WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Wasserlinsen in der Ernährung "Entengrütze wäre ein idealer Eiweiß-Lieferant"

Seite 2/2

Was Wasserlinsen in Europa ausbremst


Wie steht es um kommerzielle Nutzungsmöglichkeiten?
Es gibt schon Versuchsanlagen, etwa in Israel und den Niederlanden, in denen Wasserlinsen angebaut werden - hier geht es vor allem um Biomasse-Produktion, weil Wasserlinsen so wahnsinnig schnell wachsen. Es sind die am schnellsten wachsende Blütenpflanze überhaupt. Wie wirtschaftlich es ist, Wasserlinsen in großem Stil zu züchten, müssen allerdings andere beurteilen. Der wichtigste Aspekt ist Wasser, sowohl Qualität als auch Menge. Vor allem in warmen Ländern muss die Verdunstung möglichst gering gehalten werden - aber das ist eine Aufgabe für Ingenieure. Wir betreiben die Grundlagenforschung im Labor.
In Sachen Ernährung gibt es zum Beispiel eine israelische Firma, Green Onyx, die ein etwa kaffeemaschinengroßes Gerät vertreibt. Darin können Sie Ihre eigenen Wasserlinsen für den Hausgebrauch ziehen.

Das klingt, als könnte das für Vegetarier und Veganer hierzulande das neue große Ding sein.
Auf jeden Fall. Selbstgezogene Wasserlinsen sind so grün, bio und vegan, dass es schlimmer nicht geht. (lacht)

Alternative Ernährungsformen


Könnte es also bald Entengrütze-Smoothies im Supermarkt geben?
Nein, zumindest nicht in naher Zukunft. Für europäische Länder, in denen man Wasserlinsen ja nicht traditionell verzehrt, gibt es eine große Hürde: Die Novel Food Verordnung aus Brüssel.

Welche bürokratischen Hürden tun sich da auf?
Wasserlinsen werden als "neuartiges Lebensmittel" klassifiziert. Das bedeutet, dass die gleichen Untersuchungen durchgeführt werden müssen, die auch für gentechnisch veränderte Pflanzen vorgeschrieben sind. Das sind aufwändige, teure Untersuchungen. Das kann kein kleines Start-up leisten. In Wageningen in den Niederlanden gibt es eine Forschungsgruppe, die versucht, die geforderten Analysen anzufertigen. Sie wollen herausfinden, ob es irgendetwas gibt, was die Verwendung als menschliches Nahrungsmittel stören könnte. Mit den Kollegen stehen wir im engen Austausch. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen: Seit Hunderten von Jahren wird die Pflanze in anderen Ländern gegessen; wenn da irgendetwas wäre, hätte man das gemerkt - auch ohne teure Analysen. Aber gut, da müssen wir jetzt durch.


Wie geht es weiter mit Ihrer Forschung?
Jetzt konzentrieren wir uns auf die Gattung Wolffia und all ihre Arten in der menschlichen Ernährung. Alle beteiligten Kollegen haben schon ihre Zustimmung gegeben und wollen weiter forschen. Man muss sich klar machen: Bisher haben wir nur Pflanzen gesammelt. Es hat ja noch gar keine Züchtung stattgefunden, wie wir es etwa seit Jahrtausenden bei Getreide haben. Das steht uns alles in wesentlich kürzerer Zeit bevor und kann die Eigenschaften der Pflanze massiv verändern. Nehmen Sie zum Beispiel Zuckerrüben: Noch vor 50 Jahren war da nicht mal die Hälfte des heutigen Zuckergehalts drin. Wir können also noch eine Menge erwarten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%