IT-Messe Cebit will mit IT-Sicherheit und Startups punkten

Big-Data und Datensicherheit sind die großen Themen der diesjährigen Cebit. Am Montag öffnet die IT-Messe in Hannover ihre Pforten für Besucher. Welche Topps und Flopps sie erwarten.

Dreidimensionale Handy-Bilder können mit dem Aufsteck-Adapter

Verlegen legt der Roboy den Kopf zur Seite und errötet leicht. Dann formt er die digitalen Lippen zu einem Kuss. Nicht weniger als einen Roboter, der Emotionen zeigen kann, stellt die Universität Zürich auf der diesjährigen IT-Messe Cebit in Hannover vor. Schon bei der Highlight-Tour für die Presse zwei Tage vor Veranstaltungsbeginn war Roboy der kleine Star.

Seine Körperbewegungen haben die Wissenschaftler anhand echter Sehnen- und Muskelbewegungen nachempfunden. „Das Design von Roboy war ein Meilenstein in der Entwicklung von Soft-Robotern, die eine große Ähnlichkeit zum biologischen Modell haben“, sagt Alois Knoll von der Fakultät für Informatik der TU München, die mit an dem Bau des Roboters beteiligt war.

Hinter dem Projekt aus der Schweiz steckt der Versuch, die Interaktionen des Gehirns mit dem Körper besser zu verstehen. Um komplexe Vorgänge, wie das Beugen eines Knies, nachvollziehen zu können, mussten die Wissenschaftler Roboy entwickeln. Neun Monate hat das gedauert. Inzwischen ist der Roboter ein Jahr alt und hat zu Marketingzwecken schon in kleinen Theaterproduktionen mitgespielt.

Ein Roboter, der Emotionen zeigt: Der


Insgesamt werkelten am Wochenende noch 10.000 Handwerker an den Messeständen der großen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Startups und Länder. 3400 Aussteller aus 70 Nationen kommen in diesem Jahr nach Hannover, um ihre neuen Produkte und Innovationen vorzustellen. Partnerland ist in diesem Jahr Großbritannien und Motto der Messe das Kunstwort „Datability“. Dahinter verbergen sich ebenso intelligente Big-Data-Anwendungen wie neue Ansätze zur Datensicherheit. "Mehr als 500 Unternehmen werden digitale Sicherheitslösungen präsentieren - so viele wie noch nie", sagt Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG.

So ist neben den großen Playern wie IBM, SAP und Microsoft auch in diesem Jahr wieder das IT-Unternehmen Secusmart dabei, um seine Sicherheitstechnik für Regierungstelefone anzupreisen. 2009 erhielt das Unternehmen um die Gründer Hans-Christoph Quelle und Christoph Erdmann den Zuschlag bei der Ausschreibung des Bundes, die Regierung mit abhörsicherer Technologie auszustatten.

Innovationen

Mit Daten gegen Stau und Krebs
Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Quelle: dpa
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl verholfen haben: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Soziale Netzwerke zurück. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. „Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“, warnte etwa Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU). Auch andere sind mit Big-Data-Projekten gescheitert. Quelle: dapd
Bewegungsdaten sind für die Werbewirtschaft Gold wert. Der Mobilfunk-Anbieter O2 wollte sie deswegen vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dafür gründete er Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. In Deutschland muss die Telefónica-Tochter allerdings auf dieses Geschäft verzichten: Der Handel mit über Handys gewonnenen Standortdaten sei grundsätzlich verboten, teilte die Bundesregierung mit. Quelle: AP
Welches Medikament wirkt am besten? Die Auswertung großer Datenmengen soll dabei helfen, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu entwickeln. So könnten die Mediziner eines Tages die Beschaffenheit von Tumoren genau analysieren und die Behandlung genau darauf zuschneiden. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd


Herausgekommen ist das berühmte „Regierungshandy“, das mit Hilfe einer MicroSD-Karte Hacker abfängt und ihnen statt des Gespräches lautes Rauschen entgegen feuert. Die Karte mit der entsprechenden Software lässt sich auch in Festnetztelefone einbauen. Dabei setzt Secusmart auf die Kooperation mit dem angeschlagenen kanadischen Smartphone-Pionier Blackberry und Tiptel. Auch Server sollen über diesen Weg geschützt werden.

