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Medizin Herzinfarkte schneller erkennen

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Das ist zu spät“, sagt Kardiologe Sabin. Der Chef eines der europaweit größten Herzklinik-Verbünde suchte deshalb, wie Tausende von Fachkollegen, nach einer genialen und einfachen Lösung, den Infarkt zu erkennen, bevor das Herz Schaden nimmt. Und dabei stieß er auf Diagenics. Tatsächlich hat das Unternehmen für den Diacordon genannten Test bereits seit 2006 eine europaweite Zulassung. 2010 kam eine EU-Zulassung für einen Kombinationstest beider Signale hinzu: den blitzschnellen Zuckernotruf und das langsamere Troponin. »

» Doch die Vermarktung lief schleppend, was die Diagenics-Chefs unter anderem auf die Marktmacht von Roche zurückführen, die mit Heerscharen von Verkaufsberatern die Kliniken mit einem eigentlich schwächeren Test fluten. Seit einem Jahr hat Roche zudem einen verbesserten TroponinT-Test auf dem Markt, der früher als bisher anschlagen soll. Ihr Test sei besser, halten die Diagenics-Forscher dagegen. Viele Ärzte sind jedoch misstrauisch, weil die Studien des Diagenics-Tests klein waren und nur in unbedeutenden Fachmagazinen erschienen. Die Folge: Der Test wurde nie als neuer Standard anerkannt.

Großer Test

Herzexperte Sabin will das nun in einer groß angelegten Studie ändern: An mehreren europäischen Kliniken wird bei 3000 Patienten getestet, ob der Diagenics-Test hält, was er verspricht.

Einer der Mitforscher, Evangelos Giannitsis von der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg, ist skeptisch: Einige wissenschaftliche Fragen seien noch nicht geklärt. Auch stelle der neue sensitive Troponin-Test von Roche schon eine deutliche Verbesserung dar. Sein Chef und Klinik-Direktor Hugo Katus ist der Erfinder es Troponin-Tests. Wenn sich aber in der Großstudie zeige, dass der neue Biomarker-Test wirklich so früh auf einen Herzinfarkt hinweise, wie Diagenics behauptet, dann sei das eine große Hilfe.

Diagenics hatte seit 2001 ein Europäisches Patent für die Kombination aus seinem frühen Signal und Troponin. Auch Roche bekam ein ähnliches Patent, allerdings Jahre später. Diagenics focht das Roche-Patent an, und es wurde widerrufen. Seit Ende 2010 ist die Rechtslage geklärt.

David gegen Goliath

Für Diagenics-Chef Kapetanovic ist nun endlich der Weg frei. Falls die Großstudie im Laufe des Jahres die erhofften Ergebnisse bringt, sieht er den Test schon in jedem Krankenwagen und neben jedem -Defibrillator in Rathäusern oder Altenheimen liegen. Denn die simpelste Variante als Teststreifen funktioniert mit einem Tropfen Blut so einfach wie ein Schwangerschaftstest mit paar Tropfen Urin.

Auch Kardiologe Sabin ist sicher: „Wenn die Ergebnisse gut sind, werden sich alle großen Diagnostikhersteller um die Patente bemühen.“ Ihm persönlich ist es egal, wer ihn dann vermarktet, er will nur sicherstellen, dass alle Kardiologen ihn nutzen können, um mehr Menschen vor dem Tod durch einen Herzinfarkt zu bewahren.

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