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Geldanlage Investoren als Klimaaktivisten

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Verpasst Deutschland den Anschluss?

Die Zukunft ist ein dezentraler Energiemarkt, in dem viele kleine Wettbewerber direkt interagieren. Viele Länder schlagen diesen Weg ein. Dagegen ist der in Deutschland aktuell diskutierte Gesetzesentwurf zur EEG-Novellierung mit geänderten Einspeisevergütungen in Wahrheit ein "RWE- und EON-Rettungsgesetz", wonach es ausschließlich den großen Kraftwerken erlaubt sein soll, erneuerbare Energie gegen Gebühr ins Netz einzuspeisen.

Damit die freie Marktwirtschaft jedoch funktioniert, müssen die Regierungen endlich Wettbewerbsgleichheit schaffen. Eigentümer von Voll-Elektromobilen könnten ihre Batterien als Speicherkraftwerk nutzen, indem sie nachts billig Strom tanken und tagsüber bei Spitzenpreisen einspeisen. Wo die Rahmenbedingungen von Seiten der Regulierung und der Infrastruktur vorhanden sind, können Elektrofahrzeughalter dadurch jährlich 2.000 Euro mit ihrem Fahrzeug verdienen. Bei einem Nissan Leaf, der heute etwa 25.000 Euro kostet, bezahlt sich das Elektrofahrzeug dann fast selbst.

Für Deutschland bietet sich eine enorme Chance, da so alle 40 Millionen im Land zugelassenen Kraftfahrzeuge durch gesündere und billigere Elektrofahrzeuge ersetzt und etwa 60 Milliarden Euro an Kraftstoffeinfuhren gespart werden könnten, ohne dass ein einziges neues Kraftwerk gebaut werden müsste. So rechnet sich die Energiewende dann doch noch für alle!

Zentralisierung statt Visionen

Da die deutsche Regierung aber auf Zentralisierung setzt und nach wie vor Diesel- und Hybridfahrzeuge subventioniert, ist das Land auf dem Weg, eine Industrieruine zu werden. Viele Länder der Welt überholen Deutschland mittlerweile. So übertrifft beispielsweise die Zahl der registrierten Elektroautos in Holland, Norwegen oder China die Registrierungen in Deutschland bei weitem.

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    Zudem verfügt die deutsche Automobilindustrie noch immer über kein wettbewerbsfähiges Elektroauto. Ein billigeres Elektrofahrzeug als die Chinesen werden wir schon nicht mehr bauen können – aber ein intelligenteres, das ins Netz einspeisen kann und den Vorteil unseres Rechtsstaats nutzt.

    Auch bei der Energiewende sind wir nicht mehr führend: In Dänemark ist man schon bei über 50 Prozent erneuerbarem Strom angelangt, in Norwegen sogar bei 99 Prozent. Deutschland und deutsche Investoren haben die Möglichkeit, dies zu ignorieren – oder sie strengen sich endlich an, um die Vorreiterrolle bei der Energie- und Verkehrswende einzunehmen. Wenn wir z.B. unsere Ressourceneffizienz exportieren würden, könnte dies weltweit zu einem deutlichen Rückgang des Energiebedarfs führen. Das gleiche gilt für erneuerbare Energien und für Elektrofahrzeuge, die ins Netz einspeisen können.

    Divest-Invest und Impact Investments auf Vormarsch

    Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen wird aufgrund dieser Entwicklungen für die Stromherstellung sowie für den Verkehr – die mit oder ohne Deutschland weltweit stattfinden – gegen Null tendieren. Wie schon der saudische Ölminister sagte: "Die Steinzeit ging zu Ende lange bevor wir den letzten Stein verbrauchten. So ist es auch mit dem Ölzeitalter." Jede weitere Investition in die Erforschung und Ausbeutung von fossilen Energien ist daher betriebswirtschaftlich sinnlos.

    Große Energiekonzerne müssten ihre anfallenden Gewinne sofort an ihre Aktionäre ausschütten oder sie in erneuerbare Energien investieren. Auf der Suche nach einer verantwortungsvollen Geldanlage erkennen immer mehr Investoren die Portfoliorisiken, die mit einem Investment in Öl-, Gas- und Kohleproduzenten verbunden sind, und schichten um. Das Gesamtvermögen der Investoren, die sich bereits verpflichtet haben, ihre Investitionen aus fossilen Energien abzuziehen, beläuft sich aktuell insgesamt auf 3,6 Billionen US-Dollar – Tendenz stark steigend.

    Dieses Kapital in klimafreundliche Investments umzuschichten ist nicht nur aus ideellen Beweggründen sinnvoll, sondern auch, um in Zukunft eine attraktive und stabile Rendite zu erzielen. Die Investoren, die bereits auf "100% Impact Investment" über alle Asset Klassen hinweg umgestellt haben, konnten in den letzten 15 Jahren eine bessere Rendite bei gleichzeitig geringerer Volatilität als Standardportfolios genießen. So ließen sich beispielsweise mit einer konservativen "buy and hold"-Strategie in dividendenstarke europäische Aktien, die die fossilen Energieförderer oder die "Carbon 200" ausschließen, über die letzten drei Jahre im Schnitt 20 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften. Im Vergleich dazu ist der Eurostoxx im selben Zeitraum durchschnittlich nur um 10 Prozent pro Jahr gestiegen.

    Institutionelle und private Anleger können sich gleichermaßen zu klimafreundlichen Investitionen verpflichten – und sie sollten schnell handeln. Die Zeit, die uns bleibt, um den Klimawandel aufzuhalten, wird immer knapper. Gleichzeitig steigt das Risiko großer Verluste durch das Beharren auf alten Anlagen und Technologien wie Verbrennungsmotoren jeden Tag weiter.

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