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Kleiderrecycling High-Tech-Garn aus alten Strümpfen

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Recycling Schuhe Quelle: PR

„Wir wollen alles bis zum Letzten verwerten“, sagt Soex-Strategiemanager Pailak Mzikian. Das größte Problem bereiten den Experten dabei immer noch die Schuhe. Rund 7000 Tonnen alte Treter landen jedes Jahr bei Soex. In der EU werden 1,2 Millionen Tonnen weggeworfen, schätzen die Recyclingforscher Mike Lee und Shahin Rahimifard von der Loughborough University im britischen Leicestershire.

Lee und Rahimifard haben jedoch eine Methode erfunden, mit der sich sogar Schuhe weiterverarbeiten lassen. Nun arbeiten sie mit Nike, der britischen Supermarktkette Tesco und Soex daran, dieses Schuhrecycling anwendungsreif zu machen: Die Pantoffeln werden dafür gemahlen und Leder, Gummi, Textilien und Schaumstoff in einer Art Windkanal voneinander getrennt. 2012 will Soex diese Technik einsetzen. Ein britischer Schuhhersteller will das Gummipulver zu neuen Sohlen schmelzen. Und der europäische Filialist Salamander interessiere sich für das gemahlene Leder, weil das Unternehmen über eine Technik verfüge, dieses wieder zum Obermaterial eines Schuhs zusammenzufügen, berichtet Lee.

Kritiker halten Rücknahme für unwirtschaftlich

So werden auch alte Schuhe zu einem lukrativen Geschäft, und die Ketten Reno, Vögele Shoes, Max Shoes und Bingo Schuh-Discount lassen alte Treter vorsorglich über die Soex-Tochter I:Collect einsammlen. Kunden erhalten für jedes alte Paar einen Rabatt auf Neuware. Seit Reno das Rücknahmesystem eingeführt hat, sei der Umsatz deutlich gestiegen, sagt Mzikian. Der Bonus lockt Käufer und erhöht zugleich die Kundenbindung.

Doch das System hat auch Kritiker. Textilexperte Bernd Gulich vom Sächsischen Textilforschungsinstitut in Chemnitz hält die Rücknahme und die Wiederverwertung von Hemden, Jacken und Schuhen in Europa für unwirtschaftlich. Die Lohnkosten seien zu hoch und die Rohstoffkosten für die Bekleidungsherstellung immer noch zu niedrig. Zudem mag es mancher Konsument schlicht unsexy finden, Recyclingkleider zu tragen. Doch dagegen wartet Braungart mit einem kreativen Coup auf: „Man muss diese Produkte heilig machen.“

Wie das? „Indem man getragene Schuhe von Basketballchampion Dirk Nowitzki und Bekleidung von Cameron Diaz in Spuren in die Recyclingware bringt.“ Brad Pitt und Cameron Diaz zählen tatsächlich zu den Fans des Cradle-to-Cradle-Konzeptes.

Und mit Promi-Aura hat bisher noch jedes Produkt seine Fans gefunden.

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