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Autobauer Wie Hyundai Innovationen vorantreibt

Elektroauto, Brennstoffzelle, bessere Motoren: Die Autobranche sucht nach der Antriebstechnik der Zukunft. Kaum ein Hersteller ist so dynamisch wie der einstige Billigheimer Hyundai.

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Strom für den Elektromotor in Hyundais Design-Studie „Intrado“ liefert eine Brennstoffzelle. 700 bar Druck pressen 100 Liter Wasserstoff in den Tank des E-Mobils. 59,7 Milliarden Euro Umsatz machte Hyundai 2013 weltweit. 600 Kilometer Reichweite schafft der Hyundai Intrado rein elektrisch. Quelle: PR

Der weiße Hyundai Intrado, den der südkoreanische Hersteller im Frühjahr auf dem Genfer Automobilsalon als Weltpremiere zeigte, war mehr als ein Blickfänger. Denn hinter der aggressiven Optik des SUVs mit den an Haifischkiemen erinnernden Lüftungsschlitzen und dem orangefarbenen Innenleben blieben die wahren Innovationen zunächst verborgen: eine Karosserie in extremer Leichtbauweise – und ein leistungsfähiger Brennstoffzellenantrieb.

Eine Konzeptstudie wie so viele, möchte man meinen. Ein Auto, das als Blickfänger auf einem Messestand dient und anschließend im Museum verschwindet – weil entweder die Technik alles andere als serientauglich und die Produktion zu teuer ist oder aber das Fahrzeugdesign einfach nicht für den Alltag taugt.

Ganz anders bei Hyundai: Der Intrado ist nicht bloß ein Showcar, ein Spielzeugauto, an dem sich Designer und Ingenieure ausgetobt haben. Die Südkoreaner, lange Zeit als Billigheimer bekannt, meinen es ernst. Vor allem mit dem Brennstoffzellenantrieb demonstrieren Designer und Ingenieure, wie gegenwärtig die vermeintliche Zukunftstechnologie bei ihnen schon ist.

Denn schon heute können Hyundai-Kunden den Geländewagen ix35 – dessen Nachfolger der Intrado im kommenden Jahr werden soll – mit dem umweltverträglichen Elektroantrieb leasen. Und das nicht bloß im Heimatmarkt, das Angebot gilt global. „Sobald das Tankstellennetz dichter wird und die Nachfrage steigt, können wir die Produktion hochfahren“, sagt Markus Schrick, Chef von Hyundai Deutschland. Gegenwärtig allerdings gibt es in Deutschland nicht mal 25 Tankstellen, an denen Wasserstoff getankt werden kann. Die Brennstoffzelle an Bord des Autos wandelt den Wasserstoff in Fahrstrom um.

Das Henne-Ei-Problem

Das klingt nach einem Henne-Ei-Problem. Die Koreaner lassen sich davon ebenso wenig schrecken wie Toyota: Die Japaner wollen schon im März 2015 mit dem Modell FCV ihr erstes Brennstoffzellenauto auf den Markt bringen – zu einem Preis von umgerechnet 50.000 Euro. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der sein Unternehmen bei dieser Technologie „ganz vorne dabei“ sieht, kann da nicht mithalten: Der Mercedes-F-Cell auf Basis der B-Klasse ist erst 2017 serientauglich.

Dabei forschen und arbeiten die Stuttgarter inzwischen schon seit zwei Jahrzehnten an Autos, aus deren Auspuff nur noch Wasserdampf entweicht. Zudem kommen Brennstoffzellenautos mit einer Tankfüllung rund 500 Kilometer weit und damit wesentlich weiter als ein batteriegetriebenes Elektroauto. Deren Akku muss heute meist schon nach 160 Kilometern an die Steckdose und dort stundenlang aufgeladen werden.

