Medizin Hormon als Sonnenschutz

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Wie anorganische Filter die Haut vor Sonnenbrand bewahren Quelle: Grafik: Dieter Duneka

Fachleute bezeichnen den Einsatz dieser Antioxidantien, die etwa in grünem Tee, roten Trauben oder in vielen Gemüsesorten enthalten sind, daher auch als „second defense line“. Auf diese zweite Verteidigungslinie setzen auch viele moderne Sonnenschutzmittel wie etwa Ladival. Haben UV- oder Infrarot-Strahlung den ersten Wall der Filter durchbrochen, wirken weitere Substanzen, um die Zell-DNA zu schützen.

Einen weiteren Hoffnungsträger im Kampf gegen Hautschäden haben die Forscher ausgerechnet bei Bakterien entdeckt, die in Salzwüsten überleben. Um ihre Proteine vor der Zerstörung durch UV und Salz zu bewahren, bilden die Bakterien ein spezielles Schutzmolekül namens Ectoin.

Der Stoff bindet Wasser und legt so einen Schutzfilm um die Eiweißstrukturen. „Amerikanische Wissenschaftler kamen auf die Idee, dass der Film auch Proteine im menschlichen Körper schützen könnte“, sagt Gerhard Stumm vom Ectoin-Hersteller Bitop in Witten. Obwohl die Substanz den Sonnenschutz um rund 15 Prozent verteuert, setzen ihn verschiedene Anbieter – von der Drogerie-Marke Balea bis zur japanischen Edelkosmetik von Shiseido oder Kanebo – in ihren Cremes ein.

Zukunftsmusik: Bakterien-Enzyme

Noch weit vom Einsatz in regulären Produkten entfernt, aber extrem spannend ist die Forschung der Wissenschaftlerin Caroline Kisker vom Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg. Sie untersucht Behandlungsansätze für die sogenannte Mondscheinkrankheit. Menschen, die daran leiden, riskieren Entzündungen oder sogar Krebs, wenn sie sich Tageslicht aussetzen. Bei ihnen versagt das hauteigene Reparatursystem, das sonst Sonnenschäden an der DNA korrigiert.

Um die Folgen zu minimieren, setzt Kisker auf ein Bakterien-Enzym, das defekte DNA-Stränge aufschneidet und so deren Wiederherstellung erleichtert. „Noch ist das alles Grundlagenforschung, aber wenn es uns gelingt, die Wirkung des Enzyms auch auf Menschen anzuwenden, wäre vielen Patienten geholfen.“ Für den normalen Sonnenschutz, so Kisker, wäre das nicht minder reizvoll. Denn dann ließen sich auch bei Sonnenbrand zerstörte DNA-Stränge austauschen, die Haut würde schneller heilen.

Das Rezept für den Sonnenschutz 2020 lautet also vermutlich: Man nehme wirksame anorganische Breitbandfilter für UV-A- und UV-B-Strahlung, mische sie mit Antioxidantien und füge zum Schluss noch etwas Ectoin und einige Bakterien-Enzyme hinzu. Vielleicht noch garniert mit einer Kapsel mit Carotinoiden und Flavonoiden.

Eventuell wäre aber auch die Vision von ADP-Expertin Beate Volkmer bedenkenswert: „Es wäre doch gut, wenn es uns gelingt, das Schönheitsideal der braunen Haut einfach zu verdrängen.“

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