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Mobilfunk-Trends Newsticker Mobile World Congress

Der amerikanische Technologiekonzern Motorola will seine Handysparte definitiv behalten, der Netzwerkhersteller Nokia Siemens Networks (NSN) macht sich keine Sorgen über die schwächelnde Weltkonjunktur. Lesen Sie hier die neusten Trends der Mobilfunkbranche auf dem Mobile World Congress in Barcelona.

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Eine Frau zeigt Mobiltelefone Quelle: AP

Der amerikanische Technologiekonzern Motorola hat einen Verkauf seiner Handy-Sparte ausgeschlossen. „Motorola wird an seinem Mobilfunkgeschäft festhalten“, sagte Vorstandschef Gregory Brown auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Die Sparte war zuletzt in die Verlustzone gerutscht, vor allem da kein Nachfolger für den Verkaufsschlager „Razr“ gefunden worden war. Mit massiven Einsparungen und neuen Handy-Modellen will Brown den Bereich auf die Erfolgsspur zurückbringen. „Wir werden das Geschäft nach vorne bringen“, sagte er. Der US-Konzern ist der drittgrößte Handy-Hersteller nach Nokia und Samsung. Der Motorola-Chef äußerte sich nicht zu Spekulationen, wonach das Unternehmen einen Teil seines Netzwerk-Geschäfts mit dem Konkurrenten Nortel bündeln will.

Der Netzwerkhersteller Nokia Siemens Networks (NSN) sieht keine Signale für eine erlahmende Konjunktur. „Kein einziger Kunde hat sich bisher irgendwelchen Konsequenzen gegenüber gesehen“, sagte NSN-Chef Simon Beresford-Wylie in einem Interview mit der Nachrichten-Agentur Reuters. „Die Nachfrage bei den Betreibern ist ziemlich gut. Und wenn es gut für die Betreiber ist, dann ist es gut für uns“, sagte der Chef des Gemeinschaftsunternehmens von Siemens und der finnischen Nokia. Zuvor hatte er allerdings auf einer Pressekonferenz am Rande einer Branchenmesse in Barcelona eingeräumt, eine Belebung des Markts für Telefon- und Datennetze sei in nächster Zeit auch nicht in Sicht. NSN sei dabei, wie geplant ab 2009 jährlich rund zwei Milliarden Euro einzusparen. Das ökonomische Umfeld beobachte NSN genau.

Die führenden Telekom-Ausrüster wollen der Abkühlung der Weltkonjunktur trotzen. Treiber soll die zunehmende Nutzung von Breitband-Diensten wie Handy-TV sein, die eine Aufrüstung der Netze erforderlich macht. „Für 2008 erwartet Ericsson den Bau neuer HSPA-Netzwerke in Südamerika, dem Nahen Osten, Afrika und Russland“, sagte Ericsson-Chef Carl-Erik Svanberg auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona. Europa zeige, dass die Nutzung dieser schnellen Mobilfunknetze deutlich anziehe. Svanberg verspricht sich von der Ausbreitung von Multimedia-Diensten eine deutlich höhere Datennutzung. Diese werde in den kommenden Jahren um ein Vielfaches steigen, sagte er. Mit der höheren Nutzung müssten die Netze aufgerüstet werden. Zur kommenden Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika baut Ericsson für den Fußball-Weltverband FIFA eine Plattform für Handy-TV-Übertragungen auf, wie Svanberg mitteilte. Sportveranstaltungen gelten als eine Art Türöffner fürs mobile Fernsehen.

Ericsson-Wettbewerber Alcatel-Lucent hatte am vergangenen Freitag vor negativen Auswirkungen durch die Abkühlung der Weltwirtschaft gewarnt. Auch Ericsson hatte die Investoren mit einer verhalten Prognose für das laufende Jahr verunsichert. Für 2008 rechnet der Weltmarktführer mit einer Stagnation der Branche. Zurückhaltend zeigte sich nun auch Nokia Siemens Networks (NSN). Vorstandschef Simon Beresford-Wylie wiederholte zwar die Prognose, wonach der branchenweite Umsatz 2008 leicht steigen soll, zugleich kündigte er aber eine Überprüfung der Erwartung an.