Der Hyundai Intrado macht aber noch etwas anderes deutlich: Vorbei sind die Zeiten, da Hyundai als Discounthersteller der Autobranche vor allem für preiswerte Mobilität stand. Für Innovation im Automobilbau, für Vorsprung durch Technik oder Freude am Fahren waren andere zuständig.

Das sind die leistungsstärksten Autobauer
Platz 16: PSA Peugeot CitroënSeit zehn Jahren erstellt das Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch-Gladbach den „Automotive Performance Index“, kurz API. Auf Basis von elf Indikatoren werden die 16 globalen Autobauer in den Bereichen „Finanzen“, „Markt“ und „Innovationskraft“ verglichen. Aus dem daraus erstellten Index lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Konzerne ziehen – und das sieht bei PSA derzeit nicht gut aus. Besonders bei der finanziellen Performance und den Markterfolgen muss sich der Verbund von Peugeot und Citroën ganz hinten anstellen. Mut macht aber die Innovationskraft, hier liegen die Franzosen deutlich vor den direkten Wettbewerbern. Positiv: Aus der angelaufenen Kooperation mit Dongfeng (im Bild die chinesische Produktion) und der sich daraus ergebenden Stärkung in Fernost sowie den umfangreichen Restrukturierungen kann PSA allerdings den Anschluss an die Mitbewerber finden. Quelle: dpa
Plätze 15 bis 12Vor PSA drängelt sich ein dichtes Feld der sogenannten „Low Performern“, bestehend aus Suzuki (12), Mazda (13), Renault (14) und Mitsubishi (15). Besonders die kleinen japanischen Hersteller zeichnen sich durch eine gewisse Konstanz aus, wenn auch auf niedrigem Niveau: Bei ihnen sticht keines der drei untersuchten Hauptfeldern besonders hervor. Nur Renault kann, ähnlich wie PSA, eine höhere Innovationskraft aufweisen und so im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gutmachen. Quelle: REUTERS
Platz 11: FCAHinter dem Kürzel FCA verbirgt sich nichts anderes als der italienische Fiat-Konzern, allerdings mit den eingegliederten Teilen von Chrysler. Und genau diese Teile des Konzerns sind es, die FCA noch auf dem elften Platz des Auto Performance Index halten. Die gute Marktentwicklung der US-Tochter verhindert ein Abrutschen in die Gruppe der „Low Performer“. Die schlechte finanzielle Leistung lässt nicht nur Übernahmegerüchte wie jüngst durch VW gedeihen, die niedrige Innovationskraft stellt auch keine nachhaltige Besserung der Lage in Aussicht. Wie lange sich Fiat-Chrysler noch unter den „Medium Performern“ halten kann, ist unklar. Quelle: REUTERS
Plätze 10 bis 8Wohin steuert Firmenchef Carlos Ghosn Nissan? Im API aus Konzernsicht in die falsche Richtung: Die CAM-Studie listet die Japaner nur noch auf Rang zehn, ausgerechnet die japanische Konkurrenz Subaru ist vorbeigezogen. Auf Rang 8, der letztes Jahr noch Ford gehörte, ist jetzt noch ein Japaner abgerutscht – Honda. Quelle: dpa
Platz 7: Hyundai-KiaVor einigen Jahren wurden die Koreaner noch als gefährlichster VW-Herausforderer gesehen, doch auch Hyundai-Kia muss den Jahren des Aufschwungs etwas Tribut zollen: Nach zahlreichen neuen Modellen ist die Innovationsstärke zuletzt gesunken, ebenso die Arbeitsproduktivität. Auch kann Hyundai das hohe Absatzwachstum der letzten Jahre nicht halten und entwickelt sich nur mit dem Markt, was aber immer noch ein Plus von sechs Prozent bedeutet. Mit Rang sieben sind die Südkoreaner allerdings auf den schlechtesten API-Rang der letzten Jahre abgerutscht (2011/12= Rang 4; 2012/13: Rang 5). Quelle: REUTERS
Platz 6: General MotorsNoch hat sich das Rückruf-Debakel nicht spürbar auf die Performance von General Motors ausgewirkt, nach wie vor belegt GM Rang sechs. Damit liegen die Amerikaner weiter in der Gruppe der „Medium Performer“ – angesichts der Millionen-Rückrufe nicht schlecht, der Anschluss an Volkswagen und Toyota gerät so aber immer mehr in Gefahr. Quelle: dpa
Platz 5: FordFord gehört zu den größten Gewinnern des API 2014. Der Konzern konnte gleich drei Plätze gutmachen und wird jetzt auf Rang fünf gelistet. Grund für den größten Zuwachs des Rankings ist das Absatz-Plus in China, womit sich Ford an GM und Hyundai vorbeischieben kann. Quelle: dpa

