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Handpresso Auto Hybrid im Test Mit diesem Gadget machen Sie Kaffee in Ihrem Auto

Die Stau-Saison ist in vollem Gang. Nutzen Sie die Wartezeit im Auto, denn es gibt auch schöne Dinge, die Sie währenddessen tun können – zum Beispiel Espresso kochen. Wir haben das passende Gadget für Sie getestet.

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Der Handpresso ist eine mobile Espressomaschine für Auto, Camper oder Schiff - vorausgesetzt es gibt einen 12-Volt-Zigarettenanzünder. (Foto: PR Handpresso)

Bonn Stockender, zähfließender Verkehr und endlose Staus: Zu Beginn und am Ende der Sommerferien sind die Fernstraßen gen Süden und die Autobahnen rund um die Ballungszentren oft verstopft. Kilometerlange Blechlawinen trüben unsere Vorfreude auf den lang ersehnten Erholungsurlaub und es wird gedrängelt, ausgebremst, sinnlos überholt und hier und da auch mal der Mittelfinger gezeigt oder die Lichthupe zum Einsatz gebracht. Das ist Stress pur und erfordert gleichzeitig allerhöchste Aufmerksamkeit.

Verlieren Sie aber bitte nicht gleich die Nerven! Es gibt nämlich auch schöne Dinge, die Sie im Stau tun können – zum Beispiel einen frischen Espresso kochen. Als wahre Espresso-Genießer sind wir uns sicherlich einig, dass völlig überteuerte Automaten-Kompromisse am Rasthof undenkbar sind.

Genau für Menschen wie uns hat der französische Designer Henrik Nielsen einen Espresso-Kocher speziell für Kaffeeliebhaber gemacht, die viel mit dem Auto unterwegs sind. Also ein Gadget, das sich nicht nur auf dem Weg in den Urlaub, sondern auch auf längeren Dienstfahrten oder im Außendienst ganz nützlich macht.

Das Unternehmen Handpresso gibt es seit 2006 und es sorgte schon 2008 für Aufsehen, als das Start-up die weltweit erste und kleinste Outdoor-Espressomaschine, die Handpresso Wild, vorstellte, die komplett ohne Strom funktioniert und trotzdem mit einem Druck von 16 Bar für den kleinen Schwarzen zwischendurch sorgt. Dafür wurde die Firma inzwischen mit sieben internationalen Designpreisen ausgezeichnet. Handpresso gilt heute als der bekannteste Hersteller unter den mobilen Espresso-Maschinen. Wir sollten von der Schweiz als dem Land der Erfinder künftig also nicht mehr nur an Schweizer Messer, Käse und Schokolade denken.

Nun also liegt die mobile Erweiterung des Sortiments auf unserem Schreibtisch: der Handpresso Auto, mit dem ich, angesteckt an den 12-Volt-Zigarettenanzünder, auch in meinem Auto mit 16 Bar den Koffein-Turbo zünden kann. Der Preis: 159 Euro.

Ausführlich getestet habe ich das Gerät auf der - Gott sei Dank - staufreien Autofahrt in den Urlaub nach Südtirol sowie als schnelle Energie-Tankstelle vor meinen letzten Triathlon-Wettkämpfen, für die man als Athlet nicht selten einmal früh im Morgengrauen quer durch mehrere Bundesländer fährt, bis zum Autodach vollgepackt mit Wettkampfausrüstung & Co.


Espresso-Genuss nach nur vier Minuten

Das System des Handpresso Auto ist so simpel wie genial: Das griffig-robuste Stromkabel wird an den 12-Volt-Anschluss gesteckt. Dann wird das Gadget mit kaltem Wasser (ich habe dazu vor der Fahrt klares Leitungswasser in eine 1,5-Liter-Flasche abgefüllt und im Auto dabei) und einem handelsüblichen E.S.E.-Kaffeepad (etwa von Lavazza oder Illy) befüllt, fest zugeschraubt und schon kann ich den Brühvorgang über die kleine “Ein-Taste” auf der Vorderseite des Gerätes starten (was zunächst ein paar Sekunden lang ganz schön laut brummt und rattert, also bitte nicht erschrecken, das hat alles seine Richtigkeit).

Kleiner Exkurs ins Kaffee-Lexikon: E.S.E. steht für Easy Serving Espresso. Dabei handelt es sich um ein offenes Standardsystem für Espressopads, die E.S.E. Pads. Wobei offen in diesem Zusammenhang bedeutet, dass jeder Röster und jeder Maschinenhersteller daran teilnehmen und die Pads für sich nutzen kann.

Die Vorteile liegen hier im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Für die Espresso-Zubereitung wird lediglich ein Pad benötigt, das man in den Filterträger einlegt und nach der Zubereitung ganz einfach wieder entfernt – dadurch ist auch der Reinigungsaufwand sehr gering und dank der Vorportionierung haben Sie immer die passende Menge an Espressopulver mit optimalem Mahlgrad dabei. Wer keine Pads mag, kann den Handpresso aber gerne auch mit Kaffeepulver befüllen, den entsprechenden Adapter liefert der Hersteller gleich mit.

