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Interview Deshalb ist Deutschland Umwelt-Exportweltmeister

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Kann Deutschland da denn überhaupt langfristig mithalten?

Man darf Deutschland nicht nur im Vergleich zu China sehen, sondern muss den gesamten internationalen Wettbewerb anschauen. Da steht Deutschland sehr gut da. Es ist zu erwarten, dass die wirtschaftliche Bedeutung des Umweltschutzes in Zukunft noch zunimmt, denn weltweit sind große Steigerungen der Umweltschutzanstrengungen notwendig. Das gilt insbesondere für den Klimaschutz, aber auch für alle anderen Umweltbereichen, also Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Abwasserbehandlung, Abfallbeseitigung und Lärmminderung und auch für die Ressourcenschonung.

Von der Entwicklung kann Deutschland profitieren, aber das ist natürlich kein Selbstläufer. Andere Länder haben auch das Potenzial auf dem Umweltschutzmarkt erkannt. Der Wettbewerb wird immer schärfer. Darum ist es wichtig, dass wir uns in Deutschland nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.

Heißt das, die deutsche Umweltwirtschaft sollte sich eher auf das Inlandsgeschäft konzentrieren oder sich weiter auf den Exportmarkt verlassen?

Sowohl das eine als auch das andere. International wachsen die Märkte weiter. Das sollte man gerade in der starken Position, in der Deutschland in dieser Hinsicht ist, auch weiter nutzen. Aber natürlich darf man dabei das Inland nicht vernachlässigen.

"Zu niedrige Energiepreise sind ein Hemmnis für die Energieeffizienz"Meinen Sie denn, dass es eher bei der Politik oder bei den Unternehmen liegt, diese starke Position auch beibehalten zu können?

Beides. Wir brauchen eine vorausschauende Politik, die ehrgeizige Umweltziele setzt. Außerdem müssen auch die ökonomischen Rahmenbedingungen stimmen. Zu niedrige Energiepreise sind beispielsweise ein Hemmnis für die Steigerung der Energieeffizienz. Insgesamt ist es wichtig, die Entwicklung innovativer Technologien für Umwelt- und Klimaschutz voranzutreiben. Das kann durch Forschungsförderung unterstützt werden, aber eben auch durch das Setzen der richtigen ökonomischen Rahmenbedingungen und das Schaffen der nötigen Planungssicherheit für Investoren.

Insgesamt ist die Produktion der Umweltgüter in Deutschland allerdings leicht gesunken. Vor allem die Solartechnik ist in den vergangenen Jahren eingebrochen. Woran liegt das?

Der Einbruch bei der Solarzellenproduktion liegt hauptsächlich an der starken Konkurrenz aus China. Die chinesischen Unternehmen haben die Technik wesentlich günstiger auf den Markt gebracht, dadurch sind die Preise gesunken und viele deutsche Anbieter konnten nicht mehr mithalten. In anderen Bereichen, wie beispielsweise der Windkraft, der Abwasserbehandlung oder der Mess-, Steuer- und Regeltechnik gab es Produktionszuwächse. Die konnten allerdings den starken Rückgang in der Solarindustrie nicht ganz auffangen.

Glauben Sie, dass das Paris-Abkommen einen großen Effekt auf die Umweltwirtschaft haben wird?

Weltweit gibt es Umweltprobleme und es sind große Anstrengungen notwendig, um sie zu lösen. Das sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Umweltschutztechnologien sowie an Produkten, die umweltfreundlich und ressourcenschonend sind, steigt. Auch ohne das Paris-Abkommen sind Technologien und Produkte rund um den Umwelt- und Klimaschutz weltweit einer der großen Wachstumsmärkte. Das Paris-Abkommen unterstreicht die Entwicklung und setzt einen zusätzlichen Impuls für die Nachfrage nach solchen Produkten und Technologien. Wie stark dieser zusätzliche Impuls ist hängt letztlich davon ab, wie die einzelnen Länder das Abkommen umsetzen.

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