Die Südkoreaner, die vor knapp 40 Jahren mit ihrem unscheinbaren Kompaktwagen Pony erstmals nach Europa kamen, haben sich in den zurückliegenden acht Jahren ein gewaltiges Erneuerungsprogramm verordnet. Nach der Phase als Billighersteller, der später Kunden mit robuster Qualität und ungewohnt langen Garantieversprechen lockte, zündet jetzt die dritte Stufe auf dem Weg in die erste Liga der Markenhersteller. Getrieben wird diese von Design – und Innovationen.

Ob bei der Vielfalt der Antriebskonzepte, bei Design oder in der Produktion: Überall holen die Südkoreaner auf. Heute schon ist der Konzern mit den Schwestermarken Hyundai und Kia und einem Absatz von über fünf Millionen Fahrzeugen fünftgrößter Pkw-Hersteller der Welt. Dabei sind seit der Gründung der Automotive-Gruppe noch nicht einmal 50 Jahre vergangen.

Erfolg durch lokale Kompetenzen

Der Intrado, der Blickfänger aus Genf, soll den weiteren Weg weisen: Es ist das erste Hyundai-Fahrzeug, das die Handschrift des deutschen Hyundai-Chefdesigners Peter Schreyer trägt. Das Auto ist zugleich eine Art Technik-Schaufenster.

Zu bestaunen gibt es da unter anderem jede Menge Leichtbautechnik: Die Karosserie setzt auf einem Rahmen auf, den Rohre aus carbonfaserverstärktem Kunststoff bilden. Diese lassen sich wie Seile schlingen und zu einer extrem festen und verwindungssteifen Karosserie verbinden.

Der Brennstoffzellenantrieb im Motorraum ist kleiner und stärker als der Vorgänger im aktuellen Modell ix35. Mehr Effizienz und geringes Gewicht von Antrieb und Fahrzeug sollen dem Intrado mehr als 600 Kilometer Reichweite ermöglichen. Dazu bunkert der Wagen über 100 Liter Wasserstoff unter 700 bar Druck in zwei Hochdrucktanks. Der erste, kleinere Tank befindet sich unterhalb der Rücksitzbank. Der zweite, größere Tank steckt für eine bessere Gewichtsverteilung im Heck unter dem Kofferraumboden.

Die elektrische Energie, die in der Brennstoffzelle durch die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff entsteht, speichert ein 36 Kilowatt starker Akku – die leistungsfähigste Batterie, die bisher in einem Brennstoffzellenauto zum Einsatz gekommen ist.

Parallel treiben die Hyundai-Ingenieure die Entwicklung rein batteriegetriebener Elektroautos voran. Gerade erst präsentierte die Schwestermarke Kia das Modell Soul in einer Elektrovariante. Im Herbst soll der kleine Stromer mit einer Reichweite von mehr als 200 Kilometern mit einer Akkuladung in den USA und in Europa an den Start gehen. Der Preis steht noch nicht fest.

