Chinas Rodung Surinames Herr Chen und das Holz

Mobi Chen Quelle: dpa

Suriname ist das kleinste Land Südamerikas und das grünste der Welt - 93 Prozent Waldfläche. Es zeigt sich, wie stark der Einfluss Chinas ist. Es geht um edles Tropenholz. Der Handel erfreut auch Casinos und Bordelle.

Jimmy Chen ist so etwas wie der Vorzeige-Chinese. Als Winston Lackin erfährt, dass man zur Holzindustrie recherchiert, ruft der langjährige Außenminister Herrn Chen an. Der ist der Chef von „Mobi Chen/Woodworking Factory“ und produziert hier in Suriname, statt Tropenholz nur ins Ausland zu exportieren. In dem Land mit 550.000 Einwohnern kennt fast jeder jeden. Und wo viel über die Ablösung der USA als führende Wirtschaftsmacht durch China geredet wird, ist das kleinste Land Südamerikas gerade ein sehr interessantes Beispiel.

Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind bereits Chinesen, das hat auch historische Gründe, weil Chinesen schon im 19. Jahrhundert in die am Atlantik gelegene niederländische Ex-Kolonie einwanderten. Im Parlament sitzt sogar ein Abgeordneter chinesischer Abstammung. Herr Chen lebt hier seit vielen Jahren, aber er fühlt sich weiter als Chinese. Mit eigenen Restaurants und Läden hat man seine eigene Welt.

Gerade in der Holzindustrie dominieren chinesische Geschäftsleute zunehmend den Markt, dazu ein Unternehmen aus Malaysia. Herr Chen führt das Unternehmen mit seinem Sohn Xu Dong. Sägen kreischen, Stämme mit edlem Tropenholz werden zersägt, draußen türmen sich wie Sanddünen die Sägemehlberge. „Vier Container Holz liefern wir etwa pro Monat nach Europa“, erzählt Chen beim Gang durch die Fabrik, 70 Mitarbeiter hat er, überwiegend Chinesen. „Wir benutzen das Holz für Bodenbeläge.“ Abnehmer sind vor allem Belgien, Deutschland, England.