Wichtig ist dem Unternehmen dabei, die bessere Benutzerfreundlichkeit, an der man hart gearbeitet habe. Das war auch dringend nötig. Die Vorgänger-Blackberrys der Regierung wurden laut Aussagen des früheren Ministers Philipp Rösler oft gegen das private iPhone ausgetauscht, was Hackern das Leben natürlich leicht gemacht hat. Ans Licht gekommen ist das ganze im vergangenen Jahr durch die Informationen des Whistleblowers Edward Snowden. Aus Unterlagen, die er der Presse zugespielt hatte, ging eindeutig hervor, dass die US-Regierung Mitglieder der Bundesregierung ausgespäht hatte.


Um mehr Komfort und Sicherheit am Flughafen ging es auch der Bundesdruckerei, die neben Pass- und Ausweissystemen auch Dokumentenprüfgeräte und Sicherheitssoftware auf den Markt bringt. Auf der Cebit stellt das Unternehmen das Zweischleusen-System Full-ID für Flughäfen vor, das die Ausweiskontrolle sicherer machen soll. Dabei legt der Reisende seinen digitalen Reisepass auf einen Scanner und gleicht die Informationen im ersten Schritt mit den Fingerabdrücken ab. Die zweite Schleuse öffnet sich erst, wenn auch das Gesicht aufgrund der gespeicherten, biometrischen Daten wiedererkannt wird. Angeblich soll der ganze Prozess nicht länger als 18 Sekunden dauern.

Wirklich neu sind weder der Fingerprint- noch der Gesichtsscanner. Auch dass die biometrischen Daten auf dem Dokument gespeichert werden, ist inzwischen Usus. Entsprechend lässt sich das Gerät leicht in den Markt bringen. Am Münchener Flughafen können Gäste auf diesem Weg bereits einchecken. Auch in Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf ist das Full-ID noch für dieses Jahr geplant.

Samsung blamiert sich


Blamiert hat sich Samsung beim Presse-Schnelldurchlauf auf der Messe in Hannover. Großspurig kündigte das koreanische Unternehmen an, stärker in den lukrativen Healthcare-Bereich einsteigen zu wollen. Als großer IT-Konzern mit starkem Fokus auf dem mobilen Markt, hätte der Konzern alle Möglichkeiten, hier innovativ zu sein. Was dann gezeigt wurde, war ein Ultraschallgerät, das die Bilder aus dem Mutterleib direkt auf ein Smartphone schickt. Sofern die Mutter die „HelloMummy“-App auf ihrem Telefon installiert hat. Statt das Bild dann mit wichtigen medizinischen Fakten zu verlinken, die bei einem weiteren Arztbesuch einen Mehrwert bieten könnten, besteht die „Innovation“ darin, dass die Mutter dann das Bild per Email oder die sozialen Netzwerke teilen kann.

Mit positiven Zahlen präsentiert sich die Startup-Szene in niederländischen Landeshauptstadt. Mehr als 300 kleine und junge Unternehmen aus aller Welt stellen ihre Projekte vor. 50 von ihnen werden in der Halle 16 zu sehen sein. Sie sind die Gewinner des internationalen Wettbewerbs code_n. Einer von ihnen wird am Mittwoch im Finale des Wettkampfs mit einem Preis in Höhe von 30.000 Euro belohnt.

In Arbeit
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Überhaupt steht in den kommenden Tagen noch so einiges auf dem Programm. Am Sonntagabend werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und britischer Kollege David Cameron die Messe offiziell eröffnen. Am Montag folgt dann der traditionelle Messerundgang mit der Kanzlerin.

Auch große Redner werden in diesem Jahr wieder auf der Messe dabei sein. Dienstag gibt sich der IT-Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky die Ehre, am Donnerstag spricht Apple-Mitbegründer Steve Wozniak und am Freitag der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.

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