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„Leit-Artikel“ Fitbit Digitaler Wachhund gegen die Faulheit

Abnehmen ohne Diät und Fitness-Studio? Der Bewegungs-Tracker Fitbit One soll dabei helfen, indem er die Schritte des Nutzers zählt und so zu mehr Bewegung motiviert. Ein Test zeigt, ob das funktioniert.

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Kleines Teil, große Motivation: Der Fitbit Tracker zählt mit, wie viele Schritte und Stockwerke der Nutzer läuft. Quelle: Handelsblatt Online

Düsseldorf „Kleines Gerät, große Wirkung“: So lautet das Werbeversprechen. Der Fitbit One zählt mit, wie viele Schritte und Stockwerke ich zurücklege. Die Statistik soll mich motivieren, öfter zu Fuß zu gehen, die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen. Kann das funktionieren? Ich starte Selbsttest unter realen Bedingungen.

Auf den ersten Blick sieht der Fitbit One aus wie ein kleiner polierter Handschmeichler: klein, glatt, schwarz. Die Einrichtung des Gerätes ist leicht. Die winzige Bluetooth-Schnittstelle, nur halb so groß wie ein Fingernagel, wird am USB-Steckplatz des PCs eingesteckt. Danach noch schnell auf der Website fitbit.com die Anwendung heruntergeladen, die es zum Synchronisieren und Hochladen der Daten braucht.

Die erste Hürde nimmt das acht Gramm leichte Gerätchen erfolgreich. Die Installation der Software auf dem Uralt-Laptop unter Windows XP gelingt problemlos, ebenso die Registrierung und Neuanlage eines Benutzerkontos. Nach zehn Minuten ist alles startbereit: Der Schrittzähler überträgt die aktuellen Daten automatisch auf den PC, sobald der Tracker in die Nähe der Basisstation kommt. Schon nach ein paar Schritten in der Wohnung kann ich auf meinem Dashboard die eigenen Aktivitäten als Grafik sehen. Geschafft!

Jetzt aber los, schließlich soll mich das Ding in Bewegung bringen. Der Tracker wird über den mitgelieferten Clip an die Jacke geklemmt – angeblich ist das Gerät spritzwassergeschützt. Es folgt ein langer Spaziergang, bei dem der Beschleunigungssensor brav meine Schritte zählt. Die LED-Anzeige ist auch bei Sonnenlicht im Freien gut erkennbar, der Fitbit One zeigt neben der Uhrzeit die zurückgelegten Schritte und Strecke, die Zahl der erklommene Stockwerke und die verbrannten Kalorien an, dazu eine etwas alberne Blume als allgemeines Maß für die Tagesaktivität.

Die angeblich zurückgelegte Strecke kann aber nicht stimmen, oder ich habe plötzlich Siebenmeilenstiefel: Ich habe versäumt, in den persönliche Einstellungen meine Schrittlänge einzugeben. Das wird nach dem Spaziergang sofort nachgeholt, aber zuerst muss der Tracker gesucht werden: Beim Ausziehen der Jacke sind Clip und Schrittzähler in hohem Bogen ins Schuhregal geflogen und kurzzeitig abgetaucht. Wiedergefunden, verschwindet das kleine Ding sofort und für die nächsten Wochen sicher in der Hosentasche, und zwar ohne den Ansteck-Clip.

Bei den persönlichen Einstellungen dann eine böse Überraschung, für die allerdings der Fitbit nicht verantwortlich ist: Der Body-Mass-Index des Testers liegt im dunkelgelben Bereich. Als kleinen Ausgleich belohnt mich das Programm mit einem kleinen virtuellen Abzeichen, für das Zurücklegen von 5.000 Schritten. Zehn Stockwerke Treppensteigen bringen einen weiteren Sticker, für insgesamt 500 Stockwerke gibt es einen „Helikopter“.


Siebenmeilenstiefel oder Messfehler?

Extra-Motivation sollen die Vergleichsmöglichkeiten auf dem Fitbit-Portal bringen, hier kann man sich zu Gruppen zusammenschließen und die eigenen Werte mit denen von Freunden vergleichen. Ich trete also einer Gruppe bei, „Abnehmen mit Fitbit“ hat 91 Mitglieder, auf der Rangliste der Aktivsten tauche ich aber vorerst nicht auf: Die Platzierung hängt von den Daten der letzten sieben Tage ab.

Über den Datenschutz mache ich mir vorerst keine Gedanken, die persönlichen Einstellungen werden, soweit möglich, auf „Nur für mich sichtbar“ zurückgestellt. Allzu viel Community muss bei einem so heiklem Thema wie der Gesundheit nicht sein. Auch die Verbindung mit Facebook lässt sich so weit einschränken, dass die Daten nur für mich sichtbar sind.

