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Innovationspreis Die Sieger: Impfung gegen Krebs, innovative Handy-Chips und Dichtungen gegen Gifte

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Jungtec: Dichtung gegen Gift

Jungtec-Gründer Jung: Formel-1-Motoren sollen länger lebe Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche

Nur Dichtungen zu verkaufen ist Alfred Jung zu wenig. Jede freie Minute denkt der Geschäftsführer der in Pulheim bei Köln ansässigen Jungtec darüber nach, wie er seine hoch spezialisierten Industriedichtungen weiter verbessern kann, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Ein Problem war beispielsweise, Nahtstellen, an denen zwei Rohre miteinander verbunden sind, so dicht zu bekommen, dass an den Nahtstellen der Rohre keine Gase und Flüssigkeiten mehr austreten. Bisher verflüchtigen sich weltweit jährlich Tausende Tonnen wertvoller Materialien, darunter giftige und klimaschädliche Stoffe. Zudem ist die Lebensdauer herkömmlicher Dichtungen meist zu kurz.

Jung hat mit Jungtec Eco die Lösung gefunden: eine federleichte Dichtung aus Edelstahl, die nicht viel dicker ist als ein Blatt Büttenpapier. In die Ringe werden kreisförmig Rillen eingeprägt. Darauf klebt er, mit gehörigem Abstand zur Innen- und Außenkante, beidseitig Grafitband. Beim Verschrauben der Rohrenden füllt das Grafit die Rillen auf, die sich durch den Druck abflachen.

Es wird aber nicht bis an die Ränder gepresst. Der Vorteil: Die aggressiven, heißen und unter hohem Druck stehenden Flüssigkeiten, die durch die Rohrleitungen chemischer Fabriken und Raffinerien strömen, können das relativ weiche Dichtungsmaterial nicht zerstören – die Leitung soll so jahrzehntelang dicht bleiben.

Unverwüstliche Dichtungen

Seit vergangenem Jahr sind die Superdichtungen auf dem Markt. „Eine Chemiefabrik verdankt ihnen das Überleben“, berichtet Jung. Alle zwei Monate hatte die Anlage stillgelegt werden müssen, um verschlissene Dichtungen auszutauschen. Seit Jungtec-Produkte montiert sind, haben sich die Wartungskosten von fünf Millionen Euro pro Jahr auf unter 150 000 Euro reduziert. Das Unternehmen macht heute wieder Gewinn.

Jungs Vorzeigekunde ist der Münchner Anlagenbauer Linde, der in der BP-Raffinerie Ruhr Oel in Gelsenkirchen eine neue Produktionsanlage für Alkene (Olefine) mit mehr als 100 000 Jungtec-Dichtungen bestückte. Alkene sind Ausgangsstoffe für die Herstellung etwa von Waschmittelzusätzen und Kunststoffen. Jung produziert die Spezialdichtungen auf ein paar unscheinbaren kleinen Maschinen zum Stanzen und Prägen der metallischen Ringe. „Kunden staunen immer, dass wir nicht mehr brauchen“, amüsiert er sich.

Jetzt will der Erfinder allerdings aufrüsten: „Wir automatisieren die Produktion.“ Ein Investor steht laut Jung schon parat. Zugleich plant er den Aufbau kleinerer Fabriken in den USA, Indien und im Mittleren Osten. Insgesamt sollen vier Millionen Euro investiert werden. Künftig will er die Dichtungen im Sekundentakt herstellen. „Dann geht es ab wie eine Rakete“, hofft Jung. Er will den Umsatz, dieses Jahr voraussichtlich fünf Millionen Euro, künftig jedes Jahr verdoppeln.

Dabei soll auch die „beste Zylinderkopfdichtung der Welt“ helfen, deren Entwicklung Jung im Kopf herumspukt. Das Bauteil, das den Verbrennungsraum von Motoren abdichtet, hält selten ein Autoleben lang. Kurzzeitige Überhitzung oder Verschleiß durch Dauerbelastung sind die Ursachen für fatale Ausfälle. Die Metalldichtung, an der Jung arbeitet, soll unzerstörbar sein. Zuerst will er die Standfestigkeit seiner Innovation in einem Formel-1-Rennwagen beweisen. „Spätestens dann ist Jungtec weltbekannt.“

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