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Mobilfunk Vom eigenen Handy ausspioniert

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Von Musigeschmack, bis zum Adressbuch Quelle: Getty Images

Parallel dazu bietet die anhaltende Flut neuer Handyprogramme, der sogenannten Apps, ganz neue Wege, Werbebotschaften aufs Telefon zu spielen. Immer öfter integrieren Entwickler von Handyprogrammen Werbebanner direkt in ihre Software, beispielsweise beim Trinkgeldrechner Tiptitude oder beim Mehrwertsteuerrechner VAT Calculator. Wichtigster Techniktrend aber ist, dass schon jetzt in rund 15 Prozent aller Mobiltelefone Europas Chips stecken, die per Navigationssatellit den Standort ihrer Besitzer bestimmen. Der schwedische Marktforscher Berg Insight erwartet, dass der Anteil von Navi-Handys in drei Jahren 50 Prozent erreicht.

Profiteure der Entwicklung sind die Werbevermarkter. Sie erfahren dank der verräterischen Handyprogramme mehr über den Nutzer als je zuvor, und vor allem mehr als sich die meisten Kunden ausmalen: Im Smartphone-Zeitalter wissen Marketiers genau, wo sich der Nutzer aufhält, welches Telefon er besitzt, bei welchem Netzbetreiber er seine Rechnung zahlt, sogar, für was er sich interessiert. 

Aus den Bewegungsprofilen der Nutzer können die Werber ableiten, wo die Kunden arbeiten, in welchen Supermärkten sie einkaufen und wo sie wohnen. Mit diesen Informationen, können sie in etwa abschätzen, wie viel sie verdienen. Wie die Unternehmen das tun? Sie nehmen das Durchschnittseinkommen des Ortes, an dem sich der Kunde nachts aufhält.

Mobile Werbung sei ätzend

Für die Werbebranche entsteht damit ein Milliardenmarkt. Insidern ist klar: Die Entwicklung kann selbst die aufkommende Debatte um die Privatsphäre der Nutzer nicht aufhalten. Werbeexperten wie Sascha Jansen von der weltgrößten Marketingdienstleistungsgruppe Omnicom betrachten vor allem den Einstieg des Computerbauers Apple in die mobile Werbung als Initialzündung für die junge Branche. Anfang April hatte Apple-Chef Steve Jobs ein eigenes Vermarktungsnetzwerk für Handywerbung namens iAd angekündigt und geschimpft: Bisher sei die meiste mobile Werbung ätzend. Jobs meint damit vor allem solch billig anmutende Reklame für Abzocksoftware wie den angeblichen Nacktscanner von Jamba.

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Standort erkennen

    Seither bebt der Markt. Selbst der Kauf des Handywerbeunternehmens AdMob durch den Suchmaschinenriesen Google für 750 Millionen Dollar hatte im vergangenen Jahr keine solchen Wellen geschlagen. Inzwischen befinden sich Google und Apple im Grabenkrieg um die Branche. Denn auch Google betrachtet mobile Werbung als lukrativen Zukunftsmarkt.

    Völlig zu Recht. Markenunternehmen griffen tief in die Taschen, um am 1. Juli die Ersten zu sein, die per iAd Werbung auf iPhone und iPad schalten. Stattliche zehn Millionen Dollar Mindestbudget verlangt Apple von ihnen. Selbst wer erst in ein paar Monaten auf iPhones und iPads werben will, muss noch eine Million Dollar aufbringen. Solche Preise zahlen unter anderem der Konsumgüterkonzern Unilever, der US-Versandriese Sears und die Autobauer Volvo und Nissan.

    Die Marktforschungsfirma Gartner schätzt, dass 2009 rund um den Globus nur 600 Millionen Dollar mit mobiler Werbung umgesetzt wurden. Doch laut Gartner könne der Umsatz bis 2013 auf mehr als sieben Milliarden Dollar steigen.

    Die Softwareentwickler, die Werbeflächen der Vermarkter in ihre Apps integrieren, werden von Apples iAd, Googles AdMob oder anderen Vermarktern an den Werbeeinnahmen beteiligt. Üblicherweise bekommen sie 60 Prozent, 40 Prozent kassiert der Vermarkter. Die Apps sind es denn auch, die das Wachstum der Mobilwerbung treiben werden. Mehr als 200 000 solcher Miniprogramme gibt es allein fürs iPhone, Zehntausende für Geräte mit Googles Android-Betriebssystem oder Handys des von Hewlett-Packard gekauften Handheld-Pioniers Palm. Milliardenfach laufen die Programme auf den Smartphones.

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