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Messesplitter Mobile World Congress: Kleine Helfer für unterwegs

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T9 ist vielleicht manch einem ein Begriff. Wer schnell eine Textnachricht in sein Handy tippen will, wird T9 gerne und oft nutzen: Die Technik erkennt Wörter quasi im Voraus und bietet die - meist richtige - Auswahl an. Aus einem eingetippten "B", gefolgt von einem "i" wird beispielsweise automatisch "Bitte". Das System ist lernfähig: auch "Bielefeld" ist natürlich eine Möglichkeit, die gleich abgespeichert wird. In vielen Mobiltelefonen ist T9 integriert. Der Handy-Weltmarktführer Nokia setzt beispielsweise darauf. Motorola hingegen verwendet für seine Geräte überwiegend iTAP - denn die Amerikaner haben das Unternehmen, das iTAP einst kreierte, schon vor einiger Zeit übernommen.

Doch jetzt kann T9 noch mehr. Nuance, der Schöpfer von T9, hat für die Text-Eingabehilfe eine neue Dimension eröffnet. Mit Hilfe des T9 Nav Predictive Search Service wird die Navigation im Menü des eigenen Handys zum Kinderspiel. Hektisches Suchen nach dem richtigen Menüpunkt, um das Handy vor einem wichtigen Meeting etwa lautlos zu schalten, gehören mit der neuen Technik der Vergangenheit an. Einfach "pro ..." eintippen, und die Software zaubert eine Auswahl auf das Display - angefangen von "Profile" (wo man tatsächlich die Einstellung auf den lautlosen Modus vornehmen kann) bis hin zu Programmen. Einfacher geht's wirklich nicht. Bleibt zu hoffen, dass diese Software die Handyhersteller nicht dazu verführt, in ihren Bemühungen nachzulassen, die Benutzerführung übersichtlicher und besser zu gestalten.

Wer häufig im Auto ohne Chauffeur unterwegs ist - und daher beide Hände am Lenkrad haben sollte -, wird eine andere Innovation ebenso zu schätzen wissen. "Voice on the Go" des gleichnamigen Herstellers soll die Verwaltung von E-Mails, Kontakten und des Kalenders im Handy einfacher werden lassen. Natürlich gibt's Sprachsteuerung schon länger. Aber wer hat seinem Handy schon jemals den Befehl gegeben: "Antwort: Treffen heute um 15 Uhr? Bitte um Antwort" - und das mobile Gerät sendet brav eine Mail an den gewünschten Empfänger. Laut Herstellerangaben soll es nicht notwendig sein, die Software vorher einem Training zu unterziehen, damit sie die Befehle auch versteht und richtig interpretiert. Zwar kann man darüber diskutieren, ob eine solche Mail den Regeln der zwischenmenschlichen Höflichkeit entspricht, doch wenn's schnell gehen muss, wird der Empfänger es wahrscheinlich nicht übel nehmen. Sprachgesteuert lassen sich auch Kalendereinträge verwalten oder Anrufe tätigen.

SIM-Karten dürften künftig weit mehr können als bisher. Auf dem "Subscriber Indentity Module" (SIM) sind seit jeher alle wichtigen Nutzerdaten gespeichert. Jetzt sollen die golden Chips im Falle eines Autounfalls schnell und automatisch Hilfe herbeirufen. SIM-Karten einer neuen Generation von Giesecke & Devrient (G&D) machen's möglich. Dabei werden an die Module besondere Anforderungen im Hinblick auf extreme klimatische Bedingungen als auch hohe mechanische Belastung gestellt. Bleibt abzuwarten, wann die Automobilhersteller ihre Karossen mit diesem lebensrettenden Chip ausstatten werden.

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    Das Messegelände in Barcelona Quelle: rtr

    Sicherheitsaspekte stehen auch bei einer anderen Innovation im Vordergrund: dem Secufone. Nicht nur für Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten, sondern auch für ältere Menschen dürfte dieses Mobiltelefon interessant sein. Robust und unzerbrechlich scheint es zu sein und erinnert in seiner Form ein wenig an einen iPAQ, einem ursprünglich von Compaq hergestellten - nach der Übernahme durch Hewlett-Packard (HP) von HP vermarkteten - Organizer. "Wir können die Firmware jederzeit und schnell auf Kundenwunsch ändern", erläutert Secufone-Chef Marcel ter Ellen.

