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Landstrom Kreuzfahrtschiffe an der Steckdose

Im Hamburger Hafen werden in einem Pilotprojekt Kreuzfahrtschiffe mit Strom vom Land aus versorgt. Fraglich bleibt, ob die Technik zukunftsträchtig ist, vor allem weil sie sehr kostspielig ist.

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Von den derzeit elf Schiffen der Aida-Flotte verfügen bisher zwei Schiffe über Landstromanschlüsse. (Foto: Aida)

Wenn die Passagiere im Hafen von Bord gehen, um die Metropolen dieser Welt zu erkunden, laufen die Maschinen der Kreuzfahrtschiffe weiter. Klimaanlage, Kühlanlagen und Licht, der Energiehunger DER Ozeanriesen ist gewaltig. Ein Kreuzfahrtschiff kommt schnell auf den Strombedarf einer Kleinstadt. Zwar wird im Hafen statt mit Schweröl mit Marine-Diesel Strom erzeugt, dennoch belasten neben CO 2 und Stickoxiden vor allem Feinstaub und Schwefeloxide die Menschen in den Städten.

Eine umweltfreundliche Alternative bietet Landstrom. Die Energie aus der Steckdose ermöglicht den Kreuzfahrtschiffen, die Generatoren an Bord weitestgehend abzuschalten und damit rund 95 Prozent der Stickoxidoxid- und Partikel-Emissionen zu vermeiden sowie den CO 2 -Ausstoß um bis zu 30 Prozent zu reduzieren. Die Häfen in Los Angeles, San Francisco, Seattle, Vancouver und Shanghai bieten dies bereits für Kreuzfahrt- und zum Teil für Containerschiffe an.

Einer der ersten europäischen Häfen mit Landstromanschluss für Kreuzfahrtschiffe ist Hamburg. Ein aufwändiges Projekt, das mehrere Jahre Planungen und laut Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) zehn Millionen Euro verschlungen hat - mehr als zwei Drittel davon kamen von der EU und vom Bund.

Patentierter Roboterarm koppelt sich an die Schiffe an

Die Bauarbeiten erfolgten parallel zum Kreuzfahrtbetrieb am Cruise Center Altona. Die Installation der Anlagentechnik, die seit dem Frühjahr 2015 getestet wurde, war nach Aussage der HPA aufgrund des Pilotcharakters des Projektes schwierig. Die Landstromanlage arbeitet mit einem patentierten, speziell für den Tidenhub im Hamburger Hafen ausgelegten, flexibel fahrbaren Roboterarm, dem sogenannten Übergabefahrzeug, der nur wenige Minuten benötigt, um sich an das Schiff anzukoppeln.

Der regenerativ erzeugte Strom wird dem örtlichen Mittelspannungsnetz entnommen (10 Kilovolt, 50 Hertz). Über eine landseitige Umformstation wird die für das Schiff erforderliche Spannung (11 kV) und die Frequenz (60 Hz) bereitgestellt, um Kreuzfahrtschiffe mit einer Leistung von zwölf Megavoltampere (MVA) versorgen zu können. Auch kleinere Kreuzfahrtschiffe mit einer Leistung von sieben MVA und 6,6 Kilovolt können angestöpselt werden.

Die Energie aus der Steckdose ermöglicht den Kreuzfahrtschiffen, die Generatoren an Bord weitestgehend abzuschalten. (Foto: Aida)

Der Stromanschluss ist für alle gängigen Bord-Frequenzen von 50 und 60 Hertz und für alle erforderlichen Spannungsebenen der Schifffahrt geeignet. Das ist weltweit einmalig. Aber gerade die unterschiedlichen Spannungen in den Häfen, haben Reeder bisher davon abgehalten, in den Stromanschluss zu investieren. Einheitliche Standards gibt es bisher nicht. Ein weiterer Grund sind die zurzeit etwa vier Mal höheren Kosten des regenerativen Stroms im Vergleich zur selbst erzeugten Energie aus Marine-Diesel. Um den Reedern einen Anreiz zu liefern, bekommen sie von der HPA Rabatte beim Hafengeld über den „Environmental Ship Index“ oder den „Hafenstrom-Rabatt“, wenn sie den Landstrom aus regenerativen Quellen beziehen.

