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Mobilfunk Vom eigenen Handy ausspioniert

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Ein iPhone liegt auf einem Quelle: dpa

So verwundert es kaum, dass Apple und Google erbittert um Marktanteile in dem neuen Werbemarkt ringen. Begonnen hat die Kraftprobe im Herbst letzten Jahres. Beide Konzerne lieferten sich einen Bieterwettstreit um das US-Startup AdMob. Google gewann. Apple musste sich mit dem weniger attraktiven Werbeunternehmen Quattro Wireless begnügen, das der Konzern zu iAd umbaute.

Apple revanchierte sich in den Geschäftsbedingungen für das soeben veröffentlichte Handybetriebssystem iOS4: Der Konzern verbietet Vermarktern, die Tochter eines anderen Handyherstellers sind, auf die wichtigen Ortungsdaten des iPhones zuzugreifen. Die aber sind notwendig, um Nutzern personalisierte Werbung senden zu können. Damit ist Konkurrent Google mit seinem Werbeableger AdMob praktisch nicht wettbewerbsfähig auf Apple-Geräten.

Mit solchen Sticheleien ziehen Google und Apple derzeit zwar nahezu alle Aufmerksamkeit auf sich. Doch die zwei Konzerne sind bei Weitem nicht die einzigen Mitspieler der Branche. Eine ganze Reihe Handywerbe-Startups sind in den letzten fünf Jahren entstanden. Im südindischen Bangalore etwa hat Internet-Unternehmer Naveen Tewari mithilfe der US-Wagniskapitalfirma Kleiner Perkins den derzeit wohl härtesten Konkurrenten für Apple und Google ins Leben gerufen. Das Unternehmen InMobi ist heute Asiens Marktführer bei mobiler Werbung, versucht gerade in Europa und den USA Fuß zu fassen.

Sorge um Datenschutz

Technisch unterscheidet sich InMobi wenig von Apples und Googles Handywerbetöchtern. Auch die Inder schließen Verträge mit App-Programmierern, damit diese die Werbeplattform integrieren. Auf den Inhalt der Werbefenster hat der App-Entwickler dann keinen Einfluss mehr. Eine Software des Vermarkters liest Daten wie den Handystandort aus, übermittelt sie an ferne Server. Die entscheiden, welche Reklame auf dem Handy angezeigt wird.

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    Im Mai registrierte InMobi weltweit 17 Milliarden Anzeigenaufrufe – mehr als doppelt so viele wie im Januar. Damit lag das Unternehmen nur noch knapp hinter der Google-Tochter AdMob, die es auf 18 Milliarden Aufrufe brachte.

    In Europa tummelt sich inzwischen rund ein Dutzend Vermarkter für mobile Werbung. Darunter sind auch deutsche Unternehmen wie Smaato und Madvertise. Smaato bringt es derzeit auf sieben Milliarden Anzeigenaufrufe, vor allem weil das Unternehmen als Nischenspieler auftritt. Vermarkter wie Googles AdMob oder InMobi geben einen Teil ihrer Werbeanzeigen an Smaato ab, weil die Deutschen sie bei App-Entwicklern platzieren können, die sie nicht selbst unter Vertrag haben. Die Riesen können so noch mehr Werbeempfänger erreichen.

    Allerdings hat die Branche auch noch einiges an Arbeit vor sich: „Wir müssen experimentieren und auch mal Fehler machen“, sagt Smaato-Chef Harald Neidhardt. Damit meint er die in dem Zusammenhang lauter werdende Diskussion um Privatsphäre. Da müsse die Branche die Grenzen ausloten, gleichzeitig den Menschen klarmachen: „Wer mehr über sich preisgibt, bekommt auch nützlichere Werbung“, wirbt der Smaato-Chef. Auf Geotargeting verzichten will aber niemand.

    So werden die Werber in den nächsten Monaten einige Fragen beantworten müssen: Denn über das iPhone können sie auf sehr intime Nutzerdaten zugreifen, herausfinden, welche Musik der Nutzer hört, wen er in seinen Adressbüchern führt, welche Internet-Seiten er angesehen hat, selbst, für welche Aktien er sich interessiert.

    Schützen kann sich der Nutzer gegen die Datensammelwut nur durch Totalverweigerung. Wer aber die Vorteile der Smartphones und ihrer – oft kostenlosen – Apps nutzen will, muss bestimmte persönliche Daten freigeben. Dies gilt besonders für Programme. Denkbar sind künftig sogar Telefontarife, die billiger sind, wenn der Kunde viel über sich verrät.

    Bislang kann keiner genau sagen, welche Daten die Unternehmen nutzen, speichern, weiterreichen. Klar ist nur, was möglich ist, werden sie wohl versuchen. Das New Yorker Startup Sense Networks etwa sammelt und analysiert die Positionsdaten von Millionen Handynutzern in den USA. Menschen werden auf kleine Punkte reduziert, die sich durch die Schluchten amerikanischer Großstädte bewegen. Die Bewegungsprofile der Mobilfunkanbieter mischt das Unternehmen mit sozioökonomischen Daten. So weiß Sense, wo Studenten abends feiern und wo Arbeitslose den Tag verbringen.

    Damit zeichnet Sense eine Landkarte der Realität. Wer ein Restaurant besucht, zeigt: Dieser Ort ist relevant für Menschen, die ähnlich sind wie ich. Sie erhalten dann Empfehlungen, etwa über das Handyprogramm Citysense, das gerade in San Francisco getestet wird. Damit erfahren Kunden am Handy, welche Kinos, Bars und Restaurants gut besucht sind, wo Menschen mit ähnlichen Interessen tanzen.

    Die Spione sind uns näher, als wir glauben: Hamburgs Flughafen wertet seit Kurzem mithilfe der Handyprofile das Verhalten und die Interessen der Reisenden im Airport aus. Eine spezielle Software analysiert anhand der Bewegungen von Mobiltelefonen mit aktiviertem Bluetooth-Funkchip auf den Meter genau, wo sich die Besucher gerade aufhalten, ob sie nach der Sicherheitskontrolle direkt zum Flugsteig gehen oder durch die Shops schlendern. Der Nutzer merkt von all dem nichts.

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