    So kann der schweizerische Hersteller programmieren, dass sich der Nutzer beispielsweise alle halbe Stunde per Tastendruck melden muss. Tut er dies nicht, löst das Gerät automatisch Alarm aus. Verschiedene Anwendungen seien denkbar, meint der Niederländer. Auch für ältere Menschen sei das Secufone ideal. Es ruft Hilfe, wenn der Nutzer gestürzt ist, ermöglicht die einfache Anwahl von Telefonnummern mittels Bildern oder großer Tasten auf dem Display. Dennoch hätten die großen Netzbetreiber kein Interesse daran, das Gerät zu verkaufen. "Denen geht es bloß um Stückzahlen", sagt ter Ellen. Und die seien mit dem Secufone (noch) nicht zu erzielen. Für das laufende Jahr peilt der Manager den Verkauf von 10.000 Stück an.

    Da setzen MobiMate und Pocket Express auf den Absatz größerer Stückzahlen. Die Software beider Unternehmen - WorldMate und Pocket Express - soll es vor allem Geschäftsleuten einfacher machen, unterwegs immer gut informiert zu sein. WorldMate bietet Informationen über Wetter, Umrechnungskurse und Flugbuchungen, Pocket Express erweitert das Portfolio um aktuelle Nachrichten, Stadtpläne und Spiele (auch Manager müssen ja mal abschalten). Beide Programme erweisen sich im Alltag als äußerst nützlich, wenn sich auch Pocket Express bislang auf englischsprachige Nutzer konzentriert. Dies soll sich nach Aussage des zuständigen Produktmanagers jedoch bald ändern: "Der deutsche Markt ist für uns sehr wichtig."

    Comverse, ein B2B-Unternehmen aus Israel, ist dagegen vollkommen global ausgerichtet. Die Firma setzt auf mobile Werbung, die künftig die Telekommunikation unterwegs stark verändern dürfte. Doch Klaus Rohn, zuständig für Mitteleuropa, plaudert auf dem Mobile World Congress in Barcelona ein wenig aus dem Nähkästchen: Von Comverse stammt nämlich die Technik der "Visual Voicemail", die Apple-Chef Steve Jobs erfolgreich im iPhone integriert hat. Kein Netzbetreiber habe diese nutzerfreundliche Erfindung damals haben wollen, erinnert sich Rohn. Comverse mottete die Technik darauf ein. Rohn: "Die Zeit dafür war noch nicht reif." Inzwischen kommen immer mehr Mobilfunkanbieter auf den Gedanken, den mobilen Anrufbeantworter für ihre Kunden noch besser machen zu wollen. "Visual Voicemail" ermöglicht es dem Nutzer, die Sprachnachrichten, die Anrufer hinterlassen haben, als Liste auf dem Mobiltelefon angezeigt zu bekommen. Aus dieser Liste kann man dann diejenigen Voicemails auswählen, die besonders wichtig sind - und zuerst anhören.

    Keine "Visual Voicemail", sondern eine schlichte SMS der Fluggesellschaft mit Check-in-Aufforderung erinnert daran, dass der Rückflug ins heimische Düsseldorf ansteht. Die Mobilfunkbranche hat nach Jahren des technischen Wettrüstens den Menschen entdeckt, der ihre Handys in der Hand hält. Das iPhone hat sich als Katalysator erwiesen: Die Anbieter setzen nicht mehr auf bloße Technikverliebtheit, sondern bemühen sich um Dienste, die dem Anweder das Leben einfacher machen. Zwischenmenschliche Kommunikation findet zunehmend nicht mehr nur direkt, sondern viel häufiger mittelbar statt.: per Telefon, E-Mail oder Chat. Hier hat der Branchentreff in Barcelona wichtige Impulse gegeben. Vier Tage lang haben die Aussteller auf der Messe in der spanischen Metropole technische Innovationen präsentiert. Doch die Branche scheint eins begriffen zu haben: Der Anwender - der Mensch - muss im Vordergrund stehen.

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