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Medizin Impfung gegen Krebs

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Seither ist auch bei Analysten die Skepsis gewichen; sie sind geradezu begeistert und schätzen das Marktpotenzial der jeweiligen Präparate mitunter bei weit über einer Milliarde Euro Jahresumsatz ein.

Und das ist erst der Anfang: Im Gefolge der beiden Pionier-Präparate wartet eine ganze Flut ähnlicher neuer Krebsimpfungen und Immunverstärker. Dabei sind nicht nur die internationalen Pharmakonzerne wie GlaxoSmithKline oder BMS aktiv auf dem Feld. Die überwiegende Zahl der neuen Hoffnungsträger stammt aus Deutschland, einer traditionellen Hochburg der Immunforschung – etwa von der Darmstädter Merck Serono, den Münchner Firmen Micromet und Trion Pharma oder der Regensburger Antisense Pharma.

Freund oder Feind?

In Tübingen ist sogar eine regelrechte Hochburg entstanden: Dort haben Mitarbeiter des Tübinger Immunologie-Professors Hans-Georg Rammensee gemeinsam mit ihm gleich zwei Unternehmen gegründet, die sich mit Krebsimpfungen beschäftigen: neben Immatics auch das Unternehmen CureVac. An beiden ist SAP-Mitgründer Dietmar Hopp beteiligt.

Die beiden Unternehmen sitzen in angrenzenden Laborräumen in einem Technologiepark, der sich auf einem Höhenzug im Norden Tübingens nicht weit von den naturwissenschaftlichen Fakultäten erstreckt. Von ihrem grauen Neubau haben die Forscher einen weiten Blick über Tübingen und auf die Schwäbische Alb.

Trotz idealer Forschungsbedingungen hat es aber auch in Tübingen von der Immatics-Gründung im Jahr 2000 bis heute gedauert, bis die erste Krebsimpfung Furore machte und nun in die letzte klinische Prüfungsphase vor der Zulassung kommt.

Jahrelang haben die Forscher unterschätzt, dass eine Impfung gegen Krebs anderen Regeln folgt als eine Immuntherapie gegen Krankheiten wie Grippe, Pocken und Masern. Es ist einfacher, die Abwehrzellen auf krank machende Viren oder Bakterien einzuschwören als auf Krebszellen. In einem Fall handelt es sich um Fremdlinge, die ohnehin von den Immunzellen kritisch beäugt werden.

Bei Tumoren jedoch handelt es sich um Zellen des eigenen Körpers, die im Laufe des Lebens Schäden im Erbgut angesammelt haben, sogenannte Gendefekte. Davon ist vor allem ein Selbstmordprogramm betroffen, das defekte Zellen normalerweise in den Tod schickt. Bei Krebszellen ist es abgeschaltet. Die Folge ist, dass sie sich hemmungslos teilen und ungebremst wuchern. Für die Abwehrtruppen des Immunsystems sehen die todbringenden Krebszellen deshalb immer noch vertraut aus. Sie werden nicht attackiert und vernichtet. Überspitzt dargestellt ist es so, als wolle man dem Körper mit einer Impfung beibringen, das rechte Ohr abzustoßen, das linke aber nicht.

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