WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Entsorgungsprobleme Philadelphia kämpft kreativ gegen den Müll

Philadelphia kämpft gegen den Müll Quelle: AP

„Filthadelphia“, von „Filth“ wie „Dreck“, will die US-Metropole Philadelphia nicht länger genannt werden. Mit einer Aktion gegen illegal angebrachte Aushänge will sie Bürger für die Müll-Problematik sensibilisieren.

Es ist nur ein Puzzlestück, aber es prägt das Gesamtbild: Mit einer Aktion gegen wild angebrachte Flyer und Aushänge quer durch die Stadt will Philadelphia auf sein Müll-Problem aufmerksam machen und einen entscheidenden Schritt weiterkommen. Und letztlich soll auch der hämische Spitzname „Filthadelphia“ („Filth“ heißt „Dreck“) in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören.

Stadt und Bürgergruppen starteten die Initiative gemeinsam im Juni. Einwohner der Millionenmetropole im US-Staat Pennsylvania sammelten mehr als 8500 Zettel ein, die an Ampeln, Verkehrsschildern, Laternenmasten, Bäumen und Zäunen klebten. „Diese Anzeigen enden oft als Müll, und eine vermüllte Gemeinde ist schlecht für die Einwohner und schlecht fürs Geschäft“, erklärt Nic Esposito, der Vorsitzende des sogenannten Null-Müll-Ausschusses von Philadelphia.

Dieser wurde vor rund zwei Jahren von Bürgermeister Jim Kenney ins Leben gerufen, um das seit Jahrzehnten anhaltende Müllproblem entschieden anzupacken. In diesem Jahr präsentierte die Gruppe 31 Vorschläge für kurz- und langfristige Maßnahmen, um dem erklärten Ziel näherzukommen, bis 2035 „zu 90 Prozent müllfrei“ zu werden. Die Aushänge spielen dabei zwar keine Hauptrolle. Aber die Aktion sei eine witzige Art gewesen, die Bevölkerung zu sensibilisieren, sagt Esposito.

Die Stadt zahlte den Sammlern 50 Cent für jeden Aushang, den sie ablieferten. Darunter waren Flyer für Konzerte ebenso wie Angebote zum Aufkauf von Häusern oder Fahrzeugen. Nach zwei Wochen kamen allein 1000 Zettel mit dem Aufruf zum Verkauf von Schrottautos zusammen. Solche Aushänge illegal anzubringen, sieht ein Bußgeld von 300 Dollar (knapp 260 Euro) vor. Bei Wiederholungstätern steigt die Summe auf bis zu 2000 Dollar (gut 1700 Euro).

In diesen Fällen versuche die Initiative, die Plakatierer aufzuspüren und abzukassieren, sagt Esposito. Bei Aushängen, die beispielsweise für eine Theateraufführung oder ein Musik-Event werben, werde die Gruppe angerufen und darauf aufmerksam gemacht, dass sie unerlaubt plakatiert habe. Manche seien dann völlig überrascht, erklärt Esposito.

Was jetzt mit den gesammelten Aushängen passiert? Klar ist, dass damit im Herbst ein Kunstprojekt starten soll. Wie genau ist aber noch offen, die Bürger sollen mitreden dürfen. Die Stadt arbeitet dazu mit der „Trash Academy“ zusammen, einem Projekt des öffentlichen Kunstprogramms Mural Arts Philadelphia, um die Aushänge in möglichst Nützliches zu verwandeln. Es sei wichtig ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Aushangzettel letztlich im Abfall landen, sagt Projektmanagerin Shari Hersh.

Die „Trash Academy“ wurde im Sommer 2015 ins Leben gerufen, nachdem bei einer Bürgerversammlung das Müll-Problem als großes Anliegen der Einwohner zur Sprache kam. „Ganz vorne, vor Grünflächen und vor allem anderen, stand die Sorge über den Müll“, sagt Hersh. Die „Trash Academy“ klärt seither in den Vierteln der Stadt über die Problematik auf und sucht gemeinsam mit den Anwohnern nach kreativen, innovativen Lösungen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%