Große Elektrokompetenz

Die Südkoreaner profitieren von der großen Batterie- und Elektrokompetenz in ihrem Heimatland. Hyundai-Kia sitzt Tür an Tür mit den weltgrößten Batterieproduzenten wie Samsung und LG, die Teil der staatlich geförderten Südkorea AG sind. Daraus erwächst ein erheblicher Wettbewerbsvorteil, der sich in aggressiven Preisen auf dem Weltmarkt niederschlägt. Kein Wunder, dass LG ab 2016 auch die Antriebsbatterien für die nächste Generation des Elektro-Smart liefert.

Die Highlights der Automesse Peking
Das Wachstum und Potential des chinesischen Marktes machen die Pekinger Automesse besonders interessant für Autobauer. Sie präsentieren vom 20. bis 29. April einige echte Hingucker. Insbesondere viele Kompakt-SUV und Oberklassefahrzeuge werden in diesem Jahr vorgestellt. Quelle: PR
Landrover Discovery Vision Concept Die Briten bringen eine SUV-Studie mit. Nach dem Motto "smarter, besser vernetzt, attraktiver und noch leistungsfähiger" zeigt Landrover zum Beispiel neue Technologien wie Smart Glass. Das ermöglicht „Erweiterte Realität“ (augmented reality) für die gesamte Fahrzeugverglasung. Die Funktion zahlreicher Elemente, wie Türen, Blinker, Scheinwerfer oder Bildschirme werden zudem mit Gesten gesteuert. Die Bewältigung besonders enger Passagen wird erleichtert: Sichtbare Laser projizieren Markierungen, Symbole und Bilder auf den Boden und die Umgebung. Mit dem Concept Car läutet Land Rover außerdem einen Wechsel ein: Der Discovery wird vom einzelnen Modell zu einer Modellfamilie. Das Concept Car lässt klare Bezüge zur Abstammung des Discovery erkennen – beispielsweise mit charakteristischen Details wie der Stufe in der Dachlinie oder der großzügigen „Alpine“-Verglasung im Fond. Sinnbild für die Vielseitigkeit des Modells ist seine vielfach konfigurierbare Bestuhlung. So können die Sitze entweder flach zusammengeklappt oder mithilfe des Touchscreen-Menüs nach vorn und hinten verschoben werden. Quelle: dpa
Lincoln MKX ConceptFords Premiumtochter will noch in diesem Jahr mit zwei neuen Modellen auf dem chinesischen Markt angreifen - dem MKZ und den MKC. Als ersten Ausblick präsentieren die Amerikaner die Studie MKX. Der Mittelklasse-SUV soll erst 2016 bei den chinesischen Händlern stehen. Beim MKX handelt es sich übrigens um das Parallelmodell zum Ford Edge. Quelle: dpa
Citroen CX-RDas Concept Car lässt erahnen, wie der erste SUV aus dem Joint-Venture zwischen Citroën und der Dongfeng Motor Group aussehen wird. Es soll in China ein stark wachsendes Segment mit nahezu drei Millionen Einheiten im Jahr 2013, was eine Steigerung um mehr als 50 Prozent verglichen mit 2012 bedeutet, erobern. Der C-XR ist ein 4,26 Meter lang, 1,79 Meter breit und 1,56 Meter hoch. Er bietet einen großzügigen Innenraum, vor allem im Fonds. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Peugeot 2008 ist nicht zu bestreiten. Die Studie hat einen 200 PS, 1,6-Liter Turbobenziner an Bord. 2015 soll der CX-R auf den chinesischen Markt kommen, danach eventuell auch nach Europa. Quelle: Citroën
BMW Vision Future LuxuryWeltpremiere für den neuen 7er BMW, der so aussehen könnte. Und mit einigen 'Specials' ausgestattet ist. Quelle: Presse
... die Edelkarosse, die allgemein auch als „9er BMW“ beschrieben wird, zielt auch auf den chinesischen Markt. Große Autos sind in China besonders wichtig. Jeder zweite 7er BMW werde schon auf dem weltgrößten Automarkt in China verkauft. Quelle: BMW
Der BMW 7er soll ab Ende 2015/Anfang 2016 nur noch als Langversion kommen, obligatorisch gibt es einen Allradantrieb. Eine Vierzylinderversion wird vermutlich allein einem Plug-In-Hybriden vorbehalten bleiben. Über ein Tablet lassen sich Musikstreaming, Navigation, Internet und TV steuern. Der neue 7er wird neben LED-Scheinwerfern auch Laserlicht als Fernscheinwerfer bekommen. Über den Antrieb ist noch nichts bekannt, vermutlich werden sich die Motoren jedoch stark am aktuellen Modell orientieren. Heißt: Es gibt bekannte Diesel und Benziner mit sechs, acht und zwölf Zylindern sowie einem Leistungsspektrum von 250 bis über 550 PS. Quelle: BMW

