Trotz mehr Schlachtungen Deutschen vergeht die Lust auf Fleisch

Immer mehr Deutsche reduzieren ihren Fleischkonsum. Die Zahl der Flexitarier steigt. Trotzdem wird mehr geschlachtet als jemals zuvor - denn deutsches Fleisch ist im Ausland beliebt.

Gemüse verdrängt Fleisch - dieser Grill in Hamburg hat Symbolcharakter. Quelle: dpa

Man mag es kaum glauben, aber vielen Deutschen schmeckt das Fleisch nicht mehr. Trotz guter Konsumlaune: Die Verbraucher kauften im ersten Halbjahr nach einer Marktübersicht der Gesellschaft für Konsumforschung mehr Obst und Gemüse, mehr alkoholfreie Getränke. Doch an Fleisch und Wurst ging der Aufwärtstrend vorbei. Hier sank der Absatz um 1,4 Prozent.

Schlechtes Grillwetter, eine ältere Gesellschaft und allgemein ein Trend zu fleischarmer Ernährung sorgen dafür, dass der Fleischkonsum sinkt. Im vergangenen Jahr um ein Kilo auf 59,9 Kilogramm pro Kopf, und der Trend setzt sich fort.

Die Zahl der Vegetarier und Flexitarier steigt an. "In bestimmten gesellschaftlichen Schichten und Regionen ist es in Deutschland gegenwärtig offenbar ausgesprochen chic, wenig oder gar kein Fleisch zu essen, während dies in anderen europäischen Ländern erheblich geringer ausgeprägt ist", klagt der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie gegenüber der DPA.

Paradox: Geschlachtet wird trotzdem mehr Fleisch

In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg die Fleischproduktion dennoch. 4,1 Millionen Tonnen - so viel wie noch nie zuvor. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist dafür vor allem ein Anstieg der Rinderschlachtungen verantwortlich. 1,7 Millionen Tiere wurden bis Juni geschlachtet, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der geschlachteten Schweine (29,2 Millionen) nimmt hingegen leicht ab.

Denn die Schlachthöfe produzieren zunehmend für das Ausland: "Die Bedeutung des Exports für die deutsche Fleischindustrie wächst", sagt Detlef Stachetzki, Geschäftsführer des Verbandes der Fleischwirtschaft. "Die Nachfrage Chinas nach tierischen Produkten ist im ersten Halbjahr förmlich explodiert", sagt Stachetzki, auch wenn die EU weiter der wichtigste Exportmarkt bleibt.

Gerade Rinder gelten wegen ihres hohen Methanausstoßes als Mitverursacher des Klimawandels. Zudem verknappt die Tierzucht weltweit die Flächen, gilt in Südamerika als ein Grund der Regenwald-Rodung. Doch der genaue Einfluss der Tierhaltung auf den Klimawandel ist nicht so einfach zu beziffern - eine US-Studie dazu haben wir Anfang des Jahres vorgestellt.

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