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Mobilität Neue Konzepte gegen den Verkehrskollaps

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Personal Rapid Transport System von Fairwood Quelle: Fairwood

Das britische Unternehmen Ultra glaubt, mit seinen fahrerlosen Taxis für das indische Amritsar eine schlauere Lösung gefunden zu haben. Mit dem indischen Beratungsunternehmen Fairwood plant das Startup eine acht Kilometer lange Strecke auf dreieinhalb Meter hohen Stelzen, auf der 300 Kabinen pendeln. An sieben Stationen sollen sie Passagiere aufsammlen und pro Stunde 6000 Fahrgäste bewegen, rund 35 Millionen pro Jahr. Vorbei an Staus, Ampeln und Unfällen.

Die Kabinen bewegen sich auf ihrer Stelzen-Strecke ähnlich wie Daten im Internet: immer nur dann, wenn sie tatsächlich gebraucht werden, und immer auf dem schnellsten Weg. Damit sollen sie 70 Prozent weniger Energie pro Person und Kilometer verbrauchen als ein Auto und rund halb so viel wie ein Bus. Sogar die Bau- und Betriebskosten sollen deutlich unter denen anderer öffentlicher Verkehrsmittel liegen. Auf einer Vier-Kilometer-Strecke am Londoner Flughafen Heathrow wird das System schon getestet.

Von einem Zentralrechner gesteuert, treten die mit Akku und Elektromotor betriebenen Kabinen an speziellen Haltestellen automatisch zum Dienst an. Die Passagiere geben an einem Terminal das Fahrtziel ein, halten ihr zuvor gekauftes Ticket unter ein Lesegerät und steigen ein. Nach wenigen Sekunden geht die Fahrt los.

Selbstfahrende Taxis

Auf dem zwei Meter breiten Fahrweg – 30 Prozent schmaler als eine Straßenspur – fahren die Kabinen im dichten Abstand von zwei bis drei Sekunden. Unfälle soll ein Computersystem vermeiden, das die Kabinen rechtzeitig bremst. Im ausgebauten Zustand gleicht das Schienensystem einem intelligenten Netzwerk mit Abzweigungen, Umleitungen und Haltebuchten. Wenn gewünscht, docken die automatischen Taxis sogar im fünften Stock einer Shoppingmall an.

"Indien ist der ideale Markt", sagt Ultra-Geschäftsführer Phil Smith. Das gelte nicht nur für die neu entstehenden Millionenstädte auf dem Subkontinent. "Die Technik ist so gut, dass sie auch in den bestehenden Riesenstädten das Verkehrschaos lichten kann." Weltweit gebe es laut Smith noch mehr als ein Dutzend weiterer Interessenten für die fahrerlosen Taxis, sowohl in Indien als auch in den USA, Schweden und Großbritannien.

Obwohl sich die Fahrwege der superleichten Fahrzeuge auf dünnen Pfeilern bauen lassen, bieten enge Straßenschluchten mitunter zu wenig Platz für die neue Technik. Darum testet die spanische Provinz Castellón eine Mischform zwischen automatisiertem und manuellem Fahren.

Volvo testet Zukunftstechnik

Dort pendeln High-Tech-Busse mit abgasfreiem Elektroantrieb zwischen der Universität und dem Stadtzentrum auf zwei eigens eingerichteten Spuren von mehr als 40 Kilometer Länge. Die elektrisch betriebenen Busse haben zwar noch einen Fahrer, doch auf der Busspur lenkt, bremst und beschleunigt das Fahrzeug automatisch. Mithilfe von Sensoren und Kameras bleibt es auf seiner Spur. Nur an Kreuzungen mit herkömmlichen Fahrzeugen muss der Fahrer übernehmen.

Was aber, wenn Menschen nicht auf das Statussymbol Auto verzichten können oder wollen, der Verkehr aber dennoch  effizienter organisiert werden soll?

Die Entwickler des EU-geförderten Projekts Sartre – die Abkürzung steht für "Safe Road Trains for Environment" – haben eine Lösung: Fahrzeuge sollen mit Funktechnik während der Fahrt zu festen Kolonnen aneinandergekoppelt werden. Bordeigene Computer steuern, bremsen, und beschleunigen.

Ihren ersten Test hat die Technik vor wenigen Tagen auf der hauseigenen Versuchsstrecke in Göteborg beim Autohersteller Volvo erfolgreich absolviert. Dabei fuhren zwei Autos mithilfe von Fahrassistenzsystemen völlig automatisch hintereinander her. Sie kommunizierten über Radiowellen mit dem Führungsfahrzeug: Wenn dessen Fahrer beschleunigte, gaben die Verfolger Gas. Bremste er ab, taten sie das Gleiche. Ohne Zeitverzug.

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