Flugreisen Klimawandel könnte für mehr Turbulenzen im Flieger sorgen

Sie sind selten, aber gefürchtet: Turbulenzen beim Fliegen. Künftig könnte es mehr davon geben, warnt ein Forscher - durch den Klimawandel.

Gewitterwolken türmen sich über einem landenden Flugzeug auf. Quelle: dpa

Der Klimawandel dürfte das Fliegen unruhiger machen. Schwere Turbulenzen könnten zur Mitte des Jahrhunderts mehr als doppelt so häufig vorkommen wie derzeit noch. Zu diesem Ergebnis kommt Paul Williams von der Universität im britischen Reading anhand verschiedener Modellrechnungen.

Wegen der verbesserten Technik in modernen Flugzeugen sei aber nicht unbedingt mit mehr Verletzten oder Todesopfern durch Turbulenzen zu rechnen, schreibt Williams im Fachmagazin „Advances in Atmospheric Sciences“.

„Für die meisten Passagiere sind leichte Turbulenzen nichts weiter als eine lästige Unannehmlichkeit, aber für nervöse Fluggäste können selbst leichte Turbulenzen erschütternd sein“, erklärt Williams. Schwere Turbulenzen können zu erheblichen Verletzungen bei Passagieren und Flugbegleitern führen, gelegentlich sogar zum Absturz eines Flugzeugs. Wenn eine Maschine durchgeschüttelt wird, erhöht sich der Bedarf an Wartung und Reparaturen. Eine Schätzung von 2014 veranschlagt jährliche Kosten durch Turbulenzen von 200 Millionen Dollar allein bei amerikanischen Airlines.

Das sind die sichersten Airlines der Welt
Lufthansa Quelle: dpa
Platz 11 - All Nippon Airways (Japan)All Nippon Airways ist die größte Fluggesellschaft Japans und Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Die Flottenstärke beträgt aktuell 213 Flugzeuge. Quelle: dpa
Japan Airlines (JAL) Quelle: REUTERS
Platz 9 - Qantas Airways (Australien)Qantas Airways ist die nationale Fluggesellschaft Australiens und Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld. Die Fluggesellschaft wurde 1920 gegründet und verfügt über 118 Flugzeuge. Quelle: REUTERS
Etihad Airways Quelle: AP
Emirates Quelle: REUTERS
Eva Air Quelle: REUTERS
KLM Quelle: dpa
Qatar Airways Quelle: dpa
Hainan Airlines Quelle: dpa Picture-Alliance
Air New Zealand Quelle: AP
Cathay Pacific Quelle: REUTERS

Williams verwendete 21 verschiedene Klimamodelle, um die Auswirkungen eines höheren Gehalts an Kohlendioxid (CO2) in der Luft in der Reiseflughöhe von etwa zwölf Kilometern zu berechnen. Berücksichtigt wurde das Gebiet des Nordatlantiks zwischen dem 50. und 75. Grad nördlicher Breite und dem 10. bis 60. Grad westlicher Länge. Der Forscher begründet diese Auswahl damit, dass sich dort die am häufigsten genutzten Flugrouten der Welt befinden. Als Jahreszeit wurde der Winter gewählt - langjährigen Aufzeichnungen zufolge ereignen sich in dieser Zeit die meisten Turbulenzen.

Prognose vieler Klimamodelle ist, dass sich etwa zur Mitte des Jahrhunderts der CO2-Gehalt der Luft gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter verdoppelt haben könnte. Sollte das der Fall sein, wird die Zahl leichter Turbulenzen im Durchschnitt der Berechnungen um 59 Prozent steigen, die mittelschwerer um 94 Prozent und die schwerer um 149 Prozent. Allerdings wird die Unsicherheit der Berechnungen immer größer: Verteilt sich die Wahrscheinlichkeit der Zunahme leichter Turbulenzen auf 43 bis 68 Prozent, so liegen die Werte bei schweren Turbulenzen zwischen 36 und 188 Prozent.

