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Abholzung in Paraguay Wenn der Urwald auf dem Grill landet

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Für Verbraucher gibt es Alternativen

Forscher Baumann plädiert für mehr Zonen, in denen die Abholzung verboten ist. Dass das funktioniere, zeigten Beispiele aus Brasilien. Schutzgebiete andernorts führten aber wohl dazu, dass neue Abholzung in den Chaco „verlegt“ werde, sagt Baumann. Um solche Verlegungen zu verhindern, brauche es Naturschutzprojekte, die international koordiniert werden.

Die Wälder des Chacos sind auch deshalb bei der Industrie beliebt, weil der Boden günstig ist. „In der besten Pampa-Gegend kostet ein Hektar Land bis zu 15 000 US-Dollar (12 992 Euro), im Chaco 300 Dollar (260 Euro)“, sagt Hernán Giardini von Greenpeace Argentinien.

In dem Nachbarland Paraguays erwiesen sich allerdings auch Schutzzonen nur bedingt erfolgreich. Die Geldstrafen für illegale Rodung seien so gering, dass die Unternehmen sie in Kauf nehmen, sagt Giardini.

In Paraguay - nach Angaben des Auswärtigen Amtes eines der ärmsten Länder Südamerikas - bietet die Holzkohle für die Landbevölkerung eine Erwerbsquelle. Mehr als 200 000 Menschen sind nach Angaben des Holz-Unternehmerverbands FEPAMA in der Holzkohleverarbeitung tätig.

„Die Kohlegewinnung wird zumeist in Schwarzarbeit mit sehr geringen Gehältern verrichtet“, sagt Giardini. Für die Soja-Landwirtschaft sei weniger Personal nötig, weshalb sie ansässige Landarbeiter vertreibe. Nicht selten komme es vorher zu gewalttätigen Streits zwischen ihnen und Sicherheitsleuten.

Rückgang der Waldfläche zwischen 2000 und 2010

Die Holzkohle landet später auch in Europas Supermärkten. Verbraucher haben Alternativen: etwa Holzkohle aus Resthölzern oder Briketts aus verkokten Resten landwirtschaftlicher Abfälle. Ein neuer Markt entsteht. Dennoch geht Gran-Chaco-Kohle aus bedenklicher Herkunft dem Earthsight-Bericht zufolge auch in Deutschland an Discounter.

Aldi Nord erklärt dazu, dass für ihre Grillkohle verschiedene Zertifikate vorlägen, die eine saubere Herkunft belegten. Zudem plant das Unternehmen nach eigenen Angaben, mit Lieferanten Maßnahmen zu entwickeln, mit denen künftig soziale und ökologische Risiken in der Wertschöpfungskette von Kohleprodukten vermieden werden.

Aldi Süd kündigte nach dem Earthsight-Bericht Untersuchungen zur Herkunft seiner Holzkohle an. In den kommenden Jahren will der Lebensmittelhändler zudem nur Kohleprodukte verkaufen, die als nachhaltig zertifiziert wurden. Umweltschützer betonen aber, dass nicht jedes Siegel vertrauenswürdig sei und Hersteller Grauzonen ausnutzten, um zertifiziert zu werden.

Trotz allem gebe es Möglichkeiten, nachhaltige Forstwirtschaft im Chaco zu betreiben, sagt Giardini von Greenpeace. Dafür seien aber zuerst Studien zur Erholung der Waldflächen nötig. Das sei gerade mit Blick auf die für Holzkohle bevorzugten Bäume der Art „quebracho blanco“ wichtig. Denn diese brauchten rund 40 Jahre, um auszuwachsen.

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