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ADAC-Studie Autohersteller machen Tacho-Betrug möglich

Vermutet hatte es der ADAC schon lange, nun gibt es die Bestätigung: Obwohl der Gebrauchtwagenmarkt massiv unter Tacho-Betrug leidet, tut die Industrie nichts, um gegenzusteuern. Dabei wäre das kostengünstig möglich.

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Zehn Tipps, wie Sie ein Unfallauto erkennen
Blick auf den LackOb großer Unfall oder kleiner Zusammenstoß – die Folgen lassen sich bei dem erkennen, was direkt ins Auge sticht: dem Lack. Gebrauchtwagenkäufer sollten überprüfen, ob er überall den gleichen Eindruck macht. Gibt es Farbunterschiede, ist er überall gleich durch Witterung und Waschanlagen abgenutzt, gibt es Stellen, die neuer wirken? Gerade bei Metallic-Farben fallen nachlackierte Bereiche durch unterschiedliche Reflexionen auf. Wenn Nachlackierungen zu allem Überfluss stümperhaft vorgenommen wurden, lässt sich das etwa an leichten Farbresten an Fenstern und Gummis erkennen. Quelle: dapd
Spachtelmasse auf der SpurLackierer füllen Beulen und Vertiefungen gerne mit Spachtelmasse auf. Diese können Autokäufer mit einem Lackschichtenstärkemesser aufspüren, der angibt, wie dick der Lack an der jeweiligen Stelle ist. Es lohnt sich besonders an Stellen, die oft von Unfällen betroffen sind, wie Kotflügelspitzen, Radläufen und Heckabschlussblech. Wer kein solches Messgerät zur Hand hat, kann auch auf einen Magneten zurückgreifen: Je dicker Lack und Spachtel, desto schwächer ist die Haftwirkung. Ansonsten hilft auch, zu klopfen.  Dort, wo nicht nur reines Blech zu finden ist, klingt das Klopfgeräusch dumpfer. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Spalten ertastenOb Teile ausgetauscht wurden, lässt sich nicht nur an Lackunterschieden zum restlichen Auto erkennen, sondern auch an den Fugen. Je teurer das Auto ist, desto präziser verlaufen die Spalten. Wenn man mit dem Finger die Fugen entlangfährt, lassen sich möglicherweise unterschiedliche Spaltmaße ertasten. Diese weisen auf einen Austausch von Teilen nach einem Unfall hin. Quelle: dpa
Die Tür kontrollierenOb ein Auto einen Unfall hatte, lässt sich auch daran erkennen, wie gut die Türen schließen. Fallen sie nicht leicht und satt ins Schloss, kann das daran liegen, dass sie nach einem Unfall nicht richtig justiert wurden. Quelle: Volkswagen
Nach der Lenkradstellung schauenSchon ein kräftiger Stoß gegen den Bordstein kann für kleine Stauchungen an Teilen der Lenkung sorgen. Das führt zu einem leicht links oder rechts geneigten Lenkrad. Quelle: Chevrolet
Auf die Abnutzung der Reifen achtenSind Reifen außen beispielsweise stärker abgenutzt als innen, können das Spätfolgen eines Unfalls sein, denn dabei wird öfter die Radaufhängung beschädigt. Falsch repariert, führt das zu so einer ungleichmäßigen Abnutzung. Quelle: dpa/dpaweb
Unter die Motorhaube guckenDie Längsträger, die unter der Motorhaube unter anderem den Motor und die Stoßstange fixieren, können bei einem Unfall beschädigt werden. Bei einem Blick unter die Motorhaube sollten Kunden deshalb nach Stauchungen und Schweißstellen suchen. Quelle: dpa

Auf etwa sechs Milliarden Euro jährlich beläuft sich der wirtschaftliche Schaden durch Tacho-Manipulation, heißt von der Polizei. Betroffen sind in der Regel Gebrauchtwagenkäufer, die für einen Wagen, der etwa unter 100.000 Kilometer gelaufen ist, eben mehr zahlen, als für ein Auto, das schon länger durch den Straßenverkehr rollt.

