Kriminalität Cyber-Kriminelle nehmen Unternehmen ins Visier

30 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, in den letzten Jahren Opfer von Cyberangriffen geworden zu sein. In den Unternehmen wächst die Angst, denn die Folgekosten können in die Millionen gehen.

Deutsche Unternehmen werden häufig Opfer von Cyber-Angriffen. Quelle: dpa

Beinahe jedes dritte deutsche Unternehmen ist in den vergangenen zwei Jahren Opfer eines Cyber-Angriffs geworden. 30 Prozent der Unternehmen hätten in den vergangenen zwei Jahren mindestens eine Attacke auf ihr System registriert, erklärte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) unter Berufung auf eine repräsentative Befragung von 403 Unternehmen. Laut Bitkom sagen 58 Prozent der Betroffenen, dass die Angriffe „vor Ort“ erfolgten. Zum Beispiel seien gezielt Daten gestohlen oder Schadprogramme per USB-Stick eingeschleust worden. 30 Prozent der Unternehmen berichten, dass die Angriffe über das Internet erfolgt sind.

„Cyberattacken können zum Verlust von Geschäftsgeheimnissen führen und gefährden die Arbeitsfähigkeit eines Unternehmens“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf auf der Cebit in Hannover. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da Daten häufig unbemerkt abfließen oder kompromittiert werden.“

Meldepflicht für Cyber-Angriffe

Das Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik hat Anfang März ebenfalls vor der Gefahr für Unternehmen durch Cyber-Kriminalität gewarnt. BSI-Präsident Michael Hange forderte eine Pflicht für Unternehmen, Cyber-Angriffe zu melden. Auch der Verband Bitkom plädiert für einen offenen Umgang mit dem Thema. „Aktuell wagt es kaum ein Unternehmen, öffentlich über Sicherheitsprobleme zu sprechen, weil die Angst vor einem Reputationsverlust groß ist“, sagte Kempf. „Wir fordern alle Unternehmen auf, Informationen zu IT-Sicherheitsvorfällen freiwillig auf anonymer Basis zu teilen.“ Ein entsprechendes Meldesystem hat Bitkom bereits 2013 gemeinsam mit dem BSI eingerichtet.

Der Schaden durch Cyber-Angriffe ist immens. Die Attacken verursachen bei deutschen Unternehmen durchschnittlich 5,7 Millionen Euro Kosten pro Jahr. Das geht aus der Studie "Cost of Cyber Crime" des Software-Konzerns Hewlett-Packard hervor, bei der 398 Fachkräfte aus 47 deutschen Organisationen befragt wurden. Die höchsten Kosten verursachen laut HP Cyberangriffe von Insidern, Denial-of-Service-Attacken, also das außer Betrieb setzen von Servern, und das als Phishing bekannte Abfischen von Daten.

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Gefahrenbewusstsein ist gestiegen

Viele Unternehmen wappnen sich gegen Gefahren aus dem Netz. Laut der Bitkom-Umfrage hat sich das Bewusstsein für IT-Sicherheit infolge der NSA-Affäre erhöht. Knapp drei Viertel der Unternehmen sehen Angriffe auf ihre Computer und Datennetze durch Cyber-Kriminelle oder ausländische Geheimdienste als reale Gefahr. 2012 waren es lediglich 63 Prozent. „Wenn die Affäre um die Enthüllungen von Edward Snowden überhaupt etwas Positives hatte, dann war es die Stärkung des Sicherheitsbewusstseins“, sagte Bitkom-Präsident Kempf.

Allerdings hat nur ein knappes Viertel der befragten Unternehmen auch die Ausgaben für die IT-Sicherheit erhöht. Immerhin 36 Prozent haben die Sicherheitsmaßnahmen jedoch verstärkt. Zum Beispiel seien das Zugriffsmanagement für Daten angepasst und Firewalls sowie Virenschutzprogramme eingeführt oder erneuert worden. Neun von zehn Unternehmen haben mittlerweile einen Notfallplan für den Fall eines Datenverlustes.

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