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Medizinische Vorsorge Gentests im Internet

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Mit sich selbst beschäftigt: Wie der Gentest aus dem Netz funktioniert

Die unterschiedlichen Ergebnisse erklärt Molekularbiologe Venter so: „Die Unternehmen verwenden unterschiedliche Snips für die Risikoberechnung einer Krankheit.“ Nur wenn die Unternehmen sich darauf einigen würden, dass eine bestimmte Punktmutation Vorbote von Diabetes oder Brustkrebs ist, kämen sie zu ähnlichen Ergebnissen. Doch genau darüber, welche Mutationen die beste Aussagekraft haben, herrscht noch Unklarheit.

In Deutschland schreibt ein brandneues, seit Februar gültiges Gendiagnostikgesetz vor, dass eine solche Untersuchung nur von einem Arzt beauftragt werden kann und auch die Ergebnisse ausschließlich an den Arzt zurückgeschickt werden dürfen. Damit soll eine fachärztliche Beurteilung garantiert werden. Diese persönliche Beratung gibt es bei den US-Anbietern nicht. Das neue Gesetz schreibt auch fest, dass Krankenversicherungen und Lebensversicherungen keinen Gentest einfordern dürfen. Hat der Versicherte schon einen Test gemacht, muss er das Ergebnis nicht offenlegen. Lediglich ab einer Versicherungssumme von 300 000 Euro kann die Versicherung eine Bereitstellung fordern.

Das Gesetz blockiert damit zwar deutsche Anbieter. Doch es verbietet deutschen Kunden nicht, das internationale Online-Angebot zu nutzen. Dort boomt das Geschäft. Und unabhängig vom Wert der Prognosen, entwickeln Startups neue Möglichkeiten, um die Daten zu nutzen.

Kaufentscheidung per Smartphone

So hat der amerikanische Ingenieur Andras Pellionisz ein Programm für Smartphones entwickelt, mit dessen Hilfe ein Konsument seine Testergebnisse im Alltag anwenden kann. Wurde einem Kunden ein erhöhtes Risiko für eine Allergie vorausgesagt, warnt der sogenannte Genom-Assistent vor Substanzen in Lebensmitteln und Kosmetika, die schädlich sein könnten. Beim Einkaufen scannt er den Barcode auf den Produkten im Supermarktregal ab. Sekunden später empfiehlt ihm die Software, die Hautcreme zu kaufen – oder nicht. Noch sucht Pellionisz mit seiner Gründung HolGenTech nach einem Industriepartner für die Umsetzung der Idee.

Seine Chancen stehen nicht schlecht, denn Konsumgüterkonzerne zeigen großes Interesse an den Genanalysen ihrer Kunden. Die Idee: Bald könnten sie auf den Produktverpackungen darauf hinweisen, dass ihre Milch oder ihre Bodylotion „genfreundlich“ für einen bestimmten genetischen Typus Mensch ist. Noch effektiver wäre es, über die Testanbieter gezielt Kontakt mit genetisch vorsortierten Kunden aufzunehmen. Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble baute jedenfalls vor und steckte erst im Februar zusammen mit zwei weiteren Investoren 18 Millionen Dollar in den US-Testanbieter Navigenics.

Lästiger Quälgeist

Dass die Unternehmen den eigentlichen Gewinn nicht mit Testkunden machen, diesen Verdacht hat auch 23andMe-Kunde Klein. Der Verkauf der gesammelten Daten – etwa an Pharmaunternehmen, die zur Entwicklung neuer Medikamente auf solche Informationen angewiesen sind – könnte viel lukrativer sein.

Tatsächlich erlebt Klein das vom Internet-Datenstaubsauger Google gesponserte Unternehmen inzwischen als lästigen Quälgeist: Es will Details zu Lebensgewohnheiten, Erkrankungen oder Medikamenten, die er schluckt, erfragen – angeblich, um seinen Test noch besser auswerten zu können. „Ich bekomme laufend E-Mails, ich solle an dieser und jener Umfrage teilnehmen“, berichtet Klein. Was ihn so stutzig macht: „Ich musste vor dem Test unterschreiben, alle Daten dem Unternehmen kostenlos zur Verfügung zu stellen.“

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