Dazu kommen Extra-Kosten für Schäden, die nicht rechtzeitig erkannt werden. „Etwa wenn fällige Wartungen und Inspektionen nicht eingehalten werden und deshalb zum Beispiel der Zahnriemen reißt, weil er aufgrund des falschen Kilometerstandes nicht rechtzeitig gewechselt wurde“, sagt ADAC-Präsident Peter Meyer. Dadurch könnten Rechnungen bis zu 10.000 Euro anfallen.

Das Manipulationsgerät China-Diaprog III Fotograf: Nils Hendrik Müller Quelle: ADAC

Entsprechend ist dem Allgemeinen Deutschen Automobil Club der Pfusch mit dem Tacho schon lange ein Dorn im Auge. Seit Jahren bemängelt der ADAC, dass die Hersteller zu wenig gegensteuern, obwohl das ohne weiteres möglich wäre. Viel schlimmer: Viele Autos werden bereits im Werk für Manipulationen vorbereitet, heißt es in einer Mitteilung des Clubs. Herausgefunden hat das eine Forschungsgruppe der Universität Magdeburg. Im Rahmen einer Studie hat sie die Fahrzeug-Elektronik eines Audi Q7, einer Mercedes E-Klasse und eines VW Passat untersucht. Dabei trat eine Sicherheitslücke in der Software der Fahrzeuge zu Tage, die später von Tricksern genutzt wird.

Der Gebrauchtwagen-Report 2013
So geht die Dekra vor.... Quelle: DEKRA
Audi A1Bei den Kleinwagen eroberte in diesem Jahr der Audi A1 mit einem Dekra-Mängel-Index (DMI) von 97,1 die Spitze. Quelle: obs
Ford FocusIn der Kompaktklasse gewinnt der Ford Focus mit einem DMI von 97,1. Quelle: obs
3er BMWIn der Mittelklasse setzte sich der 3er BMW mit einem Mängel-Index von 97,1 durch. Quelle: dapd
Mercedes Benz E-KlasseIn der Kategorie Obere Mittelklasse/Oberklasse verteidigte die E-Klasse von Mercedes Benz Platz eins mit einem Mängelindex von 97,4. Quelle: AP
BMW Z5Bei den Sportwagen liegt der BMW Z4 mit einem DMI von 97,7 vorne. Quelle: dapd
BMW X1Bei den Geländewagen und SUVs trumpfte der BMW X1 mit einem Mängelindex von 96,2 auf. Quelle: obs

Um den Tacho wieder auf „Null“ zu stellen, wird ein frei im Handel erhältliches Tachoprogrammiergerät benötigt (wie das genau funktioniert, sehen Sie hier). Versuche diese unterbinden sind bisher gescheitert. So hat sich zum Beispiel einer der Hersteller bis vor das Bundesverfassungsgericht geklagt, das ihm weiter zubilligt, seine Geräte zu vertreiben. „Ein nationales Verbot würde auch nichts bringen, weil die Geräte leicht per Internet aus dem Ausland bestellbar sind“, sagt Markus Sippl, Leiter der Sparte Fahrzeugtechnik beim ADAC. So gäbe es sogar Kopien aus China, die von mehreren Anbietern für unter 200 Euro frei Haus geliefert würden.

