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Innovative Textilien Stoffautos, EKG-Shirts und Leuchtgardinen

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Designer-Leuchtstoff in Japan

Dabei sind Akkutaschen oder -jacken nicht einmal besonders außergewöhnlich: In den Forschungszentren der Faserproduzenten arbeiten die Entwickler bereits an der Sicherheitskleidung von morgen. Zum Beispiel an Stoffen, die nachts von selbst leuchten, sich bei Knopfdruck aufheizen oder per Farbumschlag vor Giftstoffen in der Luft warnen. Textile RFID-Chips, die Daten speichern und per Funk austauschen, werden als Sicherheitsetiketten direkt ins Kleidungsstück eingewebt.

Doch auch Durchschnittsmenschen sollen im Alltag von der Technik profitieren: Vorhänge glimmen je nach Tageszeit in verschiedenen Farben. Teppiche in Bürogebäuden blenden aktuelle Hinweise und Wegweiser ein. Selbst Hemden, die Töne produzieren oder aufnehmen, wollen Forscher vom Massachusetts Institute of Technology in ein paar Jahren schneidern.

Es gibt kaum einen Sektor, der von der Textil-Revolution nicht erfasst wird. Künftig werden auch Häuser aus Textilien gebaut: Stadionfassaden und -dächer aus High-Tech-Geweben sorgten schon bei der Fußball-WM in Südafrika für Aufsehen.

Autos aus Stoff

Nun haben Wissenschaftler des Instituts für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen eine Fassade aus einem Textil--Beton-Werkstoff entwickelt. Sie ist, verglichen mit üblichem Material, dreimal dünner und dämmt trotzdem genauso gut. Ihr Vorteil: weniger Gewicht bei Transport und Aufbau, weniger CO2-Ausstoß beim Zementhersteller. Der Werkstoff soll Architekten zudem filigranere Bauteile ermöglichen.

Von den textilen Leichtgewichten soll auch der Autobau profitieren. Die Wagen der Zukunft nämlich müssen vor allem leicht sein, um Sprit zu sparen. Faserverbundwerkstoffe, die textile Trägermaterialien mit Kunststoff oder Metall kombinieren, schlagen herkömmlichen Stahl dabei deutlich. „Ohne Textilien wird die Elektromobilität gar nicht möglich sein“, sagt Werner Zirnzak, Mitglied der Geschäftsführung beim Industrieverband IVGT. „Rund 25 Kilogramm Stoff stecken heute in einem Auto — 2015 sind es schon bis zu 35 Kilogramm.“

Im Auto der Zukunft machen sich die schlauen Stoffe an immer mehr Stellen breit. So finden sich statt Schaltern aus Plastik überall Textilien, handschmeichelnd und warm. Erst wenn der Motor startet, offenbart die Verkleidung ihr Eigenleben: Plötzlich spendet das Vlies warmes Raumlicht, die Decke beginnt zu glühen. Schaltsymbole leuchten auf, die Wände werden zu glimmernden Touchscreens aus Baumwolle und Polyester. Ein Fingerdruck aktiviert die Sitzheizung, ein anderer öffnet das Fenster. Prototypen haben Wissenschaftler vom Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland in Greiz schon entwickelt.

BMW hat sogar ein Konzeptauto namens Gina vorgestellt, dessen Karosserie komplett aus einem flexiblen Gewebe besteht. Je nach Fahrgeschwindigkeit wandelt sich die Karosserieform, um die beste Aerodynamik zu erreichen. Serienreif ist das Textilkleid fürs Auto noch nicht. Aber es lässt ahnen, wohin die Reise geht.

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