Mit niedrigen Preisen kann Hyundai-Kia aber auch bei Autos mit konventionellem Antrieb punkten. In Europa kam Hyundai 2013 auf 3,5 Prozent Marktanteil – ohne Kia. Weiteres Wachstum sollen 22 neue Modelle bringen, die Europa-Chef Allan Rushforth für die nächsten vier Jahre ankündigt.

Dass der frühere Billigheimer inzwischen ein ernst zu nehmender Konkurrent ist, musste VW-Chef Martin Winterkorn schon 2011 bei der Frankfurter Automobilausstellung feststellen. Ein YouTube-Video, das im Netz längst Kultstatus hat, hält den Augenblick der Erkenntnis fest: Winterkorn hatte damals auf dem Hyundai-Stand den Golf-Konkurrenten i30 bestiegen. Der Vorstandschef aus Wolfsburg wackelte hier an einer Blende, ruckelte da an einem Halter und zog am verstellbaren Lenkrad, um schließlich sichtbar verärgert und mit dem Ausruf „Da scheppert nix“ Klaus Bischoff, den Designchef der Marke VW herbeizuzitieren. „BMW kann’s nicht, wir können’s nicht. Warum kann’s der?“, fragte ihn Winterkorn.

Die Frage könnte er aktuell auch zur Profitabilität des Unternehmens stellen. Denn der Volkswagen-Konzern wäre wohl froh, eine ähnlich gute Umsatzrendite wie Hyundai vorweisen zu können: Bei der Marke VW lag sie in den ersten drei Monaten des Jahres nur bei mageren 1,8 Prozent. Bei Hyundai ist sie - mit geschätzt zehn Prozent - um ein Vielfaches höher.

Schnelle Aufholjagd

Doch trotz der schwindelerregenden Aufholjagd bei Technik und Innovationen – auch bei den Südkoreanern läuft längst noch nicht alles rund, es gibt noch Lücken im Technikportfolio und im Fahrzeugangebot. So fehlen etwa noch kleine sparsame Turbomotoren, ein automatisches Doppelkupplungsgetriebe statt der wenig sparsamen Wandlerautomatik. Die europäischen Hyundai-Manager wünschen sich zudem sehnsüchtig einen kompakten SUV wie den Renault Captur – das Segment, das im Moment europaweit am stärksten wächst. Und nicht zuletzt fehlen Cabrios und Sportwagen, die für ein frischeres Markenimage sorgen könnten.

Denn alle Technik ist nur schnödes Beiwerk, solange die Autos noch Billigheimer-Image atmen. Aufräumen soll damit auch der deutsche Hyundai-Chefdesigner Peter Schreyer. Er will Hyundai eine erkennbare frische Handschrift verleihen, denn „in Zeiten, wo sich Technik immer ähnlicher wird, werden Autos verstärkt über das Design verkauft“.

Ein Deutscher als Designchef

Der heute 61-jährige Bayer aus Bad Reichenhall hat einst bei Audi den Sportwagen TT entworfen – seit 2006 frischt er die Optik von Kia auf. Seit Januar 2013 ist er auch für das Design der Marke Hyundai verantwortlich. Der 76-jährige Firmenpatriarch Chung Mong-koo schätzt Schreyers Arbeit so sehr, dass er den Deutschen 2013 als ersten und einzigen Europäer ins Konzernpräsidium berufen hat.

