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Solar-Studentenprojekt Mit dem Sonnenwagen durch den Outback

Aachener Studenten arbeiten an einem Auto, das nur durch Solarenergie betrieben werden soll. Damit wollen sie ein Autorennen in Australien gewinnen.

So soll er aussehen: der Sonnenwagen, mit dem die Aachener Studenten die World Solar Challenge gewinnen wollen. (Foto: Sonnenwagen Aachen e.V.)

Große Ideen entstehen oft im Kleinen. In einer Garage, wie bei Apple etwa – oder in einer Studenten-WG. So war es zumindest bei den Gründen von Sonnenwagen Aachen e.V. "Wir waren alle mitten in der Klausurphase, aber keiner hatte Lust zu lernen", erinnert sich Niklas Kaltz, der damals, im vergangenen Juli, mit dabei war.

Einer der Studenten habe sich schon länger mit der World Solar Challenge dem weltweit größten Rennen für Solarautos, beschäftigt – "und plötzlich stand da die Frage im Raum, warum es hier so etwas nicht gibt." Innerhalb einer Woche wurde aus einer fixen Idee der ernste Plan, ein nur durch Sonnenergie angetriebenes Auto zu entwickeln und bei der Rallye im Oktober nächsten Jahres mitzufahren.

Wenige Monate spätere wurde der Verein Sonnenwagen Aachen e.V. mit rund 20 Mitgliedern gegründet. Am Anfang mussten sich die Studenten jedoch erst in das Projekt reinarbeiten, viele der Herausforderungen hatten sie nicht auf dem Schirm.

3000 Kilometer quer durch Australien

"Ein Fahrzeug entwickelt man eben nicht jeden Tag", sagt Niklas Kaltz. Zudem hat es die Strecke, die der Sonnenwagen beim Rennen fahren muss, in sich: von Darwin bis Adelaide, 3022 Kilometer quer durch Australien.

Der Sonnenwagen Aachen e.V. hat rund 50 Mitglieder, die alle ein Ingenieursfach studieren. (Foto: Sonnenwagen Aachen e.V.)

Über die Monate hinweg wuchs der Verein, stellte sich bei möglichen Sponsoren und den fachnahen Instituten der RWTH Aachen vor. Bei der Konzeption des Sonnenwagens kooperieren die Studenten mit dem Lehrstuhl für Elektromobilproduktion der RWTH. Die Dozenten machen dem Team jedoch keine Vorgaben, sondern geben nur Expertise.

Mittlerweile arbeiten rund 50 Studenten aus verschiedenen Ingenieursgebieten an der Entwicklung des Sonnenwagens. Damit sie bei der World Solar Challenge um die vorderen Plätze mitfahren können, muss das Solarauto möglichst aerodynamisch und so leicht und effizient wie möglich sein.

Um das zu erreichen, haben sich die Studenten in vier verschiedenen Arbeitsgruppen organisiert. Das Mechanik-Team ist zuständig für die Entwicklung einzelner Baugruppen, die Elektrotechniker kümmern sich insbesondere um die Photovoltaikanlage und den Elektromotor.

Erste Prototypen im Kleinformat

Im Bereich Aerodynamik geht es um das Design der äußeren Wagenhülle und die Fahrstrategie-AG berechnet mit Hilfe von Simulationen, wie der Sonnenwagen den Outback Am Ende so schnell wie möglich durchquert.

Einmal pro Woche trifft sich das ganze Team. In großer Runde wird dann besprochen, womit sich die einzelnen Arbeitsgruppen gerade beschäftigen und was als nächstes ansteht. "Die größte Herausforderung ist das, was gleichzeitig am meisten Spaß macht: ein komplettes Auto von null an zu konstruieren", sagt Kaltz.

Auf der nächsten Seite: So wollen die Studenten nach dem Autorennen weitermachen

Die Schwierigkeit dabei sei, das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten so hinzubekommen, dass das Auto am Ende wirklich fahren kann. "Wir wollen allerdings bei der Challenge nicht einfach nur mitfahren, sondern möglichst gut abschneiden."

In den Herbstmonaten wollen die Studenten mit dem Bau erster Prototypen beginnen: kleine Wagen, ähnlich wie Seifenkisten, um die einzelnen Komponenten auszuprobieren.

Unternehmen sponsern die Komponenten

Im April soll der Sonnenwagen dann komplett montiert sein: höchstens 4,5 Meter lang und 1,80 Meter breit und mit einer Solarfläche von maximal 5 Quadratmetern. Bevor er im September per Luftfracht nach Australien geschickt wird, soll er im Sommersemester intensiv getestet werden.

Die Herausforderung: Der Sonnenwagen muss aerodynamisch, effizient, leicht und vor allem das schnellste Solarauto sein. (Foto: Sonnenwagen Aachen e.V.)

Spannend wird es dann im September, wenn der Sonnenwagen per Luftfracht nach Australien geschickt wird. Wer das Auto bei der World Solar Challenge letztlich fahren darf, wird erst im Frühjahr festgelegt. "Es müssen auf jeden Fall mehrere Leute sein", sagt Kaltz, "denn bei 40 Grad Außentemperatur 3000 Kilometer mit einer Geschwindigkeit um 90 km/h zu fahren, das ist echt anstrengend."

Um ein Grundbudget zu haben, hat sich der Verein zu Beginn des Projekts hauptsächlich durch die Mitgliedsbeiträge der Studenten finanziert. Letztendlich sei das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen, sagt Kaltz.

"Die technischen Komponenten des Autos sind so anspruchsvoll, dass man sich schnell in hohen Summen wiederfindet." Deswegen setzt der Verein mittlerweile vor allem auf Sponsoren – und das funktioniert gut: "Man kann Unternehmen sehr gut für das Projekt begeistern", sagt Kaltz.

Leuchtturmprojekt für E-Mobilität

Das liege vermutlich auch an der Philosophie, die die Studenten haben: Es gehe ihnen nicht einfach nur darum, das Rennen zu gewinnen. "Vor allem wollen wir beweisen, dass E-Mobilität praktikabel ist", sagt Kaltz. "Wir wollen ein Leuchtturmprojekt sein und zeigen, dass man allein mit der Leistung einer Küchenmaschine ein ganzes Auto antreiben kann."

Egal, wie die Studenten bei der World Solar Challenge im kommenden Jahr abschneiden: Das Projekt soll danach weitergehen. Auf Messen und anderen Veranstaltungen will der Verein den Sonnenwagen präsentieren und die Menschen so für das Thema Elektromobilität sensibilisieren.

"Zudem sind wir schon am überlegen, wie wir unser Konzept beispielsweise in einem Start-up fortführen können", sagt Niklas Kaltz. So sollen die Ideen und Komponenten, die die Studenten entwickeln, im besten Falle alltagstauglich werden – damit vielleicht schon bald der Sonnenwagen auf Deutschlands Straßen unterwegs ist.

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