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918 Spyder Dieser Porsche kombiniert das Beste aus zwei Welten

Der Porsche 918 Spyder treibt den technischen Aufwand beim Hybridantrieb auf die Spitze. Das Ergebnis ist ein Supersportwagen mit sensationellen Werten – auch beim Verbrauch.

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In Kriegsbemalung: Porsche 918 Spyder mit Weissach-Paket und im Salzburg Racing Design. Quelle: Presse

Timo Kluck ist seit mehr als zehn Jahren Profi-Rennfahrer. Seine Karriere schmücken zahlreiche Titel, in der Formel 2 und bei Tourenwagenrennen, die rund 21 Kilometer lange Nordschleife des Nürburgrings bewältigt er in etwas mehr als sieben Minuten. Dennoch habe ich auf dem Circuit Ricardo Tormo, der Rennstrecke in der Nähe von Valencia, keine Mühe, dem Porsche-Testpiloten auf den Fersen zu bleiben. Im Gegenteil: Während er am Ende der Zielgeraden sichtlich mit Steuer und Bremspedal kämpfen muss, schießt mein Wagen deutlich ruhiger in die Linkskurve. Zudem beschleunigt er wesentlich besser.

Was Kluck mir an Erfahrung voraus hat, mache ich durch die Technik meines Wagens wett: Gegen die geballte Kraft von drei Motoren im neuen Porsche 918 Spyder hat sein Porsche 911 GT3 keine Chance. Mit bis zu 887 PS kann der 918 Spyder nicht nur fast doppelt so viele Pferdestärken mobilisieren wie die Rennsportversion des Elfer. Er beschleunigt auch dramatisch schneller: Tempo 200 liegt hier nach kaum mehr als sieben Sekunden an.

Autotest: Porsche 918 Spyder

Der Porsche 918 Spyder ist ein echter Supersportwagen – und das erste Serienfahrzeug dieser Gattung mit einem Hybridantrieb, bei dem sich die Batterie in 25 Minuten an einer Starkstrom-Steckdose wieder aufladen lässt. Nach dreijähriger Entwicklungszeit beginnt zum Jahreswechsel in Stuttgart die Fertigung einer auf 918 Exemplare limitierten Kleinserie. Die WirtschaftsWoche durfte das Auto, das erst im kommenden Februar an Kunden ausgeliefert wird, jetzt schon fahren.

Saus und Braus

Der Hybridantrieb ist ein Teil der Porsche-Saga. Mit dem Semper Vivus, dem von Firmengründer Ferdinand Porsche vor über 110 Jahren entwickelten ersten Hybridauto der Welt, hat der 918 Spyder allerdings nur das Grundprinzip des gemischten Doppel gemein: Verbrennungsmotor und Elektroantrieb sorgen gemeinsam für das Vorankommen. Dienten beim Urtyp zwei kleine Benzinmotoren ausschließlich dazu, der Traktionsbatterie und damit dem Elektromotor frische Energie zuzuführen, tragen im Hybrid-Porsche der Neuzeit zwei Elektromotoren und ein direkteinspritzender Benziner wechsel- oder auch paarweise die Antriebslast.

Technische Daten: Porsche 918 Spyder

Über ein Drehrad am Lenkrad kann der Fahrer fünf Antriebsstrategien vorwählen: 1. permanent elektrisch – rund 30 Kilometer weit und bis zu 150 km/h schnell; 2. besonders effizient – mit einem Realverbrauch um die fünf Liter Sprit im Hybridmodus; 3. dynamisch im Modus Sport-Hybrid – mit dem Benziner im Dauerbetrieb und dem E-Motor für zusätzlichen Schub; 4. Race-Hybrid – das ganze System wird elektronisch auf maximale Dauerleistung getrimmt, die Batterie vom Benziner dabei zusätzlich wieder aufgeladen.

Wem das noch nicht reicht, aktiviert die rote „Hotlap“-Taste für einige Sekunden maximale Spitzenleistung. Man muss sich nur entscheiden, was man gerade will: lautlos und völlig emissionsfrei fahren, einfach nur sparsam summend dahinrollen – oder auf Rennstrecken mit einem brüllenden Achtzylinder im Nacken kräftige Adrenalinschübe und Rennakustik erleben, die beiden Auspuffrohre enden direkt hinter den Ohren der Insassen.

So viel Fahrspaß war nie. Und wer den Lithium-Ionen-Akku an der Steckdose mit Wind- oder Sonnenstrom auflädt, braucht dabei nicht einmal ein besonders schlechtes Gewissen zu haben.

Schalten und walten

Der Porsche 918 Spyder ist ein technisches Wunderwerk. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Für Porsche ist der 918 Spyder als Technologieträger „eine Investition in die Zukunft“, sagt Projektleiter Frank Walliser. Die Entwicklungskosten von einer Milliarde Euro werden durch den Verkauf der 918 Fahrzeuge sicher nicht wieder hereingeholt, deutet er an. Denn teuer ist nicht nur die hochkomplexe Antriebstechnik, sondern auch der extreme Leichtbau bei Chassis und Karosserie.

Außenhaut und Türen bestehen aus kohlefaser-verstärktem Kunststoff, die Verkleidungen aus ultraleichtem Polyurethan, die Hochtemperatur-Abgasanlage aus Inconel, einer Nickelchrom-Legierung aus der Luft- und Raumfahrt. Ein technisches Wunderwerk ist auch das Schutzgitter, hinter dem der Motor wie ein Raubtier im Käfig gefangen ist: eine gewölbte, nanobeschichtete und besonders hitzefeste Edelstahl-Platte, in die Laser 7335 Löcher in Schlüsselgröße acht geschnitten haben. Wunderschön anzusehen, aber so teuer wie ein VW Golf. Auch hier bewegen sich die Porsche-Ingenieure im physikalischen Grenzbereich.

Die Konkurrenz

Geld und Kapital

Keine Frage: 768.026 Euro sind ein stolzer Preis für ein Auto mit nur zwei Sitzen und arg eingeschränkter Alltagstauglichkeit. Und das ist nur der Grundpreis – eine Liquid Metal genannte Sonderlackierung schlägt zusätzlich mit 47.600 Euro zu Buche, das nach dem Porsche-Motorsportzentrum in Weissach benannte Sportpaket des Testwagens gar mit 71.400 Euro – dafür kriegt man auch einen Porsche Cayenne.

Dennoch ist die halbe Produktion bereits verkauft. Ein Kaufmann aus dem Morgenland war so schlau, sich gleich zehn Exemplare zu sichern, aber auch deutsche Porsche-Fans wie der Gründer einer Klinikkette zählen zu den Frühbuchern. Denn die limitierte Produktionszahl, das extravagante Design und die spektakuläre Technik machen den 918 Spyder zu einem Sammlerstück mit garantiertem Wertzuwachs.

In Arbeit
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In Zeiten des Klimawandels sind Traumwagen mit Hybridantrieb wie der Porsche 918 Spyder, der McLaren P1, der BMW i8 oder der Ferrari LaFerrari – auch wenn der keinen einzigen Kilometer rein elektrisch fahren kann – zudem einfach hip. Und in Zeiten von Niedrig- und Minuszinsen sind sie obendrein eine clevere Geldanlage. Wohl dem, der’s hat.

Alle Übrigen mögen sich damit trösten, dass die Käufer dieser Autos viel Geld zahlen für die Erprobung von High-Tech-Komponenten, die wohl bald auch zu einem günstigeren Preis in Alltagsautos verfügbar sein werden.

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