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Hacker-Attacken Rekordangriff auf Staaten und Konzerne

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Trotzdem hätten deutsche Unternehmen aus Stuxnet bisher kaum Schlüsse gezogen. Die Unternehmen vermieden– anders als etwa bei der Absicherung von Büro-Computern oder Rechenzentren – jede nicht zwingend erforderliche Maßnahme zum Schutz der industriellen IT-Systeme, bemängelt Langner. Der IT-Spezialist fordert daher nun gesetzliche Vorgaben, wie Unternehmen auch im industriellen Einsatz ihre Rechnersysteme gegen Angriffe abzusichern haben. „Ohne Vorschriften wird sich nichts tun.“

Zuletzt erfuhr die WirtschaftsWoche, dass die Regierung und deutsche Unternehmer ein deutsches Sicherheitsbetriebssystem entwickeln. Vorrangiges Ziel ist es, das für seine Sicherheitslücken bekannte Windows aus dem Hause Microsoft mit einer Software-Schutzhülle einzukapseln. Die Forschungsarbeiten an diesem Schutz-System sollen - möglicherweise noch in diesem Jahr - in ein mit staatlicher Hilfe gegründetes Startup überführt werden. Als Grundlage dafür dient ein an der Technischen Universität in Dresden entwickelter Mikrokern. Unter dem Codenamen SeSaM, der für "Secure and Safe Microkernel Made in Germany" steht, fördert auch das Bundesforschungsministerium diese Arbeiten.

Wie erfolgreich Hacker auf Netzwerke sowohl von Unternehmen als Regierungsbehörden zugreifen zeigt eine Auswahl der Hackerangriffe der letzten Monate:

Januar 2011:   Am 19. Januar musste die EU den Handel mit den CO2-Zertifikaten kurzfristig komplett einstellen. Zuvor war es Cyberkriminellen gelungen, mithilfe von gezielt verschickten Spionage-E-Mails zunächst in die IT-Systeme des Europäischen Emissionshandelssystem EU ETS einzudringen und dann Zertifikate im Wert von mehr als 28 Millionen Euro zu stehlen. Erst Anfang Februar, nahm die Emissionsbörse schrittweise wieder ihren Betrieb auf.

Februar 2011:  Angriff auf die Technologiebörse Nasdaq. Ausgerechnet das „Directors Desk“ genannte Informationssystem, über das Unternehmensvorstände und Aufsichtsräte von an der Nasdaq gelisteten Unternehmen vertrauliche Dokumente austauschen können, war Ziel Hacker-Angriffs.  Der Angriff auf die Börsensysteme stellt eine ganz neue, noch viel tiefgreifendere Form der digitalen Bedrohung dar, als es die bisher üblichen Attacken auf IT-Systeme, Entwicklungs- und Kundendaten oder Passwort- und Konteninformationen von einzelnen Unternehmen oder Privatleuten bisher war. Denn die Börsen sind die Transmissionsriemen des globalen Wirtschaftslebens. Wer sie stört, wer dort geheime Informationen abgreift oder die Preisbildung beeinflussen kann, greift tief ins weltweite Geflecht einer zunehmend digitalisierten globalen Wirtschaft ein.

April 2011:  Diesmal ist der Elektronikkonzern Sony Opfer von Hacker. Sie stehlen sensible Kundendaten von etwa 77 Millionen Nutzern der Spielekonsole Playstation. Die Eindringlinge greifen neben Passwörten und E-Mail-Adressen auch Geburtsdaten, Anschriften und Kreditkartennummern ab.

Aber auch Suchmaschinene-Riese Google wird attackiert: Hacker aus China dringen in die Passwortverwaltung "Gaia" ein. Gaia verwaltet Zugangsdaten von Millionen von Nutzern weltweit. Passwörter selbst wurden nicht gestohlen. Der Hacker-Angriff hatte mehrere US-amerikanische Firmen getroffen. In einem Fall ist ein renommiertes IT-Unternehmen offensichtlich über zwei Jahre ausspioniert worden, ohne dass es jemand bemerkt hat.

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