Die unsichersten Airlines der Welt
Die unsichersten Airlines der Welt Quelle: AP
Platz 41 – American Airlines (USA) Quelle: REUTERS
Platz 42 - Air China (China)Mit dem Startjahr 1988 ist Air China eine der jüngeren Fluggesellschaften in der Rangliste, hat aber bereits zwei Flugzeugverluste erlitten. 2002 starben 129 Passagiere bei einem Absturz. Der Index liegt bei 0,142. Quelle: REUTERS
Platz 43 – Alaska Airlines (USA)Im September 2011 wurde Alaska Airlines zu einer Geldstrafe von 590.000 US-Dollar (568.000 Euro) verurteilt, nachdem es bei der Wartung einer Boeing 737 zu Regelverletzungen kam – und Jahre später ein Feuer ausbrach. Die letzte große Katastrophe liegt mittlerweile 16 Jahre zurück: Im Jahr 2000 stürzte eine Maschine in den Pazifik. Obwohl die Airline eher unbekannt ist, gilt sie als zukunftsgerichtet: Alaska Airlines war eine der ersten Fluggesellschaften, die Flugscheine und das Check-in über das Internet anbot. Der Index liegt bei 0,163. Quelle: AP
Platz 44 – China Southern Airlines (China)Die größte Fluggesellschaft des bevölkerungsreichsten Landes der Welt gehört zu den unsichersten Airlines der Welt. Das letzte tödliche Unglück geschah am 8. Mai 1997. Den Piloten des Flugs 3456 misslang bei schwerem Gewitter der erste Landungsversuch in Shenzhen. Bei einem zweiten schoss die Maschine aufgrund des durch den ersten Landeversuch beschädigten Fahrwerks über die Landebahn hinaus. 35 Menschen kamen dabei ums Leben. Index 0,193 – macht Platz 44. Quelle: dapd
Platz 45 – Thai Airways International (Thailand)Die staatliche Fluggesellschaft Thailands war 2012 noch unter den „Top 10“ der unsichersten Airlines. Langsam arbeitet sie sich in sicherere Gefilde. Der letzte große Unfall datiert zwar auf das Jahr 1998, doch kleine Pannen sorgen für eine schlechte Sicherheitsnote. Zum Beispiel kam im September 2013 ein Flugzeug bei der Landung am Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi von der Landebahn ab – es wurden mehrere Personen verletzt. Der Index für 2016 liegt daher bei 0,216. Quelle: REUTERS
Platz 46 – Asiana Airlines (Südkorea)Die Südkoreaner mussten in den vergangenen Jahren schwere Zwischenfälle melden. 2013 verunglückte eine Boeing beim Landeanflug auf den Flughafen von San Francisco. Die Maschine setzte vor der Landebahn auf und kam schwer beschädigt auf dem Rollfeld zum Stehen. Drei Personen wurden getötet und 181 Menschen verletzt. 2015 streifte ein Flugzeug beim Landeanflug auf Hiroshima eine Antenne – viele Passagiere wurden verletzt. Das beschert der Airline eine schlechtere Platzierung im Sicherheitsranking (Index 0,241). Drei Flugzeugverluste stehen in der Jacdec-Statistik. Quelle: AP
Platz 47 – SAS Scandinavian Airlines (Schweden)Insbesondere der Absturz einer McDonnell Douglas MD-87 in Mailand 2001 mit 110 Todesopfern und die Probleme mit der Bombardier Q400 im Jahr 2007 bescheren den Schweden eine negative Sicherheitsnote. Drei Zwischenfälle sorgten dafür, dass alle Q400 aus der Flotte entfernt wurden. Seitdem fliegt die SAS wieder unfallfrei (Index 0,279). Quelle: REUTERS
Platz 48 – Aeromexico (Mexiko)In der Rangliste der unsichersten Fluggesellschaften der Welt befindet sich Aeromexico (Index 0,343) zum zweiten Mal hintereinander. Die Airline ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Der schwerste Flugzeugverlust mit 64 Todesopfern aus dem Jahr 1986 geht zeitlich gerade noch in das Rating ein. Quelle: dpa
Platz 49 – Korean Air (Südkorea)Nordkoreanische Agenten zündeten 1987 eine Bombe in einer Maschine der südkoreanischen Airline. Doch acht Abstürze in 30 Jahren sind nicht allein terrorverschuldet. Der letzte Absturz der Airline liegt allerdings 17 Jahre zurück. Platz 49 mit einem Index von 0,362. Quelle: AP,AP
Platz 50 – Turkish Airlines (Türkei)Auch die größte türkische Airline sorgte in den vergangenen Jahren für Negativschlagzeilen. Im Februar 2009 stürzte eine Boeing 737 beim Anflug auf Amsterdam in unbewohntes Gebiet und brach auseinander. Von den 128 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern an Bord kamen neun Menschen ums Leben. In den vergangenen 30 Jahren kam es zu sieben Abstürzen. Die aufstrebende Airline steht bei Jacdec mit einem Index von 0,366 weiter auf Rang 50. Quelle: REUTERS