Hyundai investiert nicht nur in Design, Technik und Kundenzufriedenheit. Mindestens genauso wichtig ist die Produktivität der Werke außerhalb des Heimatlandes. In den USA zählen die Hyundai-Werke mit einer durchschnittlichen Fertigungszeit von knapp unter 20 Stunden pro Fahrzeug zu den produktivsten des Landes, wie Jahr für Jahr Oliver Wymans Harbour Report ausweist. Sie arbeiten auch effektiver als die Hyundai-Werke im Heimatland.

Diese SUV erobern den Genfer Automobilsalon
BMW X3Mit mehreren Welt- und Europapremieren präsentiert sich BMW auf dem diesjährigen Internationalen Automobil-Salon in Genf. Darunter ist auch die zweite Generation des BMW X3. Bereits 2003 begründete BMW mit dem X3 das Segment der Mittelklasse Sports Activity Vehicles (SAV). Die in Genf vorgestellte zweite Generation überzeugt mit zwei leistungsstärkeren und im Verbrauch abermals gesenkten Dieselmotoren. Der leicht geliftete X3 hat einen Kraftstoffverbrauch von fünf Litern pro 100 Kilometern beziehungsweise 8,3 Litern (Stadtverkehr). Die CO2-Emissionen betragen kombiniert 193 bis 131 Gramm pro Kilometer. Quelle: dpa
Opel Adam RocksDie Rüsselsheimer haben eine höher gelegte Version ihres Stadtflitzers mitgebracht, um die vielen SUV-Fans auf "Augenhöhe" abzuholen. Dank modifiziertem Fahrwerk liegt der Rocks 1,5 Zentimeter höher über dem Fahrzeugboden des klassischen Adam. Zur Serienausstattung gehören nicht nur LED-Rück- und Tagfahrlichter, sondern auch ein elektrisches Faltdach, das Cabrio-Fans beim Adam bisher schmerzlich vermissten. Künftig wird die komplette Adam-Reihe mit zwei verschiedenen Drei-Zylinder-Motoren zu haben sein. Variante A als 66 kW/90 PS oder B als 85 kW/115 PS. Damit der Adam noch sparsamer unterwegs ist, bringen die Rüsselsheimer die modernen Direkteinspritzer mit einem frischen Sechsgang-Getriebe zusammen. Preislich soll der Rocks wohl rund 2000 bis 2500 Euro über dem bisherigen Adam liegen. Im Sommer soll er zu den Händlern kommen. Quelle: dpa
Jeep RenegadeStatt eines Facelifts eines bestehenden Modells präsentiert Jeep in Genf eine Weltneuheit: Der Jeep Renegade ist mit 4,23 Metern deutlich kompakter als andere Modelle des Geländewagenherstellers. In der Ausstattung steht er den Großen aber in Nichts nach: Motorisiert ist der Geländewagen wahlweise mit einem 1,6-Liter Benziner (108 PS) oder einem Zwei-Liter Turbodiesel (138 oder 167 PS). Allradantrieb und allgemeine Offroadtauglichkeit verstehen sich bei Jeep von selbst. Quelle: dpa
