WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Aktie in Bedrängnis Wasserstoff-Pionier Nikola Motor wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe

Shortseller Hindenburg greift Nikola Motor massiv an. Quelle: Presse

Das börsennotierte Truck-Start-up sei „auf Dutzenden von Lügen aufgebaut“, behauptet ein Leerverkäufer. Dieser hat eigene Interessen am Absturz der Aktie – die Vorwürfe wiegen dennoch schwer.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Der Aktienkurs 27 Prozent im Minus, der CEO im Twitter-Dauerfeuer: Bei Nikola Motor stehen die Zeichen auf Sturm. Das Start-up, das mit Plänen für batterie- und wasserstoffbetriebene Trucks und einen Pick-up Milliarden an Investorengeldern eingesammelt hat, geriet am Donnerstag in die Kritik von Investoren.

Auslöser ist ein Bericht, den ein Analystenhaus namens Hindenburg Research auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Darin werfen die Autoren Nikola Motor vor, seine Investoren und Geschäftspartner systematisch zu belügen. „Nikola ist ein komplizierter Betrug“, heißt es da, „der auf Dutzenden von Lügen aufgebaut ist.“ Dafür gebe es umfangreiches Beweismaterial.

Nikola habe für ein Werbevideo seinen Truck auf einen Hügel geschleppt und ihn eine Straße hinabrollen lassen – wohl um den Eindruck zu erwecken, er könnte schon von selbst mit hohem Tempo fahren. Eine revolutionäre Batterietechnologie, die Nikola Motor im vergangenen Jahr ankündigte, habe es nie gegeben. Auch habe das Start-ups behauptet, die Kosten für grünen Wasserstoff massiv gesenkt zu haben, habe aber nie Wasserstoff produziert.

Die Vorwürfe sorgten für eine Welle in den sozialen Netzwerken – die Aktie von Nikola Motor stürzte ab, das Unternehmen verlor mehrere Milliarden Dollar an Börsenwert. Von einem möglichen Wirecard 2.0 war auf Twitter schon die Rede – eine Anspielung auf den ehemaligen Dax-Konzern, dessen Bilanzen sich im Juni als massiv gefälscht herausgestellt hatten.

Hindenburg Research ist allerdings nicht unparteiisch: Das Unternehmen besitzt eine Short-Position der Nikola-Aktie. Fällt der Kurs der Aktie, kann Hindenburg Gewinn machen. Im Januar attackierte Hindenburg etwa das norwegische Internet-Unternehmen Opera. Der wies die Vorwürfe zurück, der Aktienkurs notiert heute deutlich höher als im Januar.

Trevor Milton, Gründer und Chairman von Nikola Motor, bezeichnete die Vorwürfe von Hindenburg Research auf Twitter seinerseits als „Lügen“. In einem schriftlichen Statement gab das Unternehmen an: „Wir haben nichts zu verbergen und wir werden diese Anschuldigungen widerlegen.“ Eine Anwaltskanzlei prüfe rechtliche Schritte gegen die „Leerverkaufs-Aktivisten“. Auch der deutsche Nikola-Partner Bosch widerspricht im Gespräch mit der WirtschaftsWoche den Schilderungen von Hindenburg.

Milliardendeal mit General Motors

Anfang der Woche sah die Welt für Nikola Motor noch rosig aus, als das Start-up eine milliardenschwere Kooperation mit dem Autobauer General Motors bekannt gab. Die Aktie von Nikola legte daraufhin um mehr als 40 Prozent zu. Auch Bosch und der Lkw-Hersteller Iveco zählen zu den renommierten Geschäftspartnern des Start-ups.

Schon vor den Hindenburg-Vorwürfen gab es Kritik, unter anderem auch von Hedgefonds und Investoren, die auf sinkende Kurse der Nikola-Aktie setzen. Moniert wurde etwa, dass Nikola bei einer Präsentation im Jahr 2016 einen Truck zeigte, der gar keine Brennstoffzellen an Bord hatte und nicht eigenständig fahren konnte. Gründer Milton rechtfertigte sich nachher, Nikola habe nie behauptet, dass welche in dem Lastwagen eingebaut seien. Auch die Kosten für den Aufbau eines Netzwerks an Wasserstoff-Tankstellen seien bedenklich hoch, kritisieren Investoren.


Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


Abgasskandal

Peinliche Panne für Daimlers Großkanzlei


Wegen fehlender Finanzberichte

Wirecard: Bundesamt für Justiz leitet Ordnungsgeldverfahren ein


Nach Shortseller-Attacke

Wolfgang Grenkes schwacher Verteidigungsversuch


Mehr WiWo-Artikel finden Sie hier



Nikola ist seit Anfang Juni an der Börse. Nächstes Jahr will das Unternehmen einen batteriebetriebenen Truck an den Markt bringen, zwei Jahre später ein Modell mit Brennstoffzelle. Das europäische Model will Nikola in einer neuen Fabrik in Ulm bauen. Man habe Vorbestellungen in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar, unter anderem vom Brauereikonzern Anheuser-Busch, heißt es bei Nikola, das von manchen schon  als größter Konkurrent für den Elektroautobauer Tesla gehandelt wird, der ebenfalls an einem emissionsfreien Truck und einem Pick-up mit Batterieantrieb arbeitet. Wie viel von seinen Versprechen Gründer Milton einhalten kann, muss er jetzt beweisen.

Mehr zum Thema
Der amerikanische Hersteller Nikola will mit Wasserstofflastern das Transportgewerbe revolutionieren. Deutsche Speditionen sind skeptisch. Sie warten schon allzu lange auf den Durchbruch der Technologie.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%