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Autobauer Wie Hyundai Innovationen vorantreibt

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Erfolg durch lokale Kompetenzen

Der Intrado, der Blickfänger aus Genf, soll den weiteren Weg weisen: Es ist das erste Hyundai-Fahrzeug, das die Handschrift des deutschen Hyundai-Chefdesigners Peter Schreyer trägt. Das Auto ist zugleich eine Art Technik-Schaufenster.

Zu bestaunen gibt es da unter anderem jede Menge Leichtbautechnik: Die Karosserie setzt auf einem Rahmen auf, den Rohre aus carbonfaserverstärktem Kunststoff bilden. Diese lassen sich wie Seile schlingen und zu einer extrem festen und verwindungssteifen Karosserie verbinden.

Der Brennstoffzellenantrieb im Motorraum ist kleiner und stärker als der Vorgänger im aktuellen Modell ix35. Mehr Effizienz und geringes Gewicht von Antrieb und Fahrzeug sollen dem Intrado mehr als 600 Kilometer Reichweite ermöglichen. Dazu bunkert der Wagen über 100 Liter Wasserstoff unter 700 bar Druck in zwei Hochdrucktanks. Der erste, kleinere Tank befindet sich unterhalb der Rücksitzbank. Der zweite, größere Tank steckt für eine bessere Gewichtsverteilung im Heck unter dem Kofferraumboden.

Die elektrische Energie, die in der Brennstoffzelle durch die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff entsteht, speichert ein 36 Kilowatt starker Akku – die leistungsfähigste Batterie, die bisher in einem Brennstoffzellenauto zum Einsatz gekommen ist.

Parallel treiben die Hyundai-Ingenieure die Entwicklung rein batteriegetriebener Elektroautos voran. Gerade erst präsentierte die Schwestermarke Kia das Modell Soul in einer Elektrovariante. Im Herbst soll der kleine Stromer mit einer Reichweite von mehr als 200 Kilometern mit einer Akkuladung in den USA und in Europa an den Start gehen. Der Preis steht noch nicht fest.

Große Elektrokompetenz

Die Südkoreaner profitieren von der großen Batterie- und Elektrokompetenz in ihrem Heimatland. Hyundai-Kia sitzt Tür an Tür mit den weltgrößten Batterieproduzenten wie Samsung und LG, die Teil der staatlich geförderten Südkorea AG sind. Daraus erwächst ein erheblicher Wettbewerbsvorteil, der sich in aggressiven Preisen auf dem Weltmarkt niederschlägt. Kein Wunder, dass LG ab 2016 auch die Antriebsbatterien für die nächste Generation des Elektro-Smart liefert.

Die Highlights der Automesse Peking
Das Wachstum und Potential des chinesischen Marktes machen die Pekinger Automesse besonders interessant für Autobauer. Sie präsentieren vom 20. bis 29. April einige echte Hingucker. Insbesondere viele Kompakt-SUV und Oberklassefahrzeuge werden in diesem Jahr vorgestellt. Quelle: PR
Landrover Discovery Vision Concept Die Briten bringen eine SUV-Studie mit. Nach dem Motto "smarter, besser vernetzt, attraktiver und noch leistungsfähiger" zeigt Landrover zum Beispiel neue Technologien wie Smart Glass. Das ermöglicht „Erweiterte Realität“ (augmented reality) für die gesamte Fahrzeugverglasung. Die Funktion zahlreicher Elemente, wie Türen, Blinker, Scheinwerfer oder Bildschirme werden zudem mit Gesten gesteuert. Die Bewältigung besonders enger Passagen wird erleichtert: Sichtbare Laser projizieren Markierungen, Symbole und Bilder auf den Boden und die Umgebung. Mit dem Concept Car läutet Land Rover außerdem einen Wechsel ein: Der Discovery wird vom einzelnen Modell zu einer Modellfamilie. Das Concept Car lässt klare Bezüge zur Abstammung des Discovery erkennen – beispielsweise mit charakteristischen Details wie der Stufe in der Dachlinie oder der großzügigen „Alpine“-Verglasung im Fond. Sinnbild für die Vielseitigkeit des Modells ist seine vielfach konfigurierbare Bestuhlung. So können die Sitze entweder flach zusammengeklappt oder mithilfe des Touchscreen-Menüs nach vorn und hinten verschoben werden. Quelle: dpa
Lincoln MKX ConceptFords Premiumtochter will noch in diesem Jahr mit zwei neuen Modellen auf dem chinesischen Markt angreifen - dem MKZ und den MKC. Als ersten Ausblick präsentieren die Amerikaner die Studie MKX. Der Mittelklasse-SUV soll erst 2016 bei den chinesischen Händlern stehen. Beim MKX handelt es sich übrigens um das Parallelmodell zum Ford Edge. Quelle: dpa
Citroen CX-RDas Concept Car lässt erahnen, wie der erste SUV aus dem Joint-Venture zwischen Citroën und der Dongfeng Motor Group aussehen wird. Es soll in China ein stark wachsendes Segment mit nahezu drei Millionen Einheiten im Jahr 2013, was eine Steigerung um mehr als 50 Prozent verglichen mit 2012 bedeutet, erobern. Der C-XR ist ein 4,26 Meter lang, 1,79 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Er bietet einen großzügigen Innenraum, vor allem im Fonds. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Peugeot 2008 ist nicht zu bestreiten. Die Studie hat einen 200 PS, 1,6-Liter Turbobenziner an Bord. 2015 soll der CX-R auf den chinesischen Markt kommen, danach eventuell auch nach Europa. Quelle: Citroën
BMW Vision Future LuxuryWeltpremiere für den neuen 7er BMW, der so aussehen könnte. Und mit einigen 'Specials' ausgestattet ist. Quelle: Presse
... die Edelkarosse, die allgemein auch als „9er BMW“ beschrieben wird, zielt auch auf den chinesischen Markt. Große Autos sind in China besonders wichtig. Jeder zweite 7er BMW werde schon auf dem weltgrößten Automarkt in China verkauft. Quelle: BMW
Der BMW 7er soll ab Ende 2015/Anfang 2016 nur noch als Langversion kommen, obligatorisch gibt es einen Allradantrieb. Eine Vierzylinderversion wird vermutlich allein einem Plug-In-Hybriden vorbehalten bleiben. Über ein Tablet lassen sich Musikstreaming, Navigation, Internet und TV steuern. Der neue 7er wird neben LED-Scheinwerfern auch Laserlicht als Fernscheinwerfer bekommen. Über den Antrieb ist noch nichts bekannt, vermutlich werden sich die Motoren jedoch stark am aktuellen Modell orientieren. Heißt: Es gibt bekannte Diesel und Benziner mit sechs, acht und zwölf Zylindern sowie einem Leistungsspektrum von 250 bis über 550 PS. Quelle: BMW

