WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

50 Ideen für eine bessere Welt Visionäre Mobile für Megacitys

Im Jahr 2050 leben nach Schätzung der Vereinten Nationen 6,4 Milliarden Menschen in Städten – das sind dann 70 Prozent der Weltbevölkerung. Damit die Metropolen nicht an Verkehr und Abgasen ersticken, entwickeln Stadtplaner, Forscher und Unternehmen neue Konzepte, den Verkehrsinfarkt abzuwenden und den Energiehunger der Megacitys zu zügeln: von fliegenden Autos bis zu Gebäuden, die sich selbst mit Strom und Wärme versorgen.

Verkehrsmittel der Zukunft
In der Stadt von Morgen wird es keine festen Wege mehr für Autos, Radfahrer und Fußgänger geben. Alle Verkehrsteilnehmer werden sich künftig flexibel einen Weg durch die Stadt suchen – das glauben zumindest Forscher, die sich mit Städten der Zukunft befassen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In den künftigen Megacities muss es gelingen auf gleichem Raum mehr Menschen zu transportieren. Indische Städte wie Delhi und Gurgaon planen Roboter-Taxis einzuführen. Die computergesteuerten Kabinen für vier bis sechs Personen warten an Haltestellen auf ihre Fahrgäste. Per Lasertechnik werden die Kabinen durch die Stadt gelotst, die Haltestellen können dann je nach Bedarf angesteuert werden – getrennt vom restlichen Verkehr. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Jakarta bringt ein Zug namens Aeromovel die Fahrgäste ohne Lärm und Abgase ans Ziel – angetrieben von Druckluft. Die Erfindung neuer Transportmittel, die ohne Kraftstoff auskommen wird in Zukunft immer wichtiger werden.  Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Medellin befördern seit 2004 Seilbahnen Passagiere umweltfreundlich durch die Stadt. Die ersten europäischen Städte ziehen nun nach. Seilbahnen sollen künftig auch in London und Hamburg sowohl CO2 als auch Platz sparen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In São Paulo kommen auf rund 19 Millionen Einwohner etwa sieben Millionen Autos. Städte wie Istanbul, Bogotá oder Santiago de Chile ersetzen Autospuren durch Schnellbuslinien. Auf diesen Bus Rapid Transits rollen Riesenbusse im Minutentakt an allen Staus vorbei. 900 000 Istanbuler nutzen solche Busse bereits Tag für Tag. Weitere 80 Städte wollen nachziehen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Nicht nur Menschen müssen zukünftig Platz- und Ressourcen sparend durch die Stadt transportiert werden. Gerade der Schwerlastverkehr mit Lastwagen gehört zu den größten Luftverschmutzern. In Bochum setzt das Unternehmen CargoCap daher auf computergesteuerte Kapseln, die Paletten durch Rohe unter der Erde ans Ziel bringen. Eine oberirdische Teststrecke gibt es in Bochum bereits. Die Kosten für dieses System: geringer als der Bau einer Autobahn. Laut CargoCap kostet eine Röhre mit zwei Fahrsträngen pro Kilometer 6,4 Millionen Euro, ein Kilometer Autobahn in Deutschland das Vielfache. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Zukunft werden auch platzsparende Autos gefragt sein. Eine Antwort darauf könnte das Hiriko-Citycar geben. Den Elektrozweisitzer entwickelten Forscher am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology. Das Auto lässt sich zum Parken einfach zusammenklappen und benötigt nur ein Drittel der Standfläche eines Smarts. Im Jahr 2013 sollen 20 Modelle auf den Markt kommen, so die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Auch andere Ideen sorgen für Aufsehen… Illustration: Javier Martinez Zarracina

Paketdienst mit Dreiradflotte

In Paris kommt die Logistikrevolution im blauen Touristengefährt daher. Mit den Dreirädern mit Rückbank steuern die Fahrer normalerweise Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm an. Neuerdings transportieren acht der kleinen Elektroflitzer auch Pakete und Waren. Sie sind Teil des Projekts Distripolis, mit dem das Unternehmen Geodis – eine Tochter des staatlichen Bahnkonzerns SNCF – die Warenströme in Großstädten umkrempeln will.

Die Idee stammt von Geodis-Chef Pierre Blayau: Statt eines zentralen Warenlagers, von wo aus Lastwagen durch die Stadt rumpeln, gibt es viele kleine Lager. Von diesen Stationen schwärmen die Dreiräder und Transporter in einem Radius von wenigen Kilometern aus. Bis 2015 sollen in Paris acht Stationen mit 56 Dreirädern und 75 Transportern mit Hybridantrieb ausgerüstet sein. Sie verteilen dann täglich 200 Tonnen Güter. Und das umweltfreundlich.

Denn Geodis benötigt 20 Prozent weniger Fahrzeuge als herkömmliche Konzepte und verursacht 85 Prozent weniger Klimagase. Der Grund: Die zahlreichen Verteilpunkte verkürzen die Wege, und die Auslastung der Fahrzeuge ist größer. Kürzlich startete Distripolis in Straßburg, weitere 30 europäische Städte folgen.

Aber nicht nur beim Warenverkehr gehen Städte neue Wege. Auch den Personenverkehr krempeln sie um. Denn der verursacht weltweit zehn Prozent der C02-Emissionen. Besonders die wachsenden Megacitys in Asien verschärfen das Problem. Singapur will es mit einem revolutionären Konzept lösen: fünf Millionen Einwohner auf engstem Raum, eine bestens ausgebaute Infrastruktur und immer mehr Fahrzeuge. „Singapur ist ein ideales Testfeld für urbane Mobilitätskonzepte“, sagt Hock Beng Lim, Verkehrsforscher an der Universität Nanyang in Singapur.

Prototypen des elektrischen dreirädrigen AUtos Quelle: AP

Zuallererst versucht die Stadt, den Individualverkehr über den Preis zu reduzieren. City-Maut, Berechtigungszertifikate und Steuern verteuern Autos enorm. Alleine die Erlaubnis, ein Auto kaufen zu dürfen, kostete 2011 fast 30 000 Euro. Alternativ hat Singapur ein Personennahverkehrssystem mit eigenen Schnellbusspuren und einer Metro mit klimatisierten Züge aufgebaut. „Wir werden in Singapur eine Verschmelzung des privaten und öffentlichen Verkehrs erleben“, sagt Lim. Eine Flotte energieeffizienter Fahrzeuge nach Art des Segways könnte für U-Bahn-Pendler eine attraktive Lösung darstellen, um die letzten paar Hundert Meter bis zu ihrem Ziel zu überbrücken. Regelmäßige Befragungen der Kunden des öffentlichen Nahverkehrs zeigen heute, dass mehr als 90 Prozent der Nutzer mit dem System zufrieden sind.

Für den Singapurer Verkehrsforscher Lim ist jedenfalls klar, dass urbane Mobilität ohne mitdenkende Infrastruktur in Zukunft nicht funktioniert. Lim möchte deshalb verstärkt die weitverbreiteten Smartphones nutzen: „Für eine effektive Stadtplanung brauchen wir mehr Daten über Verkehr, Fußwege und Wartezeiten.“ Am liebsten würde Lim sogar schnell wissen, wenn jemand darüber frustriert ist, dass er im Bus keinen Sitzplatz bekommen hat.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%