Genutzt wird der Stecker bisher nur von Aida Cruises (www.aida.de). Um die Energie nutzen zu können, muss an dem Schiff ein Schaltkasten sowie eine Art Steckdose eingebaut wird. Über die Höhe der Investitionen möchte sich das Kreuzfahrtunternehmen nicht äußern. Von den derzeit elf Schiffen der Aida-Flotte verfügen bisher zwei Schiffe über Landstromanschlüsse, weitere sechs Schiffe sind auf Landstrom vorbereitet. Darüber hinaus werden alle drei Neubauten, die bis 2020 vom Stapel laufen, mit einem Landstromanschluss ausgestattet. „Wenn die Infrastruktur aufgebaut wird, können wir somit flexibel agieren“, heißt es auf Nachfrage.

Reedereien fahren zweigleisig

Hapag-Lloyd Cruises plant ebenfalls, einem Landstromanschluss zu nutzen und hat die „EUROPA 2“ dafür ausgerüstet. Vorerst allerdings nicht in Altona. „Als weltweit erstes Kreuzfahrtschiff wurde der Neubau außerdem mit einem Katalysator, der den Ausstoß von Stickoxid um fast 95 Prozent reduziert, ausgestattet. Auch ein optimierter Rumpf und eine Wasseraufbereitungsanlage nach höchstem Branchenstandard sorgen für eine größtmögliche Ressourcenschonung“, betont eine Unternehmenssprecherin.

TUI Cruises hat auch Vorbereitungen für einen Landstromanschluss getroffen, an einen Einsatz glaubte das Unternehmen aber nicht, da es für TUI nur in Oslo und in Hamburg die Möglichkeit dafür gibt. „Aus diesem Grund ist das für uns derzeit keine Option und wir setzen lieber auch bei unseren weiteren Neubauten auf ein kombiniertes Abgasnachbehandlungssystem. Dieses besteht aus einer Entschwefelungsanlage (AEP) und Katalysatoren (SCR = Selektive Katalytische Reduktion)“, so ein Unternehmenssprecher. Damit werden sowohl auf See als auch im Hafen die Schwefelemissionen um 99 Prozent und die Partikelemissionen um etwa 60 Prozent reduziert.

Aida nutzt flüssiges Erdgas

Auch Aida fährt zweigleisig. Die AIDAprima verfügt über einen Dual-Fuel-Motor und kann als erstes Kreuzfahrtschiff weltweit im Hafen umweltfreundlich mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben werden. Die Versorgung erfolgt über LNG-Trucks. Im Vergleich zur Nutzung von herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt verringert sich die Emission von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent und die CO 2 -Emissionen werden um 20 Prozent reduziert. Schwefeloxide und Rußpartikeln werden gar nicht mehr ausgestoßen.

In den letzten Jahren ist die Entwicklung einer Vielzahl technischer Innovationen in Bezug auf alternative Formen der Energieerzeugung in der Schifffahrt angeschoben worden. Keiner kann heute genau sagen, welche sich zukünftig weltweit durchsetzen wird“, so Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises.

VDR fordert mehr Unterstützung vom Bund

Der Verband Deutscher Reeder setzt ebenfalls auf LNG. Die hohen Investitionen für nur einen Liegeplatz den die Kreuzfahrtschiffe lange Zeit belegen, spricht aus Sicht von Pressesprecher Christof Schwaner gegen Landstrom. „Landstrom ist aufgrund der großen Energiemengen auch eine Herausforderung für die Stromnetze.“ LNG hat sich bisher aufgrund der um bis zu 30 Prozent höheren Investitionen bei den Kreuzfahrtschiffen noch nicht durchgesetzt.

Um dem umweltfreundlichen Kraftstoff voranzubringen, fordert der VDR daher eine Förderung des Bundes. Ob die Landstromanlange jemals wirtschaftlich betrieben werden kann, ist fraglich und in Hamburg zurzeit auch nicht geplant. „Pilotprojekte wie dieses haben vielmehr das Ziel, ein Verfahren in der Praxis zu erproben. Die Landstromanlage ist die erste ihrer Art in Europa und wird wichtige Erkenntnisse liefern zum Thema der umweltfreundlichen Energieversorgung von Schiffen“, so eine HPA-Sprecherin.

Ein YouTube-Video zeigt die Landstromanlage:

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