Mit niedrigen Preisen kann Hyundai-Kia aber auch bei Autos mit konventionellem Antrieb punkten. In Europa kam Hyundai 2013 auf 3,5 Prozent Marktanteil – ohne Kia. Weiteres Wachstum sollen 22 neue Modelle bringen, die Europa-Chef Allan Rushforth für die nächsten vier Jahre ankündigt.

Dass der frühere Billigheimer inzwischen ein ernst zu nehmender Konkurrent ist, musste VW-Chef Martin Winterkorn schon 2011 bei der Frankfurter Automobilausstellung feststellen. Ein YouTube-Video, das im Netz längst Kultstatus hat, hält den Augenblick der Erkenntnis fest: Winterkorn hatte damals auf dem Hyundai-Stand den Golf-Konkurrenten i30 bestiegen. Der Vorstandschef aus Wolfsburg wackelte hier an einer Blende, ruckelte da an einem Halter und zog am verstellbaren Lenkrad, um schließlich sichtbar verärgert und mit dem Ausruf „Da scheppert nix“ Klaus Bischoff, den Designchef der Marke VW herbeizuzitieren. „BMW kann’s nicht, wir können’s nicht. Warum kann’s der?“, fragte ihn Winterkorn.

Die Frage könnte er aktuell auch zur Profitabilität des Unternehmens stellen. Denn der Volkswagen-Konzern wäre wohl froh, eine ähnlich gute Umsatzrendite wie Hyundai vorweisen zu können: Bei der Marke VW lag sie in den ersten drei Monaten des Jahres nur bei mageren 1,8 Prozent. Bei Hyundai ist sie - mit geschätzt zehn Prozent - um ein Vielfaches höher.

Schnelle Aufholjagd

Doch trotz der schwindelerregenden Aufholjagd bei Technik und Innovationen – auch bei den Südkoreanern läuft längst noch nicht alles rund, es gibt noch Lücken im Technikportfolio und im Fahrzeugangebot. So fehlen etwa noch kleine sparsame Turbomotoren, ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe statt der wenig sparsamen Wandlerautomatik. Die europäischen Hyundai-Manager wünschen sich zudem sehnsüchtig einen kompakten SUV wie den Renault Captur – das Segment, das im Moment europaweit am stärksten wächst. Und nicht zuletzt fehlen Cabrios und Sportwagen, die für ein frischeres Markenimage sorgen könnten.

Denn alle Technik ist nur schnödes Beiwerk, solange die Autos noch Billigheimer-Image atmen. Aufräumen soll damit auch der deutsche Hyundai-Chefdesigner Peter Schreyer. Er will Hyundai eine erkennbare frische Handschrift verleihen, denn „in Zeiten, wo sich Technik immer ähnlicher wird, werden Autos verstärkt über das Design verkauft“.

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