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Steuern, Strafen, Recycling Der Kampf gegen Plastikmüll in Afrika

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Ein Recycling-System ist die größte Herausforderung

Doch was nun? Die Plastiktüte ist nur ein Teil des Problems. In Kenia wird gemunkelt, dass die hartnäckige Umweltministerin Judi Wakhungu bereits ein Verbot von Plastikflaschen anvisiert. Dies durchzusetzen wird wohl ein harter Brocken. Allerdings habe das Plastiktüten-Verbot in Kenia den Privatsektor dazu animiert, die Nutzung von Plastik zu verringern, sagt Barratt.

„Lediglich eine ganze Art von Behälter zu verbieten, wird das Problem nicht lösen“, sagt eine Sprecherin von Coca Cola in Kenia. Das Unternehmen kooperiert demnach aber derzeit mit dem Verband kenianischer Hersteller und der Regierung, um eine effiziente Abfallentsorgung und ein Recycling-System zu entwickeln.

Denn darin liegt wohl die größte Herausforderung für Entwicklungsländer wie Kenia. Was in Deutschland selbstverständlich ist - systematische Mülltrennung, Abfallentsorgung und Recycling - ist in Kenia noch Zukunftsmusik. Zwar wird derzeit Plastikmüll im informellen Sektor und von einigen Privatunternehmen teilweise gesammelt und wiederverwertet. Doch die Kosten von Recycling seien derzeit noch weitgehend untragbar, erklärt Umwelt-Aktivist Dipesh Pabari. „Noch gibt es nicht genug Anreiz, um im großen Stil mit der Nutzung von wiederverwertetem Plastik zu beginnen.“

Um zu zeigen, was mit recyceltem Plastik alles möglich ist, baut Pabari mit der Initiative FlipFlopi auf der kenianischen Insel Lamu ein etwa 18 Meter langes Segelboot aus wiederverwertetem Kunststoff. Für das Dhow - ein traditionelles Boot, mit dem die Küstenbewohner Kenias und Tansanias seit Jahrzehnten segeln - werden demnach 45 bis 60 Tonnen Plastikmüll verwendet, der für das Projekt in einer eigenen Fabrik recycelt wird. 200 000 an den Stränden angespülte bunte Flip-Flops werden den Rumpf des Schiffes verzieren. Mit dem Dhow wollen die Aktivisten von Kenia nach Südafrika segeln.

Das Segelboot soll zum Umdenken animieren, wie Pabari sagt. „Wir wollen neu definieren, was wir Menschen alltäglich nutzen, wie wir es nutzen und wie wir es wegwerfen.“ Durch das jüngste Verbot seien Kenianer gezwungen worden, sich ein Leben ohne Plastiktüte vorzustellen. Die ultimative Vision sei es, eine Welt ganz ohne Einweg-Plastik zu schaffen.

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