WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Abkehr von der Öko-Landwirtschaft Einmal Biobauer und zurück

Seite 2/2

Die unterschiedlichen Produktionszweige und die Möglichkeit, fast alle Produkte vom Schweinefleisch über Milchprodukte bis zu Gemüse und Kartoffeln hier vor den Toren Lübecks selbst zu vermarkten, machen die Domäne unabhängig vom Weltmarktgeschehen. Die Wertschöpfung bleibt in der Region.

Aber Gleißner kennt die Probleme, mit denen andere Ökobetriebe kämpfen: „Ich kann sehr gut verstehen, dass jemand sagt, ich muss wieder rückumstellen, weil das lukrativer ist. Ökolandbau ohne spezielle Geschäftsmodelle hat es wirklich schwer. Es ist schwierig, wirtschaftlich zu überleben, wenn man nicht spezialisiert ist, so wie wir mit unserer Direktvermarktung. Einen Milchviehbetrieb mit 60 Kühen als Familienunternehmen zu führen, ist schon grenzwertig.“

Warum es für ihn ohnehin keine Alternative zur Öko-Landwirtschaft gibt, erklärt Gleißner hier:



Peter Boysen, Vorsitzender des Anbauverbandes Bioland in Schleswig-Holstein, hat noch ein anderes Problem für Ökolandbetriebe ausgemacht: Aufgrund des Biogasbooms sind die Preise für Ackerland sprunghaft angestiegen. „Klassische bäuerliche Ökobetriebe mit vielgliedrigen Fruchtfolgen erwirtschaften deutlich geringere Deckungsbeiträge und können daher bei den Pachtpreisen kaum mithalten.“ In den norddeutschen Bundesländern ist außerdem die Förderung wesentlich niedriger als etwa in Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, wo die Fläche für Ökolandbau nach Boysens Angaben derzeit wieder zunimmt.

Daher sieht er die Politik in der Pflicht: „Es ist eine Illusion, die Mehrkosten der ökologischen Lebensmittelproduktion allein dem Verbraucher aufzuerlegen. Daher besteht derzeit nur die Möglichkeit einer stärkeren Prämien-Förderung für den Ökolandbau.“

Für Gleißner gibt es trotzdem keine Alternative zum Ökolandbau: „Das ist schon stressiges Unternehmertum mit täglich vielen verschiedenen Herausforderungen und Aufgaben, aber andererseits habe ich nicht mit irgendwelchen leblosen Produkten zu tun, sondern mit Tieren, Pflanzen und Menschen, das ist eine unheimlich vielfältige Kombination. Bevor ich auf konventionellen Anbau rückumstelle, würde ich lieber einen anderen Job machen.“

***

Dieser Text ist Teil der Reihe “Die Zukunft vor der Haustür: Grüne Innovationen aus den Regionen”, die im Rahmen einer Kooperation zwischen WiWo Green und dem Studium Nachhaltigkeit und Journalismus der Leuphana Universität Lüneburg entstanden ist. Eine Übersicht über alle Beiträge finden Sie hier.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%