Platz 51 – Copa Airlines (Panama)In den 90er-Jahren hatte die panamaische Fluggesellschaft einen größeren Zwischenfall. Am 6. Juni 1992 stürzte eine Boeing 737 der Copa Airlines ab. 40 Passagiere und sieben Crew-Mitglieder kamen dabei ums Leben. Am 21. Oktober 2013 kam es bei der Fluggesellschaft zu einem Systemausfall, worauf 110 Flüge der Airline ausfielen. Index: 0,388. Quelle: AP,AP
Platz 52 – GOL Transportes Aéreos (Brasilien)Die brasilianische Airline gehört zu den größten Billigfluggesellschaften der Welt und wurde im Jahr 2001 gegründet. Trotz der jungen Geschichte gab es bereits einen tragischen Absturz: Durch eine Kollision mit einem anderen Flugzeug stürzte 2006 eine Boeing 737 der Fluggesellschaft im Amazonas-Gebiet ab, alle 154 Menschen an Bord starben. Das führt zu Platz 52 mit einem Index von 0,547. Quelle: Handelsblatt
Platz 53 – Saudia (Saudi-Arabien)Während die regionalen Konkurrenten Etihad und Emirates in der Sicherheitsstatistik obere Plätze belegen, tut sich Saudia schwer. Ein Absturz aus dem Jahr 1996 sorgt für eine negative Platzierung im Ranking (Index 0,548). Erst 2014 wurde eine Boeing 767-300 bei einer Notlandung auf dem Flughafen von Medina schwer beschädigt. Bei der folgenden Evakuierung des Flugzeuges wurden 29 der 299 Passagiere des Fluges verletzt. Quelle: Presse
Platz 54 – TAM Airlines (Brasilien)Seit einem tragischen Absturz im Jahr 2007 rangieren auch die Brasilianer ziemlich weit hinten im Sicherheitsranking (Index 0,677). Auf dem Flughafen São Paulo schlitterte ein Airbus A320 über das Ende der Landebahn hinaus, rammte ein vierstöckiges Gebäude und ging in Flammen auf. Bei dem Unglück kamen fast 200 Menschen ums Leben. Aber es geht bergauf: 2013 war TAM noch die zweitunsicherste Airline der Welt. Quelle: dapd
Platz 55 – Malaysia Airlines (Malaysia)Zwei tragische Katastrophen 2014 haben Malaysia Airlines im Ranking der unsichersten Fluggesellschaften der Welt tief fallen lassen. Zuerst riss am 7. März 2014 der Kontakt zum Malaysia-Airlines-Flug 370 ab. Das Flugzeug wurde bis heute nicht gefunden. Knapp vier Monate später stürzte Flug MH17 im umkämpften Gebiet der Ostukraine ab. Eine Flugabwehrrakete hatte das Flugzeug abgeschossen. Es spricht vieles dafür, dass russische Separatisten für den Abschuss verantwortlich waren. Malaysia Airlines landet wie im Vorjahr auf Rang 55 (Index: 0,711). Quelle: REUTERS
Platz 56 – Garuda Indonesia (Indonesien)Garuda Indonesia war in den vergangenen 30 Jahren in sechs schwere Unfälle verwickelt, bei denen 282 Menschen starben. Den letzten großen Zwischenfall gab es 2007, als eine Maschine bei der Landung in Flammen aufging. Es wurden 21 Menschen bei dem Unfall getötet. Index: 0,749. Quelle: REUTERS
Platz 57 – Avianca (Kolumbien)Die kolumbianische Fluggesellschaft wurde bereits 1919 gegründet. Die Airline ist zuletzt stark gewachsen und taucht zum zweiten Mal im Ranking auf (Index: 0,998). In den vergangenen 30 Jahren gab es drei Flugzeugverluste mit 323 Todesopfern – der letzte im Jahr 1990. Seitdem ist Avianca unfallfrei. Quelle: REUTERS
Platz 58 – China Airlines (China)Die Liste der Zwischenfälle bei China Airlines ist lang. Der letzte liegt mehr als neun Jahre zurück. Nach einer Landung in Okinawa fing eine Boeing 737 Feuer. Dabei wurde allerdings lediglich ein Besatzungsmitglied leicht verletzt. Der letzte große Zwischenfall ereignete sich im Jahre 2002: Aufgrund von Materialermüdung brach eine Boeing 747 der Airline während eine Fluges von Taipeh nach Hongkong vermutlich auseinander. Das Ranking ist mit einem Index von 1,047 unverändert schlecht. Quelle: dpa
Platz 59 – Lion Air (Indonesien)Auf dem zweiten Platz der unsichersten Airlines 2016 steht die Gesellschaft, die vor zwei Jahren noch an der „Spitze“ stand. Lion Air mit Sitz in Jakarta verzeichnete in ihrer Geschichte sieben Flugzeugverluste, davon einen mit Todesopfern. Außerdem hat die Airline (Index: 1,058) auffällig viele Zwischenfälle bei Starts oder Landungen. Ein Unglück aus dem April 2013 war besonders spektakulär: Eine Maschine im Anflug auf den Flughafen Denpasar auf Bali kam vor der Landebahn im Meer auf und zerbrach in zwei Teile (Bild). Zum Glück überlebten alle 108 Insassen das Unglück. Quelle: AP