Austricksen lässt sich das Gerät übrigens nicht. Schütteln in der Hand, hochwerfen, herumschleudern, Aufzugfahren und anderes quittiert der Sensor mit: Nichts! Auch die halbstündige Busfahrt über die verstopfte Autobahn zum Arbeitsplatz geht am Tracker spurlos vorbei, trotz winterlichen Stop-and-Go-Verkehrs.

In den nächsten Wochen ruht der Tracker in der Hosentasche. Und ich sitze etliche Stunden am PC, um mich durch die verschiedensten Möglichkeiten zu hangeln, meine Daten einzugeben. Denn der Bewegungssensor zählt zwar Schritte und Stockwerke, aber sonst nicht viel. Radfahren erfasst der Fitbit genau so wenig wie Schlittschuhlaufen, das muss ich von Hand  nachtragen. 

Wer Puls, Blutdruck und -zucker oder auch seine Stimmung aufzeichnen will, wird von der Software mit schönen Grafiken belohnt. Auch das Kalorienzählen nimmt einem niemand ab. Art und Menge der Nahrung können aus vorgegebenen Tabellen übernommen werden, oder man gibt sie komplett selbst ein.


Der Schrittzähler als Freizeitdieb

Die Frage: „Was hast du gegessen?“ lässt sich allerdings in einem Fünf-Personen-Haushalt nicht immer sicher beantworten, und mir fehlen auch Lust und Zeit, alles selbst sauber aufzuschreiben. Das ist wohl eher etwas für kalorienbewusste Singles ohne familiäre Verpflichtungen. Bei konsequentem Protokollieren erweist sich der Fitbit One als Freizeitdieb. Ein Smartphone mit Bluetooth-Standard 4.0 habe ich leider auch nicht, das ist was für die hochgerüstete iPhone-Fraktion. Also gehe ich lieber abends eine Extrarunde spazieren und erspare mir derweil das Kalorienzählen.

Der Schlaf-Aufzeichnungsmodus teste ich als letztes. Die Manschette ist weich und komfortabel, wird mit Klettverschluss am Handgelenk befestigt, der Fitbit One verschwindet in einer kleinen Einstecktasche. Die Stoppuhr wird beim Zubettgehen durch einem längeren Druck auf die Anzeigetaste gestartet, danach vergisst man den Tracker ziemlich rasch. Gerät und Manschette sind so leicht und bequem zu tragen, dass der Schlaf nicht beeinträchtigt wird.

Der Tracker soll anhand der Bewegungsmuster unterscheiden können, ob der Träger schläft oder wach ist. Auf die Aufzeichnung bin ich gespannt.

Der vorab eingestellte stille Alarm weckt mich mit leichtem Vibrieren. Die Auswertung ist erstaunlich genau, Schlaf- und Wachphasen decken sich exakt mit meiner eigenen Beobachtung. Hier steckt vielleicht eine sinnvolle medizinische Anwendung des Gadgets. Zum Beispiel für Patienten mit Schlaf-Apnoe, Schichtarbeiter mit Schlafstörungen und Nachtschwärmer mit chronischem Schlafdefizit: Schlechter Schlaf macht bekanntlich dick!

Der Fitbit lag offensichtlich unter so manchem Weihnachtsbaum, meine Gruppe „Abnehmen mit Fitbit“ ist in den fünf Wochen seit Mitte Dezember von 90 auf 146 Mitglieder angewachsen. Immerhin habe ich mich mit meinen mäßigen Aktivitäten auf Platz 16 in der Rangliste der Mitglieder vorgekämpft, ganz ohne Joggen und Fitness-Studio. Wenn ich meinen inneren Schweinehund besiege und endlich die Joggingschuhe aus dem Keller hole, komme ich da sicher rasch auf die vordersten Ränge.

Fazit

Persönliches Test-Fazit nach fünf Wochen: Einige Dutzend erlaufene statt mit dem Aufzug gefahrene Stockwerke, einige Male zu Fuß zum Bus, anstatt das Auto zu nehmen. Mit etwas gutem Willen zeigt die Waage ein Kilo weniger an, meistens. Das ganze Drumherum mit Apps, Community, Ernährungsplänen und Kalorien ist nicht meine Welt, und wird es auch nicht mehr.

Der Fitbit One ist aber auch so ein ordentlicher digitaler Wachhund gegen die Faulheit und verschwindet bis auf weiteres wieder dorthin, wo er die letzten fünf Wochen war: in der Hosentasche.

Daten und Fakten

Fitbit One

FunktionenAufzeichnung von Schritten und Stockwerken;


Schlafüberwachung; Wecker
Maße4,8 cm Höhe, 1,93 cm Breite, 0,97 cm Tiefe
Gewicht8 Gramm
BatterieLithium-Ionen-Polymer-Akku, fünf bis sieben Tage Laufzeit


(laut Hersteller)
SchnittstellenUSB, Bluetooth 4.0
LieferumfangTrage-Clip, Schlafmanschette, Ladekabel, USB-Dongle
Straßenpreisrund 100 Euro
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