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Digitalisierung der Länder NRW gründet Initiativen für eine vernetzte Energie-Infrastruktur

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Zunächst ein Jahr lang Vorarbeit

Die genauen Forschungsfragen von SmartEnergy NRW stehen allerdings noch nicht fest. Sie sollen erst in den nächsten Monaten erarbeitet werden. Die Kooperation ist zunächst eine Vorarbeit, beschränkt auf ein Jahr. Von den Geldern des Ministeriums (etwa 120.000 Euro) werden noch keine konkreten Forschungsvorhaben finanziert, sondern zunächst zwei Mitarbeiterstellen. Erst nach dem Jahr werden Löschel und seine Kollegen mit konkreten Projekten loslegen können. Das Ministerium rechnet aber offenbar mit direkten Ergebnissen: "Wir hoffen, dass sich aus diesem Jahr nicht nur Forschungsideen ergeben, sondern auch Firmenkooperationen", sagt die zuständige Sachbearbeiterin im NRW-Wirtschaftsministerium, Nicole Hilger.

Mit der gleichen Motivation hatte das Ministerium vor gut einem Jahr das "Netzwerk Energiewirtschaft – Smart Energy" gegründet. Es soll die Geschäftschancen der nordrhein-westfälischen Energie-Unternehmen verbessern und dafür Wirtschaft und Wissenschaft verbinden. Die neue Forschungskooperation arbeitet hier quasi mit Forschungsergebnissen zu.

Neben der Uni Münster und der TH Köln als koordinierende Organisation haben sich der Forschungskooperation bereits die TH Dortmund, die Universität zu Köln, das Wuppertal Institut, das Forschungszentrum Jülich und die Universität Duisburg-Essen angeschlossen. Darüber hinaus haben laut Löschel bereits mehrere Unternehmen Interesse an einer Mitarbeit signalisiert, unter anderem der Versorger Rheinenergie, die Stadtwerke Münster, und Grünspar. Letzteres war im vergangenen Sommer zu 90 Prozent vom Oldenburger Energiekonzern EWE übernommen worden.

Vernetzung von Netzwerken

Aktuell reisen Löschel und sein Kollege Thorsten Schneiders von der TH Köln durch NRW, um weitere Projektpartner aus Wirtschaft und Wissenschaft ins Boot zu holen. Praktischerweise müssen sie dabei nicht mit Einzelakteuren sprechen. Denn in NRW existieren bereits mehrere Netzwerke mit dem Ziel, Wissenschaft und Wirtschaft in der Energiebranche zusammenzubringen.

Etwa das Cluster EnergieForschung NRW, kurz CEF. Offenbar bedeutender Unterschied der Parallelinstitution: Statt vom Wirtschaftsministerium wurde es vom Wissenschaftsministerium angestoßen. Auch das Umweltministerium war nicht untätig und hat das Cluster Energie Region NRW initiiert. Darüber hinaus sind die Akteure bereits zu speziellen Fragestellungen in den virtuellen Instituten "Transformation – Energiewende NRW" und "Strom zu Gas und Wärme" sowie im Competence Center for Cyber Physical Systems (CPS) vernetzt. Die neue Kooperation soll nun die jeweiligen Smart Energy-Kompetenzen herausfiltern. Daher ist sie teilweise eine Vernetzung von Netzwerken.

Smart Energy im Rest der Republik

Modellprojekte und Kooperationen zur Smart Energy gab und gibt es auch in anderen Teilen Deutschlands. Unter dem Titel "E-Energy – smart Energy made in Germany" hat der Bund zwischen 2008 und 2013 60 Millionen Euro in sechs Pilotprojekte investiert. Darunter auch die NRW-Projekte Smart-Watts und E-DeMa. Sechs weitere Smart-Grid-Modelprojekte stehen seit 2015 im Fokus des Förderprogramms "Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende" (SINTEG). Zudem hat die Deutsche Energie-Agentur (Dena) im Januar die Plattform Digitale Energiewelt gegründet.

Für Löschel kein Grund gegen die neue NRW-Kooperation: "Die Energiewelt wird sich sehr schnell digitalisieren und alle wissen, dass große Umbrüche kommen." Welche Geschäftsmodelle sich dabei durchsetzen werden sei aber unklar. "Es gibt viele offene Forschungsfragen."

Start-ups als Vorbild der Forschung?

Trotz offener Fragen kann das Land um Rhein und Ruhr bereits einige Geschäftsideen vorzeigen (wie fast alle anderen Bundesländer). Das Kölner Start-up Next Kraftwerke vernetzt kleine Stromerzeuger und war 2014 für den deutschen Gründerpreis nominiert. Das Aachener Unternehmen Devolo widmet sich der Datenkommunikation im Smart Grid. Eine inzwischen gängige Datenschnittstelle namens EEBus wurde im Rahmen von Smart Watt entwickelt. Und Greenpocket, ebenfalls aus Köln, sorgt mit Software und Apps, die den eigenen Energieverbrauch visualisieren, schon seit einigen Jahren für Aufsehen.

Auch die Energie-Riesen RWE und E.on experimentieren längst mit Smart Energy-Techniken. Sie beteiligen sich an Start-ups oder haben eigene Kreativ-Dependancen eingerichtet. Im Fall der Digitalisierung vielleicht nicht nur die schnellere Lösung, sondern angesichts des unsicheren und sich schnell wandelnden Umfelds auch die effizienteste.

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