WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Apples und Googles Autopläne Albtraum deutscher Autohersteller

Apple drängt in die Autobranche. Der IT-Konzern aus den USA greift damit nach dem Geschäft von Volkswagen, Daimler und BMW. Diese drohen gar ihre wichtigsten Wettbewerbsvorteile zu verlieren. Das hätte dramatische Folgen für Deutschlands Vorzeigeindustrie. Höchste Zeit, gegenzusteuern.

Apple Quelle: dpa

Dieses verdammte „One more thing“. „Eine Sache noch“ – und dann zog Apple-Gründer Steve Jobs am Ende seiner legendären Produktpräsentationen den iPod hervor. Und revolutionierte die Musikbranche. Oder das iPhone. Und veränderte die mobile Kommunikation für immer. Auch Nachfolger Tim Cook verwendet die Zauberformel. Und versetzte vergangenes Jahr mit ihr die Uhrenbranche in Aufruhr, als er die Apple Watch vorstellte.

Wird er den Spruch bald wieder gebrauchen? Rollt dann ein Auto auf die Bühne? Das Apple Car, der Albtraum für jeden Autohersteller.

Die Kalifornier haben es in den vergangenen Jahren geschafft, mit ihren Produkten und den passenden Diensten traditionelle Geschäftsmodelle zu zerstören. Sie sind so zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Und jetzt haben sie ein Auge auf die Autobranche geworfen.

Wie gut Autokonzerne auf Angriffe von Apple & Co. vorbereitet sind

Wohldosiert drang in den vergangenen Tagen Detail um Detail an die Öffentlichkeit. Erst meldete die „Financial Times“, Apple stelle Autoexperten ein, die wohl ein Elektromobil entwickeln sollen. Dann berichtete das „Wall Street Journal“, eine bis zu 1000 Mitarbeiter große Truppe arbeite unter dem Codenamen „Titan“ an einer Art Minivan. Mit dabei Johann Jungwirth, bis September vergangenen Jahres Präsident und CEO der Mercedes-Benz-Forschung in Nordamerika. Die Nachrichtenagentur Reuters verbreitete, Apple wolle gar ein selbstfahrendes Auto bauen.

Schließlich tauchten Schnappschüsse von Versuchsfahrzeugen, ausgerüstet mit zahlreichen Kameras und Sensoren, in den USA auf, die auf den Konzern zugelassen sind. Die Apple-untypisch hässlichen Vans lösten Spekulationen aus, sie sammelten Daten für elektronische Karten oder würden gar erste Tests fürs autonome Fahren absolvieren. So wie Google es bereits seit Jahren tut, der andere IT-Titan, der in die Autobranche vorstößt.

Noch ist unklar, was genau die Silicon-Valley-Konzerne in ihrem neuen Interessengebiet aushecken. Klar ist aber: Noch in jeder Branche, für die sich Apple und Google in der Vergangenheit interessierten, war für die etablierten Anbieter Habacht-Stellung angebracht. Ob Handyhersteller, Uhrenfabrikanten oder Musikindustrie: Die US-Konzerne rollten den jeweiligen Markt auf, indem sie sich zwischen Kunde und etablierte Anbieter schoben und so die dominierende Stellung erlangten. Im Fall der Handys verdrängten sie gleich viele der alten Anbieter, im Fall der Musik verwiesen sie diese lediglich in die zweite Reihe; dorthin, wo Kontakt zum Endkunden eher die Ausnahme ist.

Dementsprechend ist Vorsicht geboten für all die BMWs, Mercedes, VWs und Audis, also den Stolz der deutschen Industrie, der hierzulande direkt oder indirekt mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze stellt. „Google und Apple haben disruptives Potenzial“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. „Unsere Branche steht in den nächsten Jahren vor einem der größten Umbrüche seit Bestehen des Automobils“, hat VW-Chef Martin Winterkorn bereits vor einem Jahr seine Manager aufgerüttelt. Und Ford-Boss Mark Fields warnte jüngst bei einem Auto-Kongress in Bochum: „Es gibt Unternehmen außerhalb der Branche, die auf unsere Industrie blicken.“ Man müsse noch innovativer als bisher werden.

Denn der Angriff aus der IT-Branche ist gezielt und durchaus wirkungsvoll. Apple, Google, Microsoft und Co. wollen sich nicht mit der Rolle des einfachen Zulieferers zufriedengeben, der nur Programme für die Infotainmentsysteme im Auto liefert. Stattdessen wollen sie:

  • die Daten, die jeder Fahrer produziert, sammeln und daraus in gewohnter Manier ein Geschäft machen;
  • mit Informations- und Unterhaltungsangeboten das Auto erobern, den letzten Lebensraum des Menschen, in dem sie noch nicht Fuß gefasst haben;
  • den Verkehr in den Metropolen durch selbstfahrende Autos ersetzen und so die Mobilität revolutionieren;
  • womöglich der Ansprechpartner des Kunden in Sachen Mobilität werden und die Autohersteller in die Rolle von Zulieferern drängen. BMW, Mercedes oder Audi würden dann hinter der Strahlkraft der Marken Apple und Google verschwinden.

Und die haben die Mittel, sich das alles zu leisten. Allein Apple verfügt über 180 Milliarden Dollar Barreserven – fast sechsmal so viel wie VW. Mit dieser finanziellen Power werden die Kalifornier immer einen angestammten Hersteller oder ehrgeizigen Zulieferer finden, der für sie Modelle fertigt. „Die Gefahr ist da, dass die Hersteller in der Wertschöpfungskette nach hinten rutschen“, sagt Bratzel.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%