenhafte Aufstieg des sozialen Netzwerks Facebook Googles Vormachtstellung im Online-Werbegeschäft. Zum anderen verlagern sich die Datenströme auf Handys und Tablets – und damit in Apps, in die Google seine lukrativen Werbetexte nicht einblenden kann, wie aus dem Browser gewohnt.

Radikale Abgrenzung zu Apple

"Mobile Werbung ist für Google von enormer strategischer Bedeutung", sagt Karsten Weide, Mobilfunkexperte beim amerikanischen Marktforschungsunternehmen IDC. Denn Handys sind für Google auch Werbeflächen. Davon kann der Konzern nicht genug haben. In einem schlauen Schachzug hat der Werbegigant sein Betriebssystem daher von Beginn an zur Gratisanwendung erklärt, die jeder Smartphone-Hersteller benutzen darf. Die greifen gerne zu.

Mit diesem offenen Ansatz grenzt sich Google radikal von Apple ab. Der Rivale hat sein Betriebssystem iOS richtiggehend eingemauert. Apple bestimmt en détail, wie Handy, Betriebssystem und auch die Programme auszusehen haben, die auf den Geräten laufen. Was Konzernchef Jobs nicht gefällt, fällt durch.

Zuletzt lehnte Jobs Apps einzelner Radiosender ab, weil sie angeblich zu wenig Mehrwert für die Kunden böten. Nackte Haut – ansonsten ein Umsatztreiber erster Güte – ist auf iPhones tabu: "Wer Pornos will, soll sich ein Android-Handy kaufen", drosch Jobs im vergangenen April auf Google ein. "Ich möchte nicht in Nordkorea leben", giftete Googles Android-Chef Andy Rubin im Interview in der "New York Times" zurück.

Das Angebot wächst ungebremst

Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Bei allen Zensurvorwürfen bieten Apples i-Geräte ein stimmiges Produkt, wie es in der Elektronikwelt kaum zu finden ist: Ein Klick, und ein Video wird vom iPad über die Apple-TV-Station auf den Fernseher gefunkt. Jedes weitere Apple-Gerät, das sich ein Nutzer zulegt, macht die noch wertvoller, die er schon besitzt.

Android andererseits bietet Vielfalt – im Positiven wie im Negativen. Was die Kunden freut: Beinahe 200 höchst unterschiedlich konzipierte Telefone arbeiten schon mit dieser Software. Im Milestone 2 von Motorola etwa ist eine ausziehbare Buchstabentastatur eingebaut. Das Desire HD von HTC lockt High-End-Nutzer mit einem Riesenbildschirm, üppigem Arbeitsspeicher und einer Acht-Megapixel-Kamera. Das Xperia X10 von Sony Ericsson nimmt Filme in HD-Qualität auf.

Und das Angebot wächst ungebremst: In den nächsten Wochen steht ein ganzes Bataillon an Tablet-Computern wie Motorolas iPad-Jäger Xoom vor dem Verkaufsstart. Außerdem rücken neue Smartphones an, die das iPhone mit innovativen Technologien übertrumpfen: zum Beispiel das Optimus 3D von LG, das erste Handy mit 3-D-Bildschirm, oder das Atrix von Motorola mit Zweikernprozessor – einem schnellen Chip, der bisher Schreibtischcomputern vorbehalten war.

Schon heute verfügen viele Android-Handys über Funktionen, die im iPhone fehlen: Sie haben einen Steckplatz für SD-Speicherkarten, mit denen sich Dateien austauschen oder der Handyspeicher erweitern lassen. Viele ermöglichen es, den Akku auszutauschen.

Außerdem spielen die jüngeren Android-Versionen Multimediainhalte wie Videos oder Spiele im beliebten Flash-Format aus dem Internet ab. Apple-Chef Jobs verweigert seinen Kunden den Zugriff auf Flash-Inhalte. Flash, befand Jobs, sei ein Relikt der PC-Ära.

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