Amöben Natürliches Mittel gegen Mikroorganismen

Ein französisches Unternehmen versetzt Kühlwasser mit einer speziellen Amöbenart. Das soll Verunreinigungen verhindern.

Acht Jahre lang ist das Amöbenmittel getestet worden. Nun darf es auch in Deutschland eingesetzt werden. (Foto: Amoéba/amoeba-biocide.com)

Eigentlich stehen Klimaanlagen, die Wasser als Kühlmittel nutzen, mit der Umwelt auf Du und Du - anders als etwa Ammoniak, das das Grundwasser verseuchen kann, wenn ein Leck auftritt. Doch es gibt einen Haken: Mikroorganismen wie etwa die für ältere Menschen und Kinder oft tödlichen Legionellen siedeln sich gerne im Wasser an.

2015 gab es im Raum Aachen eine ganze Serie von Erkrankungen, die durch Legionellen ausgelöst wurden. Ursache soll Kühlwasser aus dem Braunkohlekraftwerk Weisweiler gewesen sein.

Um das Wasser vor Mikroorganismen zu schützen, kommt eigentlich oft Chemie ins Spiel. Jetzt gibt es dafür allerdings ein natürliches Mittel, das die Umwelt nicht belastet: Willaertia magna, ein Mikroorganismus, der ausgerechnet zur Großfamilie der Amöben gehört.

Amoeba, ein Biotech-Unternehmen aus dem französischen Örtchen Chassieu im Großraum Lyon, hat Willaertia magna so aufbereitet, dass es sich als Ersatz für Chemikalien in Kühlwässern einsetzen lässt. Das Präparat hat nun von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund die Zulassung erhalten und kann auch in Deutschland eingesetzt werden.

Amöben wurden acht Jahre lang getestet

Viele Amöben sind eigentlich Wirte für Legionellen, in manchen verstecken sich hunderte davon. Doch Willaertia magna macht den gefährlichen Mikroorganismen den Garaus, ebenso anderen Kleinstlebewesen wie den ebenfalls gefährlichen Listerien. Die tümmeln sich auch gerne im Kühlwasser.

Kühlwasser wird in regelmäßigen Abständen mit dem natürlichen Mittel versetzt. Die Amöben machen sich dann unverzüglich daran, die fremden Mikroorganismen zu verspeisen. Sind nach drei oder vier Tagen keine mehr übrig, stellt Willaertia magna den Stoffwechsel ein und löst sich rückstandsfrei auf.

Die Amöbenart ist acht Jahre lang getestet worden, produziert wird sie seit April in einem  500-Liter-Fermenter. Eingesetzt wird das Präparat bereits in Frankreich, Kanada, Polen, der Türkei, Italien, den USA und in den Benelux-Ländern.

Mit der Freigabe durch das BAuA kann es nun auch hierzulande vertrieben werden. Bei dem Unternehmen AquaConzept kann man das natürliche Mittel unter dem Namen „Biomeda“ bereits bekommen.

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