Verdienen am Klimawandel? Nur Unsicherheit kann man versichern

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Auswirkungen des Klimawandels auf Versicherer nicht vorhersehbar

Dabei geschehen die Entwicklungen beim Wetter als Folge des Klimawandels schrittweise und nicht sprunghaft. „Damit kann auch die Preisgestaltung für das Naturkatastrophenrisiko graduell angepasst werden“, erklärt Wallin. Rückversicherer, aber auch Erstversicherer wie Allianz und Axa müssen ihre Prämien so kalkulieren, dass diese im mehrjährigen Durchschnitt die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb abdecken - und am Ende ein Gewinn übrig bleibt.

Weil die Schäden von 2012 bis 2016 vergleichsweise gering blieben, sitzen vor allem die großen Rückversicherer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück auf dicken Kapitalpolstern. Daher ist das Angebot an Rückversicherungsschutz riesig, getrieben auch von Großanlegern wie Pensionsfonds, die über Katastrophenanleihen etablierten Anbietern Konkurrenz machen. Preiskampf macht Rückversicherungsschutz billiger - und für die Konzerne weniger rentabel. Erst die Katastrophen von 2017 leiteten jetzt eine Preiswende ein.

Bei der Neuverhandlung der Rückversicherungsverträge zum Jahreswechsel konnten die Rückversicherer in schadenbelasteten Regionen die Prämien um zweistellige Prozentsätze anheben. Teils habe man die Preise sogar verdoppeln können, sagt Munich-Re-Manager Schneider. Im gesamten Schaden- und Unfallgeschäft gelang den Münchnern aber nur eine Preiserhöhung um 0,8 Prozent, die Hannover Rück konnte 1,4 Prozent durchsetzen. Und Wallin peilt für 2018 wieder über eine Milliarde Euro Gewinn an.

Wie der Klimawandel das Wetter verändert und mit welchen Schäden zu rechnen ist, kann aber auch er schwer vorhersagen: „Wir haben sicherlich eine steigende Zahl von Flutschäden und auch Hagel.“ Winterstürme in Europa hätten sich jedoch zuletzt eher lokal ausgewirkt. Ein Zusammenhang mit der Erderwärmung lässt sich daraus schwer ablesen. Dennoch: „Wir sehen starke Indizien dafür, dass mindestens in manchen Regionen der Welt und bei manchen Gefahren veränderte Wettermuster - Stichwort Klimawandel - sich heute schon mindestens teilweise in den Daten bemerkbar machen“, sagte Munich-Re-Klimaexperte und Geophysiker Ernst Rauch erst unlängst.

Dabei haben die Menschen in ärmeren Weltregionen ihre Häuser und Betriebe bisher oft kaum versichert. Vor allem der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re wirbt seit langem dafür, die Versicherungsdichte in Schwellen- und Entwicklungsländern zu erhöhen. Das würde im Katastrophenfall nicht nur den Menschen helfen, für Rückversicherer täten sich neue Einnahmequellen auf. Und sie könnten ihre Risiken besser streuen.

Denn große Gefahren sind die Existenzberechtigung der Branche. Selbst stark zunehmende Großschäden würden die Rückversicherer nicht bedrohen, sagt Wallin: „Wenn es jedes Jahr einen Sturm gibt, der in einer bestimmten Region einen Schaden von zehn Milliarden Euro erwarten lässt, dann ist das eigentlich nichts, was ich versichern kann. Versichern kann ich nur die Unsicherheit.“

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