Am Geld scheitert es nicht

So sparen Sie beim Autokauf bares Geld
WerksverkaufBeim Autokauf lässt sich einiges sparen, wenn der neue Flitzer nicht im Autohaus nebenan, sondern im Werk gekauft wird. Die Kosten für die Überführung wälzt der Händler nämlich in der Regel auf die Kunden ab. Wer sein Auto also direkt bei VW & Co abholt, kann bares Geld sparen. Quelle: dpa
AuslandskäufeAußerdem sind Autos im Ausland oftmals bis zu 30 Prozent günstiger, als in Deutschland. Wer seinen Wagen in einem der Nachbarländer kauft, zahlt den dortigen Nettopreis plus die deutsche Mehrwertsteuer. Wer keine Lust hat, von München nach Amsterdam zu fahren, um sich ein günstiges Auto zu kaufen, kann den Trip ja auch mit einem Kurzurlaub verbinden. Quelle: REUTERS
Re-ImporteWer darauf keine Lust hat, sollte sich nach Re-Importen umsehen. Bei diesen Wagen übernehmen Autohändler die Fahrt ins benachbarte Ausland und kaufen große Mengen günstiger Autos, die - steuerlich begünstigt - hierzulande verkauft werden. Quelle: dpa
SondermodellAuch mit Sondermodellen können Autokäufer viel Geld sparen. Die Wagen sind in der Regel deutlich günstiger als die Serienmodelle. Dafür gibt es die Sparvariante oft nur in einer bestimmten Farbe oder nur mit einer bestimmten Motorisierung. Quelle: REUTERS
JahreswagenWer nicht unbedingt Wert auf ein fabrikneues Auto legt, kann mit einem Jahreswagen erheblich sparen. Autohändler und Hersteller bieten bieten eine große Auswahl an Topfahrzeugen mit geringer Fahrleistung. Quelle: obs
FeilschenBeim Autokauf gilt das Gleiche wie auf dem Flohmarkt: Selbst wenn die Ware bereits reduziert ist, sollten Kunden immer handeln. Beim Autohändler lässt sich immer noch ein Schnäppchen rausschlagen - oft bis zu 20 Prozent. Und selbst wenn es nur die Gratis-Winterreifen sind, hat sich die Verhandlung doch gelohnt. Quelle: dpa
Bar zahlenFalls irgend möglich, zahlen Sie bar: Bei vielen Händlern winkt in diesem Fall ein weiterer Rabatt. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Wenn sich etwas ändern soll, müssen also die Hersteller selbst aktiv werden. Und das wäre ohne weiteres möglich. Die ADAC-Tests ergaben, dass in den Autos bereits Chips mit einer sehr guten Sicherheitstechnologie verbaut werden – wie zum Beispiel SHE (Secure Hardeware Extension). Vereinfacht handelt es sich dabei um eine Art „Safe“ auf dem Chip. Dort könnte der Kilometerstand in gewissen Abständen gespeichert werden. Er wäre dort nicht mehr zu verändern. Wer einen Gebrauchtwagen kauft, könnte sich also den dort erfassten Wert einfach anzeigen lassen und wüsste, wie viele Kilometer das Fahrzeug wirklich schon gefahren wurde.

Diese Funktion haben die Hersteller derzeit jedoch noch nicht aktiviert. „Wir nehmen an, dass nach Probefahrten im Werk der Tacho ‚zurückgedreht‘ wird, um dem Kunden ein ungefahrenes Neufahrzeug zu übergeben“, sagt Markus  Sippl vom ADAC. Dabei seien diese Testfahrten, die gerade einmal bei jedem 100. Auto stattfinden, zu begrüßen. Es gäbe keinen Grund sie zu verschleiern.

Auto



Warum bleiben viel große Hersteller also passiv? „Weil sie keinen finanziellen Schaden haben – im Gegenteil“, sagt Sippl. „Durch die hohe Zahl manipulierter Fahrzeuge steigt der durchschnittliche Wert, was eine besonders hohe Wertbeständigkeit suggeriert.“ Zudem hätten die Autobauer meist keine direkte Geschäftsbeziehung zu den Gebrauchtwagenkunden, entsprechend bekämen sie die Auswirkungen auch kaum zu spüren.

Finanzielle Gründe, die zum Teil schon vorhandene Technik zu aktivieren, gibt es nicht. Mehrere Chip-Hersteller haben dem ADAC versichert, dass der Aufwand für eine vernünftige Lösung sehr überschaubar ist. Die Infrastruktur – wie zum Beispiel die Server der Hersteller – sei bereits vorhanden. Der Aufwand läge bei weniger als einem Tausendstel des durchschnittlich verursachten Schadens – die Rede ist also von Eurobeträgen.

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