Übrigens noch ein ganz wichtiger Sicherheitshinweis, den Sie bitte unbedingt berücksichtigen sollten: Wenn Sie nicht, wie das bei mir der Fall war, auf dem Beifahrersitz sitzen, den Kopf und beide Hände frei haben, um mit dem Gerät während der Fahrt zu hantieren, dann stellen Sie bitte sicher, dass Ihr Fahrzeug immer stillsteht, bevor Sie den Handpresso Auto benutzen - darauf weist auch der Hersteller prominent in der überraschend sachdienlichen Bedienungsanleitung hin. Glauben Sie mir, die Espresso-Maschine als Fahrer alleine während der Fahrt in Betrieb zu nehmen ist ungefähr genauso schlau, wie Stahlseile aus einem Aufzugsschacht zu klauen.


Vorsicht vor dem heißen Stecker!

Nutzen Sie die Wartezeit von rund vier Minuten beim ersten Brühvorgang also sinnvoll und sorgen Sie mit der kleinen Fahrpause dafür, dass schon die Autofahrt ein kleines bisschen Ferien sind. Wenn Sie die Maschine für einen doppelten Espresso - oder als Belohnung, für den Autofahrer, der Sie in den Süden fährt - ein zweites Mal befüllen und starten, dauert es in der Regel nur noch knapp dreieinhalb Minuten, bis der kleine Schwarze zubereitet ist.

Nach einigen Minuten ertönen dann drei Signaltöne, was bedeutet, dass das Ende der Erhitzungsphase und eine Wassertemperatur von etwa 90-100 Grad erreicht ist. Bevor nun das Gerät einmal auf den Kopf gedreht, ein Tässchen drunter und der Knopf für den Espresso gedrückt wird, sollten Sie es von der Stromversorgung trennen - aber seien Sie vorsichtig. Ich habe mir im Test ein paar Mal die Finger an dem heißen Stecker verbrannt und ihn dann eigentlich aus Sicherheitsgründen immer lose in der Buchse klemmen lassen, ohne dass er komplett drinnen steckte.

Die Espresso-Taste lässt sich mit ein bisschen Übung mit derselben Hand drücken, in der Sie gleichzeitig den Handpresso halten. Das hat den Vorteil, dass Sie die Tasse für den Espresso mit der anderen Hand direkt unten drunter halten können und sie nicht irgendwo auf dem wackligen Armaturenbrett oder der Armlehne abstellen müssen.

Bis hier hin ist die ganze Angelegenheit übrigens noch sehr trocken und sauber. Allerdings kann es etwas unangenehm werden, wenn die Tasse mit dem herrlich duftenden Espresso gefüllt ist und Sie die Stopp-Taste drücken. Im Test ist es mehrfach vorgekommen, dass sich ein paar heiße Kaffee-Spritzer aus dem blubbernden Ausgießloch verselbstständigt haben. Nicht gefährlich, aber unangenehm - vor allem, wenn man die Prozedur auf dem Schoß durchführt.


Vorfreude auf den nächsten Mega-Stau

Wer sich also weder verbrennen noch verkleckern will, legt sich am besten ein kleines Handtuch unter - dann ist der Handpresso wirklich der perfekte Begleiter für jede längere Autotour. Sie können das Gadget auch nutzen, wenn der Motor aus ist - dann zieht sich der Handpresso seinen Strom über die Autobatterie.

Fazit: schwarz, stark, lecker

Sprechen wir noch kurz über den Geschmack: Hmmmmm. Lecker. Und glauben Sie mir, ich bin wirklich sehr verwöhnt, was guten Espresso anbelangt. Würde mein Budget es hergeben, stünde in meiner Küche zu Hause schon längst eine feinste italienische Siebträgermaschine von La Marzocco oder Rocket Espresso. Der Handpresso zaubert tatsächlich konstant einen kräftigen und aromatischen Espresso, der keinen Vergleich zur Premium-Maschine zu scheuen braucht.

Einzig die Crema könnte noch etwas schöner und fester sein. Aber ganz ehrlich, ich habe wirklich schon deutlich schlechte Espressos in Restaurants und Straßencafés auf der Untertasse gehabt. Ich freue mich jetzt schon so richtig dolle auf den nächsten Kurzurlaub mit Mega-Stau.

Wenn Sie sich jetzt noch für kleines Geld einen Spannungswandler kaufen (gibt es für weniger als 10 Euro im Elektro-Fachmarkt), dann können Sie den Handpresso natürlich auch im Büro oder Daheim nutzen - wo auch immer Sie sind, einer gepflegten Espressopause steht damit nichts mehr im Weg.

PS: Der Stau ist immer noch da und Sie haben alles versucht, sich nicht darüber zu ärgern? Ihre Wut hat sich, trotz leckerem Espresso, mehr und mehr aufgestaut? Dann möchte ich Ihnen einen äußerst effizienten Tipp geben, den die Kollegen von der Frankfurter Rundschau gegen Langeweile im Stau kürzlich aufgeschrieben haben: “Raus damit! Lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf und brüllen Sie einfach mal laut. Das befreit und Sie werden sehen, es entspannt. Bevor Sie das tun, sollten sie jedoch die Fenster schließen.”

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