„Die hochgerechneten Zunahmen der Verbreitung von Turbulenzen in klarer Luft bedeuten nicht notwendigerweise mehr Verletzungen an Bord oder ein größeres Maß an Passagierbeschwerden“, schreibt Williams. So würden die Vorhersagen für Turbulenzen zunehmend besser, so dass die entsprechenden Zonen umflogen werden könnten. Mit der LIDAR-Technik (Light Detection and Ranging) an der Flugzeugspitze könnten künftig Turbulenzen in 10 bis 15 Kilometern Entfernung aufgespürt werden - genug Zeit, um die Passagiere zumindest zu warnen.

In aktuellen Statistiken ist der prognostizierte Trend Experten zufolge noch nicht zu erkennen. „Allgemein lässt sich aus unserer Flugunfalldatenbank herauslesen, dass die Anzahl der tödlichen Unfälle, deren Ursachen auf Windscherungen oder Turbulenzen in klarer Luft zurückzuführen waren, eher rückläufig ist“, sagt Jan-Arwed Richter von JACDEC. Der Hamburger Dienstleister registriert Vorkommnisse aller Art im weltweiten Luftverkehr und leitet daraus Sicherheitsmaßnahmen ab. 2016 seien 18 Vorfälle mit Turbulenzen auf der ganzen Welt verzeichnet worden, der letzte tödliche Unfall habe sich 2013 ereignet, so Richter. Insgesamt sei das Fliegen in den vergangenen 30 Jahren immer sicherer geworden.

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