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Umweltvorschrift Massenhaft illegale Ozonkiller in chinesischen Schaumstoffen

China Ozonloch Schaumstoffindustrie Quelle: dpa

Seit 2010 dürfen keine ozonschädlichen Stoffe mehr hergestellt werden. Dennoch haben Ermittler herausgefunden, dass die illegalen Chemikalien in China immer noch verwendet werden. Die Regierung guckt zu.

Trotz eines weltweiten Verbots setzt Chinas Schaumstoffindustrie im großen Stil illegale Chemikalien ein, die die Ozonschicht schädigen. Wie Ermittlungen der Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) ergaben, wird in chinesischen Unternehmen der Ozonkiller Trichlorfluormethan (CFC-11) zum Aufschäumen von Kunststoffen genutzt. Die „weit verbreitete“ Verwendung in China erkläre, warum der Stoff in der Atmosphäre seit 2012 langsamer sinkt, als durch die bestehenden Umweltregeln eigentlich zu erwarten wäre.

Der Chef des UN-Umweltprogramms (Unep), Erik Solheim, sprach von „wichtigen Erkenntnissen“. „Es ist entscheidend, dass wir sofort illegale Aktivitäten stoppen“, forderte der Norweger in einer Reaktion auf Twitter. Die Enthüllungen dürften bei dem Treffen der Vertreter des Montrealer Protokolls von 1987 für eine Reduzierung von ozonschädlichen Stoffen am Mittwoch in Wien eine Rolle spielen.

Die Ermittler der EIA waren in Kontakt mit 21 Firmen, von denen 18 in zehn verschiedenen Provinzen bestätigt hätten, die illegale Chemikalie als Treibmittel für Bau- und Isolierschäume zu verwenden. Es ist klar, dass es keine Einzelfälle sind, sondern allgemeine Praxis in der ganzen Industrie.“ Der Grund: Trichlorfluormethan sei billiger und qualitativ besser als zulässige Alternativen. „Die Mehrheit der chinesischen Schaumstoffindustrie nutzt CFC-11 weiter wegen seiner besseren Qualität und des niedrigeren Preises.“

Trichlorfluormethan gehört zu den Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), die früher weltweit unter anderem als Kühlmittel und als Treibmittel in Spraydosen verwendet wurden. In den 1970er-Jahren erkannten Wissenschaftler, dass FCKW die schützende Ozonschicht in der höheren Atmosphäre schädigen können.
Nach der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis im Jahr 1985 einigte sich die Staatengemeinschaft zwei Jahre später mit dem Montrealer Protokoll und folgenden Vereinbarungen auf eine drastische Reduzierung der FCKW. Seit 2010 gilt ein internationales Produktionsverbot für diese Stoffgruppe. Zwar heilt die Ozonschicht langsam wieder, doch könnte der Einsatz von Trichlorfluormethan den Prozess schwer zurückwerfen.

Forscher um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (Colorado, USA) hatten nach einem Bericht im Fachblatt „Nature“ vom Mai eine neue, illegale Quelle befürchtet, nachdem sie verdächtig hohe Messwerte der Chemikalie in der Atmosphäre entdeckt hatten. Die Recherchen der Ermittler in China bestätigen jetzt diese Erkenntnisse.

Als Unterzeichner des Montrealer Protokolls von 1987 hat auch China Trichlorfluormethan verboten, doch sei die Umsetzung des Verbots eher schlecht, stellten die EIA-Ermittler fest. Die Produktion von CFC endete in Industrieländern 1996 und in Entwicklungsländern eigentlich 2010, läuft nach ihren Erkenntnissen aber in China verbotenerweise weiter.
Die Hersteller verraten den Nutzern laut EIA nicht die Produktionsstätten und ändern demnach auch die Standorte häufig, um behördlichen Inspektionen zu entgehen. Ein Industrieinsider beschreibt das als „Guerilla-Taktik“. Die EIA sorgt sich auch darum, dass der Stoff illegalerweise zudem exportiert wird.

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