WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Luftfahrt Neue Routen verkürzen die Flugzeit

Seite 2/2

Flugrouten

Die Zeit drängt, denn schließlich wird sich der Luftverkehr in Europa nach Prognosen von Eurocontrol, der europäischen Flugsicherheitsbehörde im niederländischen Maastricht, bis zum Jahr 2030 verdoppeln, in Regionen wie Paris, Frankfurt oder London gar verdreifachen.

Umso problematischer ist da, dass in Europa größtenteils noch die veralteten Flugverkehrsregeln herrschen: Einige Hundert Anlaufkontrollstellen überwachen die Luftraumsektoren. Beim Einflug in jeden einzelnen muss der Pilot sich beim Fluglotsen des überflogenen Sektors abmelden, die Funkfrequenz ändern und zum nächsten Lotsen Kontakt aufnehmen. Der schreibt Flugroute, -geschwindigkeit und -höhe vor – zum Teil alle paar Minuten aufs Neue. Laut Eurocontrol verursacht dieser Aufwand rund eine Milliarde Euro Kosten pro Jahr.

Welch drastische Folgen die Kleinstaaterei am Himmel hat, wurde auch während der Luftraumsperrung nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull deutlich: Der Chor nationaler Luftsicherungen benötigte Tage, um sich auf eine Freigabe größerer Luftraumblöcke festzulegen. Auch deshalb konnten viele Flieger nicht abheben oder landen, strandeten Tausende Fluggäste. „Europa braucht eine einzige Regulierungsbehörde und einen einheitlichen Luftraum“, fordert EU-Verkehrskommissar Siim Kallas seit dem Ascheregen unermüdlich. Nur so lasse sich das tagelange Chaos künftig vermeiden.

Milliarden für neue Technik

Und es braucht modernere Technik für die Routensteuerung und den ständig wachsenden Flugverkehr. Dafür soll das Konsortium Single European Sky Air Traffic Management Research Programme (Sesar) in Brüssel sorgen. Ziel ist, die Technik der Fluglotsen in Europa zu vereinheitlichen und alle Akteure im Flugverkehrsmanagement über ein Intranet zu verbinden. Dabei soll endlich auch die schon in den Vierzigerjahren erstmals eingeführte Funk- und Radartechnik einer digitalen und satellitengesteuerten Überwachung weichen. Vom Radar zu GPS ist die Devise.

Noch in diesem Jahr muss die EU-Kommission einen Finanzierungsplan vorlegen, damit die Technik in den kommenden 15 Jahren für kalkulierte 30 Milliarden Euro ausgebaut werden kann.

Ein Entschluss, der auch die Zukunft des weltweiten Flugverkehrs definieren kann. Denn auch in den USA entwickeln das Luftfahrtunternehmen Boeing und die Softwareunternehmen General Dynamics und ITT eine konkurrierende Technik zur Luftraumsicherung. Projektname: Nextgen. Ebenfalls Ende Mai hat die US-Luftfahrtbehörde dafür 4,4 Milliarden Dollar zur Entwicklung freigegeben. „Wenn wir nicht aufpassen, setzen die Amerikaner die Standards für den Luftverkehr der Zukunft und nicht wir“, warnt daher Sesar-Chef Patrick Ky.

Doch die Bremskräfte sind enorm. Fluglotsen in Italien, Spanien und vor wenigen Wochen auch in Frankreich wehren sich mit Streiks gegen die Digitalisierung. Sie fürchten um Arbeitsplätze. Und so hinken die meisten geplanten Luftraumblöcke in ihrer Umsetzung noch weit hinter dem zentraleuropäischen Fabec her.

Trotz aller Bemühungen ist klar: Wäschekörbe werden wohl noch einige Jahre quer durchs europäische Haus getragen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%