Nach Einschätzung von Experten könnte die Branche stärker belastet werden als bislang angekündigt. „Wir erwarten, dass die Branche keine Umsatzzuwächse verzeichnen wird“, sagte Martin Gutberlet, Analyst bei der Marktforschungsgesellschaft Gartner. Beresford-Wylie verwies hingegen darauf, dass die Telekomkonzerne finanziell gut ausgestattet seien. Allerdings hatte zuletzt das US-Schwergewicht AT&T gewarnt, dass das Festnetzgeschäft durch die Wirtschaftsflaute beeinträchtigt werde.

Als weiterer wichtiger Markt gilt der Bau neuer Mobilfunknetze in Schwellenländern wie Indien und China. NSN verfügt in Asien über eine starke Stellung und hat in den vergangenen Monaten Großaufträge etwa aus Saudi-Arabien erhalten. NSN-Chef Beresford-Wylie bekräftigt, sein Unternehmen wolle im laufenden Jahr erneut schneller wachsen als die Konkurrenz.

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    Die europäischen Telekomausrüster sehen sich seit einiger Zeit einem harten Preiskampf durch asiatische Wettbewerber ausgesetzt. So bauen etwa die chinesischen Huawei und ZTE ihre Marktstellung aus. Sein Selbstvertrauen demonstrierte Huawei in Barcelona. Der Stand der Chinesen gehört zu den größten auf dem Mobile World Congress. Die Ausrüsterbranche hat in den vergangenen beiden Jahren eine umfassende Konsolidierungsphase durchlaufen, die nach Einschätzung von Experten nicht abgeschlossen ist. Laut einem Medienbericht wollen nun die nordamerikanischen Konzerne Motorola und Nortel Teile ihres Ausrüstergeschäfts bündeln und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.

    Der weltweit führende Handy-Hersteller Nokia will seine neuen Mobiltelefone mit der größten Internet-Suchmaschine Google ausrüsten. Wie Nokia am Dienstag auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona und in Helsinki mitteilte, soll Google zunächst bei einigen neuen Modellen sowie auch nur „auf ausgewählten Märkten“ in die Suchfunktionen integriert werden. Langfristiges Ziel sei aber die Ausrüstung aller internetfähigen Modelle mit Google. Nokia teilte in Barcelona auch mit, dass mit dem US-Anbieter Facebook über eine Zusammenarbeit beim Networking über Handy verhandelt werde.

    Der Mobilfunkanbieter O2 will sein Netz bis Ende kommenden Jahres massiv ausbauen. Geplant sei eine nahezu flächendeckende Abdeckung, teilte die Tochter der spanischen Telefónica mit. O2 greift bislang als viertgrößter Mobilfunkanbieter auf das Netz der Deutschen Telekom zurück, um seinen Kunden bundesweit Zugang zum Handy-Netz zu ermöglichen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr Investitionen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro in die Erweiterung seiner Mobilfunk- und Festnetz-Infrastruktur angekündigt. „Der Netzausbau ist ein wichtiger Schritt, um unsere Marktposition weiter auszubauen. Mittelfristig wollen wir zu den Marktführern aufschließen“, sagte Jaime Smith Basterra, Chef von O2 Deutschland. Mit der Erweiterung des Netzes für den schnellen Datendienst UMTS will die Gesellschaft zudem die Grundlage für den Ausbau ihrer Position bei Geschäftskunden schaffen.

    Der südkoreanische Handyhersteller LG Electronics will seinen Handy-Absatz in diesem Jahr um ein Viertel steigern. Angepeilt werde die Marke von mehr als 100 Millionen verkauften Geräten weltweit, teilte das Unternehmen in Barcelona mit. Im vergangenen Jahr war der Absatz um 27 Prozent auf 80,5 Millionen Einheiten gestiegen. In Europa wollen die Südkoreaner 13,5 Millionen Geräte verkaufen nach 9,8 Millionen im vergangenen Jahr. Für Wachstum sollen unter anderem neue Multimedia-Handys sorgen. Das LG-KF700 beispielsweise bietet ähnlich wie das iPhone von Apple einen großen Touchscreen. Hinzu kommen Hochgeschwindigkeitsanschluss, MP3-Player und eine 3- Megapixel-Kamera.

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