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Messe in Las Vegas Consumer Electronics Show: Willkommen im Museum

„Erleben Sie die Kunstwerke der Technologie“ locken die Veranstalter zur Consumer Electronics Show CES, der größten US-Messe für Unterhaltungs- und Heimelektronik.

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Messebesucher spielen

Tatsächlich hat die alljährliche Trendshow in Las Vegas, kurz nach Jahresbeginn, etwas von einer Kollektion der Kunstwerke. Ob Ultraflachfernseher, Haushaltsroboter oder digitales Mikro-Fotoalbum – ähnlich den Show-Cars auf den Automessen in Detroit, Frankfurt oder Tokio findet längst nicht alles, was die Hersteller in der Wüste von Nevada präsentieren, anschließend tatsächlich in der vorgestellten Form den Weg in die Läden. Ob beispielsweise der von Microsoft Gründer Bill Gates auf seiner (letzten) CES-Eröffnungsrede am vergangenen Montag präsentierte Umwelt-Scanner je marktreif wird, ist noch mehr als fraglich.

Immerhin soll das Gerät, so Gates Vision, Dank digitaler Bilderkennung der ihn umgebenden Welt selbstständig seine Postition erkennen und die jeweils zur erkannten Umgebung passenden Informationen aus dem Web laden. Angesichts derlei zukunftsweisender Ideen erscheinen die zahlreichen auf der Messe vorgestellten computerisierten Hausgehilfen bereits erschreckend oder überrasched (je nach Neigung) gegenwärtig. So ist beispielsweise der neue, Rovio genannte, Mikroroboter des Herstellers WowWee bereits nahezu marktreif und kann als fernsteuerbares Wachmaschienchen selbstständig die heimischen vier Wände durchstreifen und die Aufnahmen der eingebauten Kamera via WLAN und Internet auf den PC oder das Mobiltelefon seines Herrchens übertragen. Rund 300 Dollar soll der Spaß kosten, wenn der Rovio voraussichtlich im (Spät-)Sommer in die Läden kommt.

Fliegender Winzling

Weniger praktischen Nutzen als mehr unterhaltende Funktion (immerhin bedeutet der englische Begriff „Consumer Electronics“ auf Deutsch „Unterhaltungselektronik“) hat der Mini-Helikopter „Mosquito MAV“ des kanadischen Herstellers Interactive Toy Concepts. Der fliegende Winzling – nach Herstellerangaben, der kleinste Helikopter der Welt – macht mit seinen nur rund fünf Zentimetern Höhe und zehn Zentimetern Länge bevorzugt den Luftraum in den Wohnzimmern technikverliebter Heimelektroniker unsicher. Alle sieben Minuten aber dürfen sich auch Mitbewohner und tierische Hausgenossen wieder frei bewegen. Dann muss der Digi-Mosquito für fünf Minuten an die Ladestation.

Ein wahrer Winzling, aber mit deutlich mehr Alltagsrelevanz, ist das digitale Mikro-Fotoalbum PhotoSkins des koreanischen Herstellers Emtrance. Im Format einem Ipod nano vergleichbar, fungiert der mit einem der begehrten CES-Innovationspreise ausgezeichnete und rund 150 Dollar teure Winzling als nur 4,5 Millimeter dickes Fotoalbum für die Westentasche.

Das andere Extrem markieren die neuen in Las Vegas präsentierten Megamonitore der Flachbildfernseher. Dabei greift Toshiba einen Trend auf, der sich erstmals im vergangenen Herbst auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin abgezeichnet hat, als Sharp einen TV-Prototypen mit extrem schlanken Rahmen um den Bildschirm präsentiert hat. Bei den neuen nun von Toshiba vorgestellten (Vor-) Seriengeräten, die im April in die Läden kommen sollen, sind die Rahmen nun erstmals auf magere gut zwei Zentimeter zusammengeschrumpft). Positiver Nebeneffekt der schlanken Bauweise. An die Stelle, an die bisher nur ein Fernseher mit 32-Zoll-Display passte, lässt sich nun auch ein (für den Hersteller wegen der besseren Marge deutlich attraktiveres) Gerät mit 37-Zoll-Schirm stellen.

Der optische Eindruck – jedenfalls aus der normalen Entferung – ist im einen wie im anderen Falle beeindruckend. Wären da nicht nicht die Kabel, die den Bildschirm mit Steckdose, Antennenanschluss oder Videorekorder verbinden, die (Fernseh-)Bilder schienen wirklich an der Wand zu hängen. An einer Lösung für das Strippen-Problem arbeitet der Gerätehersteller Westinghouse. Zusammen mit dem Netzwerkexperten Pulse-Link hat er eine neue Technologie entwickelt, mit deren Hilfe sich auch die hochauflösenden HDTV-Bilder schnurlos auf den Fernseher übertragen lassen.

Der TV-Produzent Pioneer, bei Flachfernsehern traditionell der Plasmatechnologie verschrieben, hingegen setzt nicht auf das Fehlen von Kabeln sondern – so sonderbar das im Zusammenhang mit TV- und Videobildern klingen mag - von jeglichem Licht. Tatsächlich nämlich leiden die Flachbildfernseher (Plams noch stärker als die konkurrierende LCD-Technologie) von Anbeginn unter dem Manko, dass schwarze Flächen im Bild nie wirklich schwarz (und damit vergleichsweise kontrastschwach) waren.

Das Problem wollen die Entwickler nun endlich in den Griff bekommen haben. Projekt Kuro – japanisch für „schwarz“ – heißt eine neuartige Monitor-Technologie, die Pioneer auf der CES erstmals der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Noch sind die Demo-Monitore nicht marktreif, aber in einer speziellen, komplett abgedunkelten Präsentationsbox konnten sich die Besucher schon einmal ein Bild davon machen, dass dunkle Bildflächen, auf den Kuro-Monitoren tasächlich erstmals komplett schwarz blieben – und Videobilder wie etwa die vorgeführten Ausschnitte aus dem Reeräuberstreifen „Fluch der Karibik“ in dem komplett abgedunkelten Raum – getreu dem Messemotto – tatsächlich wie eine Art animiertes Kunstwerk in der Luft zu schweben schienen.

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