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Klimademos und besetzte Kohlebagger "Ziviler Ungehorsam ist unausweichlich"

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Es gibt viele Menschen, die solche Aktionen ablehnen und die Aktivisten wohl als Spinner bezeichnen würden. Verbaut man sich da nicht Kommunikationswege, vor allem mit den Bewohnern vor Ort?

Die Gefahr besteht natürlich, Menschen durch solche Aktionen abzuschrecken. Aber wir müssen doch diesen Druck überhaupt erzeugen, damit verwirklicht wird, was Politiker schon länger für die Braunkohlegebiete versprechen. Nämlich, dass es einen gerechten Übergang geben wird.

Unsere Aktionen richten sich aber gar nicht primär gegen die Braunkohle-Anhänger in der Region. Uns geht es einerseits gegen die unverantwortlichen Kohlekonzerne, die jahrelang große Profite eingefahren haben, und jetzt die Regionen hängenlassen wollen. Vattenfall zum Beispiel will ja seine Braunkohlesparte in der Lausitz verkaufen. Darüber hinaus aber geht es natürlich auch gegen die gesellschaftlichen Strukturen und Ideologien, die dort in den Köpfen vorhanden sind. Es ist diese Einstellung, dass weiter gehen müsste, was seit Jahrzehnten der Fall war. Da sagen wir eben ganz klar: Nein, es ist Zeit für eine Weiterentwicklung.

Braucht erfolgreicher Klimaprotest Ihrer Ansicht nach diesen zivilen Ungehorsam? 

Ich denke, es braucht vor allem ganz vielfältige Aktionen. Da ist also die Diskussion am Abendbrottisch bis zur Teilnahme an der Klimademonstration. Wir wählen die ungehorsamen Massenaktionen. Und wenn wir auf vergangene erfolgreiche soziale Bewegungen blicken, die Frauen- oder die Schwulenbewegung etwa, stellen wir fest, dass sie alle zivilen Ungehorsam beinhaltet haben. So wird schließlich Ermächtigung erzielt.

Paris ist drei Monate her. Das Interesse in Medien und Öffentlichkeit am Klimawandel ist abgeflacht. Wie geht es weiter mit dem Klimaprotest? 

Zu Beginn jeder Transformation heißt es doch, an den Umständen sei nicht zu rütteln, weil sonst die Gesellschaft zusammenbreche. Nur 20 Jahre später ist der anfangs belächelte Umstand aber vollkommen akzeptiert. Es ist jetzt kein Thema mehr, schwul zu sein und selbstverständlich dürfen Frauen wählen. Momentan scheint es ein bisschen unmöglich, diesen Klimawandel aufzuhalten. Und genau deswegen braucht es diese Bewegungen, bei der Menschen für ihre Sache auf ganz vielfältige Weise kämpfen. Das ist die Macht von sozialen Bewegungen, die Grenzen dessen zu verschieben, was zu einem Zeitpunkt als sozial akzeptiert gilt. Denn in den Parlamenten wird das nicht geschehen.

 

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