VW T-RocDie Verschmelzung von Geländewagen, City-Flitzer und Buggy mag auf dem Papier wie eine gute Idee wirken. Zumindest optisch funktioniert die Kombination bei VWs Fahrzeug-Studie T-Roc jedoch so gar nicht. Die aggressive Front mit dem großen Grill und den schlitzartigen LED-Leuchten passt einfach nicht zu dem zierlichen Zweitürer. Bleibt zu hoffen, dass der Spagat zwischen den unterschiedlichen Anforderungen zumindest fahrtechnisch besser gelöst wird. Quelle: dpa
Martin Winterkorn - der oberste Wolfsburger höchstpersönlich - stellte die neue SUV-Studie im Golf-Format vor. Mit 4,18 Meter Länger ordnet sich der T-Roc zwischen Taigun (3,86 m) und Tiguan (4,43 m) ein. In der Mittelkonsole gibt es ein als Tablet konzipiertes Multitouch-Display, das auf Bewegungsgesten der Finger reagiert. Im Bereich der Innenspiegel ist außerdem eine HD-Kamera integriert. Beide Geräte lassen sich auch außerhalb des Fahrzeugs nutzen. Leichtbauweise machen den nur 1,50 hohen T-Roc zu einem Federgewicht von nur 1400 Kilogramm. Die 100 km/h packt der kleine (Radstand 2,60), aber dafür breite (1,81) Fun-SUV in 6,9 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit laut VW: 210 km/h. Quelle: dpa
Hyundai IntradoHyundai präsentiert sich in Genf mit seinem Konzeptfahrzeug Intrado. Als Weiterentwicklung der Hyundai Designsprache "Fluidic Sculpture" hat Hyundai beim Intrado mit neuen Materialien und kontrastierenden Farbschemen gearbeitet. Der Intrado ist das erste Konzeptfahrzeug, das unter der Leitung von Peter Schreyer seit seiner Ernennung zum Chefdesigner der Hyundai Motor Group entstanden ist. "Die Wahrnehmung der Marke Hyundai in Europa hat sich erheblich gewandelt, seit wir 2009 begonnen haben, das Gesicht unserer Fahrzeuge zu verändern. Seitdem haben wir unseren Marktanteil nahezu verdoppelt, und das Design ist mittlerweile der wichtigste Grund, warum sich Kunden für ein Hyundai Modell entscheiden", sagt Mark Hall, Vice President Marketing, Hyundai Motor Europe. Quelle: AP
Citroen Cactus C4 Citroen stellt in Genf den Cactus C4 auf den Präsentierteller. Die Studie war bereits auf der IAA in Frankfurt zu sehen. Der schicke Franzose wird als Alternative zu herkömmlichen Kompaktlimousinen gehandelt und besticht vor allem durch sein spezielles Design. Luftpolster an den Türen sollen das Auto vor Kratzern und Beulen schützen und der Park-Assistent, ein sieben-Zoll-Touchscreen machen das Fahren einfacher. Hunger unterwegs? Auch das ist im Cactus C4 kein Problem: Ein integrierter Online-Dienst sucht nach günstigen Tankstellen oder nahegelegenen Restaurants. Preislich liegt der Cactus bei rund 15.000 Euro. Quelle: dpa

