Umwelt-Satellit „Sentinel“ startet in Kourou

Frankreich liegt auch in Südamerika: Vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou schickt die EU seit Jahrzehnten ihre Satelliten ins All. Das bleibt bei aller Routine selbst für Experten aufregend.

Die Vega-Rakete, die den Satelliten Sentinel-2B ins All befördern soll, startet am 06.03.2017 auf dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guayana). Quelle: Stephane Corvaja/ESA/dpa

Um 22.49 Uhr (2.49 Uhr deutscher Zeit) steigt ein Feuerball auf. Für etwas mehr als zwanzig Sekunden breitet sich das gleißende Licht aus am nördlichen Horizont, steigt höher, dann verschwindet die Vega-Rakete hinter der tropischen Wolkendecke. Europas fünfter Erdbeobachtungs-Satellit „Sentinel-2B“ ist auf dem Weg ins All - und schickt zum Abschied ein tiefes Donnergrollen. Erst mit gut einer halben Minute Verzögerung erreicht der tiefe Ton die Zuschauer in mehr als zehn Kilometern Entfernung auf der Terrasse des Kontrollzentrums beim europäischen Weltraumbahnhof Kourou.

Die Rakete mag unterwegs sein: Für gelösten Jubel im Kontrollraum „Jupiter“ ist es noch zu früh. Selbst Profis - oder gerade die - stehen unter Strom. „Die Spannung kann uns keiner nehmen“, sagt der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), Johann-Dietrich Wörner. Bei „Sentinel-2B“ wird es noch einmal besonders aufregend: Das Sonnensegel, das für die Energieversorgung im Orbit nötig ist, fährt erst mit Verzögerung aus. Wörner atmet tief durch. Jedes Mal stehen Millionen auf dem Spiel, wenn eine Rakete im südamerikanischen Kourou abhebt.

Entsprechend sorgfältig hat die Europäische Union den Standort ihres Tors zum All gewählt. Im äußersten Nordosten Südamerikas, oberhalb von Brasilien, liegt das 750 Quadratkilometer große Gelände in Französisch-Guyana. Hier, wo Urubu-Geier über dampfenden Mangroven-Wäldern kreisen, liegt Frankreich nur wenige Hundert Kilometer vom Äquator entfernt. Tropenstürme sind nicht zu fürchten und in Abschussrichtung erstrecken sich tausende Kilometer menschenleerer Ozean.

Das internationale Weltraumrecht

Industrievertreter und Esa-Mitarbeiter schwärmen von der Lage. „Je näher ein Startplatz dem Äquator liegt, desto mehr Schwung gibt die Erdrotation der Rakete mit. Denn am Äquator dreht sich unser Planet logischerweise schneller als an anderen Orten weiter im Norden oder Süden“, erklärt das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum zu Kourou.

Was das konkret heißt, erklärt Isabelle Bouchard, die Besuchergruppen über das Gelände führt: Eine Rakete, die im deutlich weiter nördlich gelegenen russischen Raumfahrtzentrum Baikonur 1,8 Tonnen ins All stemmt, schaffe in Kourou 3,2 Tonnen. Die „Sentinel“-Satelliten von Copernicus profitieren von diesem Effekt übrigens nicht, weil sie nach Norden starten und die Erde ungefähr von Pol zu Pol umkreisen.

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