Ein Tiny House aus heimischen Hölzern
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzDer Trend zum Wohnen auf wenigen Quadratmetern kommt eigentlich aus Amerika. Dort sind die kleinen, oft mobilen „Eigenheime“ auf das Notwendige reduziert und als „Tiny Houses“ bekannt. Auch in Deutschland findet die „Tiny House“-Bewegung immer mehr Anhänger – und es gibt auch immer mehr Anbieter solcher Mini-Behausungen, wie etwa Wolfgang Huchler mit seinen Flex-Homes. Während in den USA das Leben in Tiny Houses noch halbwegs problemlos möglich sein mag, so ist es in Deutschland mit seiner überbordenden Bürokratie nicht ganz so einfach... Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzWährend hierzulande Genehmigungs- und Bauvorschriften zumindest bei den immobilen Tiny Houses eine größere Verbreitung verhindern, so sieht es bei den Häuschen auf Rädern etwas anders aus: Sie müssen nur die Anforderungen der Zulassungsbehörden und der Straßenverkehrsordnung erfüllen... Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzWolfgang Huchler aus Gutenzell im oberschwäbischen Landkreis Biberach fertigt seine Flex-Homes in unterschiedlichen Größen nach Kundenwunsch an. Wichtig ist ihm die Verwendung natürlicher und heimischer Baumaterialien. Auch für die Dämmung von Dach und Wänden greift er auf Holzfasern zurück, denn „ähnlich wie Zelte können sich auch Tiny Houses schnell aufheizen und abkühlen“. Selbst beim Boden verzichtet Gutenzeller auf Kunststoff und setzt auf Vollholz. Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzEine möglichst leichte und zulassungsfähige Konstruktion zu schaffen sei „die größte Herausforderung beim Bau meines Tiny Houses“ gewesen, bekennt Huchler. Anhänger und Aufbau durften gemeinsam nicht breiter als 255 Zentimeter und nicht höher als vier Meter werden. Alles zusammen darf nicht schwerer als 3,5 Tonnen sein, denn für höhere Gewichte gibt es fast nur noch Transporter oder Lkw als Zugwagen mit entsprechend hoher Anhängelast im Gespannbetrieb. Quelle: ampnet
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzDas Modell „Gartenhaus“ beispielsweise ist 5,40 x 2,55 Meter groß, komplett gedämmt und mit zwei Sprossenfenstern, Glastür und Elektrik – also Steckdosen und Beleuchtung – ausgestattet. Ein Schlafbereich mit oder ohne Trennwand kann in die auf einem Zweiachs-Tandemhänger aufgebauten Hütte eingebaut werden. Für Wärme sorgt eine an der Decke montierte Infrarotheizung. Ab 19.500 Euro ist das Modell zu haben, für den Schlafbereich kommen weitere 1.000 Euro hinzu. Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzMit 6,60 x 2,55 Meter markiert das „Gästehaus“ die mittlere Baureihe. Sie ist zusätzlich zum Gartenhaus mit Küche, Spüle, Zweiplatten-Keramik-Kochfeld, Wasseranschluss und Kompost-Toilette ausgestattet. So kann dieses Flex-Home als Gästezimmer, Ferienwohnung, Büro oder Wochenendhäuschen genutzt werden. Kostenpunkt: Ab rund 24.500 Euro, der Schlafbereich ist serienmäßig mit dabei. Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzDas Topmodell von Flex-Home stellt mit 7,20 x 2,55 Meter die „Luxus“-Variante dar, mit vier Fenstern und zu Preisen ab rund 30.000 Euro. Für das Geld gibt es dann eine Komplettausstattung mit Wohn- und Schlafbereich, Küche, Wasseranschluss, Dusche und Kompost-Toilette. Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzAllen Modellen gemeinsam ist der Aufbau auf einem zweiachsigen Fahrgestell mit TÜV und Zulassung. Quelle: Hersteller
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzAls Boden kommt eine zwölf Millimeter starke Siebdruckplatte zum Einsatz, innen ist der Fußboden in Landhaus Fichte ausgeführt. Dazu gibt es eine zehn Zentimeter starke Holz-Gefachdämmung. Quelle: ampnet
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzDer Wohnaufbau selbst ist acht Zentimeter stark. Innen gibt es eine 13 Millimeter starke Fichte-Drei-Schicht-Platte, es folgt eine acht Zentimeter dicke Holz-Gefachdämmung, die Außenschalung ist in Nordischer Fichte sägerauh gehalten. Quelle: ampnet
Flex-Home: Mobiles Wohnen in HolzDie Fassaden können natürlich auch in der vom Kunden gewünschten Farbe gestatltet werden, außerdem gibt es Treppen mit Eingangspodest, Außenbeleuchtung oder zusätzliche Fenster sowie einen Anschluss für einen Holzofen-Kamin. Quelle: Hersteller

Es ist eine dieser klassischen Globalisierungsgeschichten - aus Klimaschutzgründen sollte aus Sicht von Fachleuten am besten gar kein Tropenholz mehr hier im südamerikanischen Regenwald abgeholzt werden. Aber der Boom bei edlen, robusten Bodenbelägen, zum Beispiel für die schicke, 50 Quadratmeter große Dachterrasse in Berlin-Mitte, Paris oder London, wird in Suriname als Wirtschaftsmotor angesehen. Doch es ist nicht unbedingt die heimische Wirtschaft, die davon profitiert.

Überall gibt es in der Hauptstadt Paramaribo chinesische Supermärkte. In den Casinos werden Abend für Abend Unmengen an Dollars eingesetzt und es gibt einen großen Massage- und Amüsierclub, das „Su Dong Ressort“, wo eingeflogene Programmdamen aus China für bestimmte sexuelle Vergnügungen anzutreffen sind. Man gibt sich wortkarg, wenn es darum geht, Geschäfte und Verbindungen zur Politik zu besprechen.

Es gibt von Seiten eines deutschen Vertreters einer internationalen Organisation Hinweise, dass die Forstbehörde zerschlagen und direkt dem Präsidenten Desi Bouterse unterstellt werden könnte - der war früher an einem Militärputsch beteiligt und agierte als Diktator. In den Niederlanden wurde er wegen Kokainhandels in Abwesenheit zu elf Jahren Haft verurteilt. Ex-Außenminister Lackin ist einer seiner engsten Berater, stolz erzählt er, dass ihn die Kommunistische Partei Chinas zu einem zehntägigen China-Aufenthalt eingeladen habe.

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