Und das brandneue Werk im brasilianischen Piracicaba, etwa 150 Kilometer nordwestlich von São Paulo, soll noch besser sein – aktuelle Zahlen legt Hyundai freilich nicht vor. Auf 1,4 Millionen Quadratmeter Fläche baut Hyundai dort pro Jahr 180 000 Kompaktwagen des Typs HB20, der dem ix20 gleicht, für den brasilianischen Markt – den viertgrößten der Welt.

Was auffällt: In den riesigen Hallen arbeiten nur wenige Menschen, die meisten Arbeiten in der Lackiererei oder in der Karosseriefertigung übernehmen Roboter. Nach dem brasilianischen Vorbild soll 2015 eine neue Hyundai-Produktion im US-Bundesstaat Texas entstehen. „Hyundai und Kia haben sehr viel von den Japanern gelernt“, sagt Produktionsexperte Horst Wildemann von der Technischen Universität München.

Die beliebtesten Firmenwagen des Jahres
Kategorie „Minicar“Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Der Hyundai i10 ist in dieser Klasse nicht nur das beste Modell eines Importeurs, sondern zugleich der beste Kleinstwagen mit konventionellem Verbrennungsmotor überhaupt. Der kleinste Hyundai überzeugt mit ansprechendem Fahrverhalten, hohem Komfort und niedrigen Betriebskosten: Unter der Motorhaube arbeitet ein effizienter Benziner, der je nach Hubraum wahlweise 49 kW (67 PS) oder 64 kW (87 PS) freisetzt. Außerdem gewährt die Marke eine Fahrzeuggarantie von fünf Jahren ohne Kilometerbegrenzung, die auch einen europaweiten Mobilitätsservice umfasst. Quelle: Presse
Bei den so genannten Minicars, also Kleinstwagen, siegte in der Gesamtwertung der Volkswagen E-UpHintergrund: Bei Europas größtem Praxis-Vergleichstest testen und bewerten die Fuhrparkmanager alljährlich zwei Tage lang potenzielle Firmenautos. In diesem Jahr haben 280 Fahrzeugprofis an der Wahl teilgenommen. Die Fachleute betreuen in ihren Unternehmen zusammengerechnet mehr als 200.000 Fahrzeuge und repräsentieren somit die Elite deutscher Flottenkunden. Im Auftrag der Fachzeitschrift „Firmenauto“ und der Sachverständigenorganisation Dekra nahmen sie 71 Modelle in elf Kategorien unter die Lupe und legten dabei rund 50.000 Kilometer zurück ... Quelle: Presse
Den Gesamtsieg bei den Kleinwagen erreichte der BMW i3, das Pendant bei den Importeuren erreichte der Citroen DS3. ... Da in jeder Klasse jeweils ein Gesamt- und ein Importsieger ermittelt wurden, dürfen 2014 insgesamt 19 Modelle (in drei Kategorien gab es nur eine Gesamtwertung) das Prädikat „Firmenauto des Jahres“ tragen. Die Flottenmanager bewerteten neben Fahrverhalten und Komfort insbesondere die Wirtschaftlichkeit des Autos. Quelle: Presse
In der Kompaktklasse belegte der Seat Leon ST den ersten Platz. Quelle: Ampnet
Die neue Mercedes-Benz C-Klasse erreichte den ersten Platz in der Mittelklasse, diesen belegte bei den Importeuren der Lexus IS. Quelle: Presse
In der oberen Mittelklasse ging der erste Platz an den Tesla Model S. Quelle: Presse
In der Oberklasse siegte der Porsche Panamera.   Quelle: Presse

In den vergangenen Jahren hat Hyundai die gemeinsame Entwicklung und Produktion mit Kia drastisch vereinfacht und verschlankt: 2002 nutzten die beiden Marken noch 22 verschiedene Plattformen. Bis Ende des vergangenen Jahres schmolz die Vielfalt aufgrund der Synergien auf sechs zusammen. Im Jahr 1998, als Hyundai Kia übernahm, teilten sich die beiden Marken lediglich 20 Prozent der rund 740 Zulieferer, aktuell sind es mehr als 90 Prozent.

Doch die rasante Expansion hat auch Schattenseiten. Stefan Bratzel, Leiter des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, beobachtet nach Jahren stürmischer Expansion inzwischen eine Zunahme von Rückrufen – für den Fachmann ein Indiz für wachsende Qualitätsprobleme. 2013 stieg die Zahl der Hyundai-Rückrufe etwa in den USA um 263 Prozent – bei einem branchenübergreifenden Zuwachs um 131 Prozent.

Mobilität



Vermutlich auch deshalb will Hyundai-Firmenpatriarch Chung Mong-koo sich nun etwas mehr Zeit für die Entwicklung lassen. Insider berichten, der 76-Jährige befürchte, durch Qualitätsprobleme ebenso heftig gebeutelt zu werden wie Toyota vor einigen Jahren. Statt auf Masse soll der Fokus nun erst einmal auf die Qualität der Produkte gelegt werden, auf Herstellung und die Organisation. „Es wird interessant sein, wie gut sie aus dieser Phase der Reorganisation herauskommen“, sagt Bratzel.

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